Initiative in Leer Zusatzschilder sollen Straßennamen erklären
Die Leeraner und ihre Besucher sollten erfahren, warum die Straßen in der Stadt heißen, wie sie heißen. Das fordert Dr. Wolfgang Hofer. Er hat auch eine Idee, wie das zu finanzieren wäre.
Leer - Derzeit wird vergleichsweise viel über Namen von Leeraner Straßen geredet: Der Zollhaus-Vorplatz wurde nach dem jüdischen Mädchen Liesel Aussen benannt. Es wird diskutiert, ob die Bavinkstraße ihren Namen behalten kann, nachdem bekannt wurde, dass Bavink der Ideologie der Nazis nahestand. Und im Gespräch ist auch, ob eine Straße den Namen des Altstadt-Retters Josefhermann Höcker tragen soll.
Was und warum
Darum geht es: Dr. Wolfgang Hofer will, dass Zusatzschilder erklären, wer die Personen sind, nach denen Straßen in Leer benannt wurden – und zwar so, dass die Informationen auch leicht lesbar sind.
Vor allem interessant für: alle, die sich für die Leeraner Geschichte und für die Stadt prägende Persönlichkeiten interessieren
Deshalb berichten wir: Dr. Wolfgang Hofer war mit seinen Vorschlägen an die Redaktion herangetreten. Die Autorin erreichen Sie unter: k.mielcarek@zgo.de
Dr. Wolfgang Hofer treiben Leeraner Straßennamen um – schon seit Jahren –, wie er der Redaktion berichtet. „Ich möchte, dass erkennbar ist, wer die Personen waren, nach denen Straßen benannt wurden. Das ist aus meiner Sicht ein historisches Muss.“
Information und Würdigung
Dabei gehe es einerseits um die reine Information – und zwar nicht nur für die Touristen, sondern auch für die Leeraner, wie Hofer betont. Die Benennung einer Straße nach einer verdienten Persönlichkeit diene aber auch deren Würdigung. Die könne aber nur gelingen, wenn die Passanten wenigstens ein wenig über die Leistungen der so Geehrten erführen.
Diesen Wunsch habe er in den vergangenen Jahren diverse Male geäußert, „aber ich habe keine Mitstreiter gefunden“, zieht er Bilanz. Nur der Bauverein habe vor einigen Jahren mitgezogen und Zusatzschilder für 20 Straßen finanziert. „Das war im Rahmen des Sanierungsprogramms ,Soziale Stadt‘ in der Oststadt“, bestätigt der damalige Vorsitzende Fritz Zitterich. Es sei sinnvoll, dass auch Außenstehende etwas über den Hintergrund der Benennung erführen, findet auch er.
Schrift ist zu klein
So sehr sich Hofer darüber freut, dass es wenigstens einige Straßen mit Zusatzinformationen gibt, so unzufrieden ist er mit der Umsetzung. „Die Schilder wurden damals im Rahmen einer Veranstaltung auf dem Denkmalsplatz präsentiert“, erinnert er sich. „Als ich die Schilder sah, bin ich fast hintenüber gefallen.“ Viel zu klein seien sie gewesen, die Schrift selbst aus der Nähe kaum mehr zu entziffern. Das hätten andere Städte deutlich besser hinbekommen, sagt Dr. Hofer und verweist unter anderem auf Münster. „Die Gestaltung sei Sache der Stadt gewesen“, sagt Zitterich. Er stimme Dr. Hofer zu, dass die Zusatzinformationen möglichst gut lesbar sein sollten.
Aus Sicht von Dr. Hofer gibt es noch viele Straßen, bei denen die Informationen wichtig wären. „Beispielsweise der Ernst-Pagels-Weg beim Inselgarten. Ernst Pagels hat so viel für die Stadt getan, das bestimmt eine Erwähnung wert wäre.“ Dafür seien Straßennamen doch da, „sonst könnten wir ihnen einfach Nummern geben wie man das in Amerika macht“.
Patenschaften für Info-Schilder?
Vielleicht könne man ja über eine Art Patenschafts-Modell nachdenken, schlägt er vor. Womöglich finde sich in den jeweiligen Straßen jemand, der für ein entsprechendes Zusatzschild sorgt. Die Kosten schätzt Hofer auf rund 250 Euro pro Stück.
Er hat sich vorgenommen, mit seinen Vorstellungen an den Arbeitsgruppen zur Gestaltung der Innenstadt teilzunehmen, die in Kürze starten sollen. Dort können Bürger Ideen einbringen, wie sich Leer weiterentwickeln könnte. Diese Arbeitsgruppen gehören zum Förderprogramm „Perspektive Innenstadt“, aus dem die Stadt Leer knapp 900.000 Euro bekommt. Das Geld soll vor allem in die Aufwertung der Ledastraße und in kleinere Maßnahmen zur Verbesserung der Aufenthaltsqualität in der Brunnenstraße fließen. Ein Teil wird aber auch genutzt, um Ideen zu entwickeln, die erst im Laufe der nächsten Jahre umgesetzt werden könnten.