Bremen Wie Werder Bremen bei Borussia Dortmund bestehen kann
Der ehemalige Fußball-Profi Hans-Jürgen Gundelach analysiert exklusiv für das „Delmenhorster Kreisblatt“ die Fußball-Bundesliga und die Spiele des SV Werder Bremen. Der Torhüter kam in 194 Erst- und Zweitligaspielen für Eintracht Frankfurt, den FC Homburg und den SV Werder zum Einsatz. In Bremen, wo er später Trainer im Nachwuchsleistungszentrum wurde, beendete er 1997 seine aktive Laufbahn. Er hat sich in Hude selbstständig gemacht und ist Coach in der Jugendabteilung des FC Hude.
Liebe Leserinnen und Leser,
ich bin ehrlich: Große Hoffnungen auf einen Erfolg des SV Werder bei Borussia Dortmund an diesem Wochenende habe ich nicht. Spielerisch ist Bremen zu limitiert und Dortmund zu stark. Wenn was geht, dann nur über Kampf, Wille, Laufbereitschaft – und die Unterstützung des Fußballgotts. Denn die Unterstützung der Zuschauer in Dortmund wirkt schon fast wie ein 13. Mann auf dem Platz.
Es war auch für mich und uns früher immer furchtbar, dorthin zu fahren. Du kämpfst gegen die Fans, die den BVB 90 Minuten anpeitschen, und gegen eine starke Mannschaft. Eine Welle nach der anderen rollt auf dich zu, du stehst das ganze Spiel unter Volldampf. Sollten die Bremer einen Punkt holen, würde ich das sofort unterschreiben. Sie müssen aufpassen, dass sie mit einem blauen Auge davonkommen. Ein wenig Hoffnung macht, dass der neu formierte Sturm des BVB mit Anthony Modeste möglicherweise noch nicht so gut eingespielt ist. Vielleicht erwischen sie da vorne im Sturmzentrum ja einen schlechten Tag.
Allerdings ist es auch nicht so schwer, Bremens Offensivkraft lahmzulegen – dazu müssen die Dortmunder ja „nur“ Marvin Ducksch und Niclas Füllkrug kaltstellen. Es fehlt nach wie vor ein wuchtiger, torgefährlicher Mittelfeldakteur auf Bremer Seite, wie schon vergangene Saison in Liga zwei. Dadurch ist man leicht auszurechnen.
Und bei Ecken nehmen die Bremer sogar noch einen eigenen Turm vom Brett. Warum Ducksch mit seinen knapp 1,90 Metern die tritt, ist mir ein Rätsel. So jemanden brauchst du da doch im Zentrum – somit bleibt ja nur Füllkrug. Und ein Milos Veljkovic, wenn er mal mit aufrückt. Außerdem sind Duckschs Ecken ja noch nicht einmal gut getreten, meistens jedenfalls. Aber das wäre eben auch die Sache eines offensiven Mittelfeldakteurs, der Verantwortung übernimmt und ein feines Füßchen hat. Den Bremen, wie gesagt, nun mal nicht hat.
Der Verein wird wohl erst mal weiter in Regionen rumkrebsen, in denen er sich in der letzten Erstligasaison überwiegend aufgehalten hat – Platz elf oder zwölf abwärts. Für Prognosen ist es aber eigentlich noch zu früh. Das erste Spiel gegen Wolfsburg war gut, das zweite gegen Stuttgart durchwachsen. Es wird noch mindestens vier bis fünf weitere Partien dauern, bis eine leichte Tendenz zu erkennen ist, wo die Reise hingehen könnte.
Der Kader ist auf Zweitliganiveau verblieben, trotz der Verstärkungen, die ebenfalls (noch) nicht erstligareif sind. Aber es ist ja das Bremer Prinzip, junge und talentierte Spieler erst noch dazu zu machen. Dass sie dazu in der Lage sind, haben sie in der Vergangenheit oft genug bewiesen. Und vielleicht fällt ja in der nächsten Transferperiode noch ein Spieler vom Laster. Gegen Dortmund wird Bremen aber erst mal nicht umhinkommen, den Bus vors eigene Tor zu fahren.