Emden „Elternzeit“ für Haustiere: Das hält ein norddeutscher Tierarzt von dem Trend
Für viele Menschen ersetzen Haustiere eigene Kinder. Mehrere Unternehmen in Großbritannien und den USA haben nun eine Art Elternzeit für frische Haustierbesitzer eingeführt. Das hält ein norddeutscher Tierarzt von der Idee.
Bezahlter Urlaub für Menschen, die sich gerade ein Haustier angeschafft haben - das haben mehrere Unternehmen im englischsprachigen Raum eingeführt. Der Gedanke dahinter: Haustier und Besitzer sollen Zeit bekommen, sich aneinander zu gewöhnen. Je nach Notwendigkeit bekommen Haustierbesitzer bis zu mehreren Monaten bezahlte freie Tage, sozusagen eine Elternzeit für Haustiere. Im Schnitt bekommen Angestellte eine Woche.
Die „Ostfriesen-Zeitung“ hat Experten in Norddeutschland gefragt, was sie davon halten: Eine „Schnapsidee“, nennt es der Hauptgeschäftsführer des Emdener Arbeitgeberverbandes, ein klares „Nein“ kommt von der Vorsitzenden einer Hundeschule. Auch Thomas Dirks, Inhaber einer Tierarztpraxis in Emden, hält ebenfalls nichts von der „Haustier-Elternzeit“: „Das klingt schon so, wie man es eigentlich nicht nennen darf“, sagt er. Es sei ein grundsätzliches Problem in der Gesellschaft: „Tiere sind keine Kinder.“
Während nur in gut einem Viertel aller deutschen Haushalte Kinder leben, sind Haustiere in fast der Hälfte vertreten – und für viele Menschen würden sie die Rolle von Kindern übernehmen, sie würden behandelt wie Kinder. Es sei eine „Parallelwelt“, in der Hunde in die Schule gehen, viel getragen und auf die Schnauze geküsst würden. Besonders Hunde bräuchten aber eine klare Hierarchie: „Wir sind für die das Rudel und nicht die Familie.“
Britta Symens, zweite Vorsitzende der Hundeschule Emden, betont, dass gerade Welpen am Anfang viel Zeit und Pflege bräuchten. Beziehungen müssten langsam aufgebaut und das Alleinsein erst trainiert werden. Hunde aus dem Tierheim seien es hingegen oft gewöhnt, allein zu sein. Bis zu zwölf Wochen könne es dauern, bis ein Hund stubenrein sei.
Eine Woche „Haustier-Elternzeit“ reiche bei einem Welpen bei weitem nicht aus. Wer sich einen Hund anschaffen möchte, sagt Tierarzt Dirks, müsse sich überlegen, ob man dem Tier wirklich gerecht werden könne – und zwar langfristig. Da gehe es um Geld, Bewegungsmöglichkeiten, Versicherungen, Spiel- und Spaßangebote, Zeit, Unternehmungen, Liebe, Hundesteuer und Hundeführerschein. Das gehe weit über die „Elternzeit“ hinaus.
Ob sich das Konzept dennoch auch in Deutschland durchsetzen könnte, sieht nicht nur der Tierarzt kritisch. Auch Johann Doden, Hauptgeschäftsführer beim Arbeitgeberverband für Ostfriesland und Papenburg, kann sich eine gesetzliche Regelung in Deutschland nur schwer vorstellen. Es herrsche ohnehin schon Arbeitskräftemangel.
Hundeschulenbesitzerin Symens schlägt stattdessen vor, die Anschaffung eines Hundes in den regulären Urlaub zu legen, am besten abwechselnd mit einer zweiten Person. Auch könne ein Hund oft einfach mit zur Arbeit genommen werden, wenn der Arbeitgeber das erlaubt. Währenddessen solle man mit dem Hund das Alleinsein trainieren.