Sie ist wieder da „Blaue Brücke“ in Kamperfehn wurde restauriert
Die Anlieger hatten Ende der 1950er Jahre für die Brücke gesammelt. Bis sie stand, verging noch einige Zeit. Auch heute noch wird das Bauwerk geschätzt.
Kamperfehn - Seit 1956 gibt es die Fußgängerbrücke über den Elisabethfehnkanal in der Ortschaft Kamperfehn. Die sogenannte „Blaue Brücke“ stellt auch heute noch die Verbindung zwischen beiden „Hälften“ des Orts her. Es ist eine geschweißte Stahlkonstruktion mit einer Spannweite von 22 Metern und einer Breite von 1,50 Metern sowie einer Durchfahrtshöhe von rund vier Metern. In den vergangenen Wochen aber war das „kleine Wahrzeichen“ des Orts verschwunden. Um von der einen zur anderen Kanalseite zu gelangen, mussten die Einwohner einen großen Umweg in Kauf nehmen. Die Stadt Friesoythe als Träger des Bauwerkes ließ die Fußgängerbrücke restaurieren.
Seit 66 Jahren Tag für Tag dem Wetter ausgesetzt, war eine Überholung dringend erforderlich. Dafür hatten sich insbesondere die beiden Kamperfehner Elke Schon und Heino de Buhr eingesetzt, denn die Kamperfehner wollen ihre Brücke auch in den kommenden Jahren erhalten wissen.
Schiene für Radfahrer
Mittels eines Schwerlastkranes wurde das denkmalgeschützte Bauwerk aus seiner Verankerung gehoben und auf dem Gelände der Firma LTL Haus- und Gartenservice der Zwillingsbrüder Henning und Erik Lüken gehievt. Dort wurde die Stahlkonstruktion abgestrahlt und mit einem neuen, natürlich wieder blauen Anstrich versehen. „Damit in Zukunft auch die Radfahrer die Brücke passieren können, haben wir beidseits eine Schiene angebracht, über die der Drahtesel hoch geschoben werden kann“, sagt Christian Gerdes vom Bauamt der Stadt Friesoythe.
In der vergangenen Woche wurde die „Blaue Brücke“ nun wieder an seine angestammten Standort zurückversetzt. Das nahmen die Anwohner und der Ortsverein Kamperfehn zum Anlass, um ein kleines Brückenfest zu feiern. Dazu wurde die Brücke mit einem wunderschönen Kranz verziert. „Wir sind froh, dass wir wieder unsere Brücke haben“, sagt der Vorsitzende des Ortsvereins Ludger Holzenkamp.
Schon 1955 gewollt
Den Namen „Blaue Brücke“ habe das Bauwerk nicht nur wegen seiner Farbe erhalten. Man munkelt im Ort darüber, dass der Name auch eine andere Bedeutung hat: Wenn die Menschen aus der damaligen Gaststätte Schütte angetrunken kamen, gingen sie sozusagen „blau“ über die Brücke.
„Der Wunsch, in Kamperfehn eine eigene Brücke zu erhalten, ergab sich schon 1955. Die Besiedlung nahm langsam stetig zu – auch auf der Ostseite des Hunte-Ems-Kanals, heute Kanalstraße Nord. Die Kamperfehner griffen zur Selbsthilfe und unternahmen eine Haussammlung. Doch zu einem Brückenbau kam es nicht“, erinnert sich Holzenkamp. Die Notwendigkeit wurde immer deutlicher, zumal auch die Schüler der neuen Evangelischen Volksschule mittlerweile mit einem Boot von hüben nach drüben übergesetzt werden mussten, wollten sie am Unterricht teilnehmen. „Die Brücke wurde damals auch geliefert, aber nicht aufgestellt. Ein Jahr lang lag sie am Straßenrand. Für die Kamperfehner ein Schildbürgerstreich. Im einsetzenden Winter bekam das Ganze einen besonderen Reiz, als sich Lehrer, Schüler und die Einwohner des Dorfes gezwungen sahen, auf den Sprossen ausgelegter Leitern wagemutig über die dünne Eisdecke des Kanals zu balancieren. „Im November 1956 ging endlich der Wunsch der Bevölkerung in Erfüllung: Die Fußgängerbrücke wurde installiert und steht noch heute“, so der Vorsitzende des Ortsvereins.