Corona-Impfung Mehr Fakten, weniger Meinung
Weltärztebund-Präsident Frank Ulrich Montgomery spricht sich für eine weitere Booster-Impfung für Unter-60-Jährige aus. Das hätte er besser bleiben lassen.
Jetzt also auch noch Weltärztechef Frank Ulrich Montgomery. Er erklärt öffentlichkeitswirksam, welches Impfschema er für sinnvoll hält. Das hatte vor dem Radiologen auch schon Gesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) getan. Was bleibt? Viel Verwirrung, wahrscheinlich zu viele bestellte Impfdosen und ein weiterer Vertrauensverlust in Sachen Corona-Politik.
Neben überteuerten Apps und Regel-Verwirrung geht es auch in Sachen Impfung wieder so chaotisch zu, wie man es im dritten Corona-Jahr als optimistischer Mensch nicht erwartet hätte. Während europäische Arzneimittelbehörde und Robert-Koch-Institut eine Impfung ab 60 empfehlen, halten andere dagegen. Woran soll sich der Bürger da orientieren? Für den Laien ist die Notwendigkeit und Wirksamkeit einer vierten Impfung schwer nachzuvollziehen. Studien weisen offenbar darauf hin, dass diese für gesunde Menschen unter 60 keinen überragenden Mehrwert haben muss. Warum agiert der Gesundheitsminister, und nun auch Weltärztechef Montgomery, dann nach dem Motto „viel hilft viel“?
Sicher ist es hilfreich, unterschiedliche Meinungen abzugleichen. Bei der Wirksamkeit einer vierten Impfung für alle aber kann es nur um Studien und wissenschaftliche Fakten gehen. Dass ausgerechnet Fachleute wie Lauterbach und Montgomery ihre persönliche Meinung zu Markte tragen, die mit der Sachlage nicht vereinbar ist, hinterlässt kein gutes Bild.