Osnabrück ARD, ZDF und der wahre Skandal
Nach der Entlassung von Patricia Schlesinger steht das System der Öffentlich-Rechtlichen in der Kritik. Unser Autor ist von Vetternwirtschaft und Lustreisen alles andere als überrascht und fordert ein generelles Umdenken.
Die Entlassung der ARD-Vorsitzenden Patricia Schlesinger wäre aus meiner Sicht nicht nötig gewesen. Schicke Privat-Essen auf Kosten der Zuschauer, Aufträge an den Ehemann, Lustreisen unter Rückgriff auf die zwangsweise erhobenen Gebühren: Ich hatte nichts anderes erwartet.
Viel überraschender finde ich, wie überrascht jetzt mancher tut. Als hätte man es nicht vorher wissen können – als hätte man es nicht vorher gewusst.
Der Lebenswandel der Frau drückt aus, woran das System schon lange krankt, nämlich sich als Teil der Staatsführung zu verstehen. Ob Flüchtlingskrise oder Klima, Corona oder Krieg: Der Öffentlich-Rechtliche Rundfunk will Regierungshandeln überwiegend nicht durchleuchten. Er will sich sonnen als Partner der Mächtigen.
Gleichzeitig umgibt er sich mit einem Nimbus der Erhabenheit, der auch Ergebnis der Arbeit von PR-Agenturen ist. Die Tätigkeit der Anstalten müsse als elementar für die Demokratie hervorgehoben werden, heißt es in internen Argumentationshilfen. Angestrebter Effekt: Wer die Öffentlich-Rechtlichen angreift, wirkt wie ein Verfassungsfeind.
Ein anderes Framing lautet, dass ohne öffentlich-rechtliches Medienangebot namentlich der ARD die Vielfalt der Regionen keine Stimme hätte. Ich halte das für fragwürdig. Was machen ARD-Journalisten dann in aller Welt? Richtiger wäre wohl, dass es andernfalls nicht allerorts schöne Posten zu verteilen gäbe. Journalistisch haben die Regionalmagazine im Fernsehen jedenfalls nur eine begrenzte Bedeutung. Und online machen die Anstalten mit ihren Gebührengeldern regionalen Medienhäusern Konkurrenz, die sich aus eigener Kraft am Markt behaupten müssen – so auch unser Verbund.
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ARD-Chefin Schlesinger hat bedauert, die Empfindungen der Beschäftigten so nicht gekannt und falsch eingeschätzt zu haben. Das sollte bezüglich der Empfindungen im Rest der Republik nicht ebenfalls geschehen.
Immer mehr Sender, immer mehr digitale Angebote, immer mehr Spartenprogramme und kleinteilige Social-Media-Projekte – dieses wuchernde Gebilde soll eine Grundversorgung darstellen? Und was soll darin die ständige Gendersprache – neulich mit der ulkigen Volte einer „Krankenschwesterin“? Erst noch schöngeredet als Versprecher, war beim zweiten Mal klar, dass es sich bei der Wortschöpfung um Auswuchs und Illustration einer verschraubten Grundhaltung handelt. Vom natürlichen Sprachenwandel ist die Rede – aber krampfhafter geht es kaum.
Nett auch das Bestreben, den eigenen Kostenapparat an die allgemeine Preissteigerung zu koppeln. Wer hätte nicht gerne einen Finanzierungsautomatismus auf Lebenszeit? Bekommt jemand in dieser Blase eigentlich mit, was im übrigen Land oder im Ausland geschieht? Die Schweiz, Dänemark, Großbritannien: Zig Länder haben die Rundfunkapparate drastisch reduziert, während in Deutschland alle und jeder immer mehr dafür bezahlen muss, sich regelmäßig als gestrig beschimpfen zu lassen.