Osnabrück Mordanschlag auf Kreml-Propagandistin befeuert russische Nationalisten
Der Bombenanschlag auf Putin-Bewunderin Darja Dugina ist ein Geschenk für die russischen Kriegshardliner - offenbart aber auch die Verwundbarkeit des Regimes in Moskau.
Der Mordanschlag auf die Tochter des rechtsnationalistischen Einheizers Alexander Dugin dürfte im Kreml für reichlich Aufregung, wenn nicht Beunruhigung sorgen. Dass die Politik trotz aller Repression eines omnipräsenten Sicherheitsapparates um und in der Hauptstadt nicht für Sicherheit sorgen kann, wirft ein schlechtes Licht auf Präsident Wladimir Putin - zumal es in jüngster Zeit zudem auf der von Russland annektierten Schwarzmeer-Halbinsel Krim zu Anschlägen von Tataren gegen die Besatzer und verstärkten Drohnen-Attacken gekommen ist.
Der Eindruck, das herrschende Regime sei zunehmend verletzbar, drängt sich geradezu auf. Dabei ist es für Moskau in diesen Kriegstagen wichtiger denn je, jeden Eindruck von Schwäche zu vermeiden.
Die große Frage ist nun: Wer steckt hinter dem Mord an Darja Dugina? Sollten tatsächlich Agenten der Ukraine in der Lage gewesen sein, auf russischem Boden einen Anschlag zu verüben, wie es russische Nationalisten Kiew vorwerfen? Oder artikuliert sich in dem Attentat innenpolitischer Widerstand gewaltsam gegen die Großmacht- und Unterdrückungspolitik des Präsidenten? Vielleicht sogar aus den eigenen Reihen des Machtapparates? Bislang bleibt nur Spekulation.
So oder so hat der Anschlag eine Symbolfigur der aktuellen russischen Politik getroffen. Wie ihr Vater war Darja Dugina eine glühende Verfechterin des Angriffskrieges gegen die Ukraine. Dugins antiwestliche, ultranationalistische Philosophie war in den vergangenen Jahren zur vorherrschenden politischen Ideologie im Land geworden und hat damit die expansionistische Außenpolitik und das immer aggressivere Auftreten Putins auf der Weltbühne maßgeblich beeinflusst, vor allem auch in Bezug auf die Ukraine.
Wenige Tage vor deren Unabhängigkeitstag am 24. August, jenem Datum, das gleichzeitig den Beginn des Ukraine-Krieges vor genau einem halbe Jahr markiert, weckt das jüngste Attentat Befürchtungen, es könne nun zu Racheakten kommen. Und könnte Moskau den Unabhängigkeitstag nicht auch für besondere militärische Brutalität nutzen?
Der Tod von Darja Dugina zum jetzigen Zeitpunkt spielt aggressiven russischen Nationalisten in die Hände. Moskau und Kiew stehen einander unversöhnlicher gegenüber denn je. Für den weiteren Kriegsverlauf bedeutet das nichts Gutes.