Einladung nach Berlin Malin Tellmann und Laura Pörschke beim Bundespräsidenten
Die beiden jungen Frauen engagieren sich im Saterland ehrenamtlich für den Erhalt der Sprache. Nun sind sie am Freitag im Schloss Bellevue zu Gast.
Saterland - Unter dem Motto „Engagement: Ehrensache!“ lädt Frank-Walter Steinmeier an diesem Freitag, 26. August, im Rahmen seines zweitägigen Bürgerfestes Menschen aus dem gesamten Bundesgebiet ein, die sich in verschiedenen Bereichen wie Kultur, Gesundheit, Sport, Bildung, Naturschutz und Digitalisierung im Ehrenamt engagieren. Damit möchte der Bundespräsident ihr Engagement für die Gesellschaft würdigen. Im Fokus sollen dieses Jahr dabei vor allem die jungen Menschen stehen.
Die Veranstaltung findet in Berlin, im Schloss Bellevue, dem Amtssitz des Bundespräsidenten, statt und soll den Teilnehmerinnen und Teilnehmern als Forum des Austausches sowie der Diskussion und Vernetzung dienen. Mehr als 1500 Ehrenamtliche erhielten in den letzten Tagen eine persönliche Einladung aus Berlin. So wie Malin Tellmann (19) und Laura Pörschke (21) aus dem Saterland. Karl-Peter Schramm, Mitglied im Vorstand des Seelter Buundes und Vertreter der Saterfriesen im Minderheitenrat, schlug die beiden Jugendlichen für die Veranstaltung vor.
Was ziehen sie an?
Wir trafen die jungen Saterfriesinnen in Scharrel beim Seelterfraiske Kulturhuus und fragten nach, wie das so ist, Post aus hohem Hause zu bekommen, wofür sie sich engagieren und ob sie schon wissen, was sie anziehen. Auf der Einladung steht in verschnörkelter Schrift: „Der Bundespräsident und Frau Elke Büdenbender bitten Frau Laura Pörschke und Begleitung zum Bürgerfest in den Park von Schloss Bellevue.“ Darüber prangt der Bundesadler in Gold. Malin Tellmann hat die gleiche Karte. „Es ist eine sehr, sehr große Ehre, dass wir als Gäste eingeladen sind“, sagt Malin sichtlich beeindruckt. „Die wichtigste Frage ist, was zieht man an? Da kann man viel falsch machen. Wir informieren uns noch, wer alles geladen ist, recherchieren, wer kommt. Ich bin mit den Jugendvertretern, die ich in Berlin kennengelernt habe, vernetzt.“
„Hallo Düütsklound, uus rakt et un uus skäl et ook noch langer reke“
Seit Jahren engagieren sie sich für den Erhalt des Saterfriesischen. Es ist die Sprache der Saterfriesinnen und Saterfriesen, die nur noch wenige kennen und sprechen und so quasi vom Aussterben bedroht ist. Sie sind in ihren Familien, im Kindergarten und der Grundschule mit Saterfriesisch groß geworden. Heute gilt das Saterland als kleinste Sprachinsel Europas.
„Saterland war abgeschieden vom Moor. Nur über die Ems ging es raus und rein“, berichtet Laura. „Saterfriesisch ist etwas Besonderes, was das Saterland ausmacht. Das möchten wir auch fortführen.“ Beide empfinden es als Privileg, Saterfriesisch sprechen und verstehen zu können. Und sehen sich in der Verantwortung, dieses hohe kulturelle Gut weiterzugeben.
Bereits 2018 und 2019 konnten die jungen Saterfriesinnen im Rahmen von Konferenzen auf Bundesebene in Berlin über ihr Herzensprojekt sprechen und sich mit anderen Ehrenamtlichen austauschen. Nun freuen sie sich auf das kommende Bürgerfest in Berlin. Eine Rede werden die zwei wohl nicht halten, dennoch sind sie gut vorbereitet. „Hallo Düütsklound, uus rakt et un uus skäl et ook noch langer reke“, lautet Malins Satz, wenn sie gebeten wird, etwas auf Saterfriesisch zu sagen. Übersetzt bedeutet es: „Hallo Deutschland, uns gibt es, und es soll uns auch noch lange geben.“
Laura nimmt ihre Cousine mit, die Saterfriesisch-Kurse im Kulturhuus leitet. Malin wird von ihrem besten Freund begleitet. „Ich denke, das wird eine ganz lustige Runde. Lauras Cousine ist auch meine Tante. Es wird fast wie ein Familientreffen sein“, sagt Malin lachend.