Berlin  „Klima der Angst“: NDR-Redakteure prangern schwere Missstände an

Jakob Patzke
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Von Jakob Patzke
| 25.08.2022 13:01 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 2 Minuten
Beim NDR in Schleswig-Holstein haben mehrere Mitarbeiter schwere Vorwürfe erhoben. Foto: imago images/Hanno Bode
Beim NDR in Schleswig-Holstein haben mehrere Mitarbeiter schwere Vorwürfe erhoben. Foto: imago images/Hanno Bode
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Nach der Affäre um die ehemalige RBB-Intendantin Patricia Schlesinger gibt es offenbar einen weiteren Skandal beim öffentlich-rechtlichen Rundfunk. So sollen beim NDR mehrere Journalisten des Landesfunkhauses in Kiel schwere Missstände angeprangert haben.

Die anonymen Zeugen sprechen unter anderem von einem „politischen Filter“ und einem „Klima der Angst“, das in der Redaktion bestehen soll. Zu den Vorwürfen gehören unter anderem die Behinderung von Berichterstattung sowie ein Herunterspielen kritischer Informationen. Zunächst hatte der „Business Insider“ berichtet, dem ein interner Untersuchungsbericht vorliegt.

Konkret geht es um neun Mitarbeiter des NDR in Schleswig-Holstein, die sich in den vergangenen zwei Jahren an den Redaktionsausschuss gewandt und schwere Vorwürfe erhoben hätten. Beiträge würden in den Abnahmen massiv verändert werden, Führungskräfte im Sender würden sich wie „Pressesprecher der Ministerien“ verhalten.

Weiter heißt es in dem Untersuchungsbericht des NDR Landesfunkhaus Schleswig-Holstein: „Es werde teilweise nicht vom Ministerpräsidenten Daniel Günther oder seinem Stellvertreter Heiner Garg, sondern von ‚Daniel‘ und ‚Heiner‘ gesprochen.“

Auf Anfrage des „Business Insider“ erklärte eine NDR-Sprecherin, dass die „pauschale Beurteilung ‚Klima der Angst‘ sich nach persönlichen Gesprächen mit zahlreichen Mitarbeitenden nicht bestätigt hätten.“ Die Nachforschungen zu den Vorfällen seien allerdings noch nicht abgeschlossen. „Die Chefredaktion führt Einzelgespräche mit allen Mitarbeitenden“, heißt es.

Eine erste Stellungnahme hatte die Sprecherin zuvor zurückgezogen. Darin hieß es noch, dass der Vorgang „aus Sicht des Redaktionsausschusses, des beteiligten Mitarbeiters und des zuständigen Programmbereichs aufgearbeitet und abgeschlossen“ sei. Darüber hinaus hätten sich die kritischen Schilderungen als „nicht zutreffend erwiesen.“

Zur Berichterstattung über die Vorwürfe der politischen Einflussnahme gegen die Senderleitung des NDR erklärt der medienpolitische Sprecher der FDP-Landtagsfraktion, Bernd Buchholz: „Wir haben die Berichterstattung zu den Vorwürfen der politischen Einflussnahme gegen die Senderleitung des NDR zur Kenntnis genommen und haben das Thema daher für die nächste Sitzung des Innen- und Rechtsausschusses angemeldet.“ Damit gebe man dem Direktor des Landesfunkhauses sowie der Vorsitzenden des Rundfunkrates die Möglichkeit, gegenüber dem Parlament zur Aufklärung beizutragen.

Der Vorfall kommt für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk zur Unzeit. Gerade hatte die Affäre um die ehemalige RBB-Intendantin Patricia Schlesinger eine Debatte über die Stellung von ARD und ZDF ausgelöst. In der Angelegenheit geht es um umstrittene Beraterverträge für ein RBB-Bauprojekt, undurchsichtige Abstimmungen beim Gehalt sowie Bonuszahlungen.

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