Osnabrück Musikfest Bremen startet mit dem Prinzip Hoffnung ins 33. Jahr
Das Musikfest Bremen zählt zu den wichtigsten Festivals für klassische Musik im norddeutschen Raum. Ein Erfolgsfaktor ist dabei die unbedingte künstlerische Qualität, die Intendant Thomas Albert in seinem Festival versammelt. Der andere ist, dass das Musikfest seinen Wirkungskreis über die Stadtgrenzen hinaus erweitert, nach Ostfriesland, ins Emsland.
Die Eröffnung des Musikfests Bremen ist immer ein rauschendes Fest. Rathaus, Dom, Glocke, Landgericht: Mit der „Großen Nachtmusik“ macht Intendant Thomas Albert aus der Innenstadt eine Flaniermeile mit luxuriösen Klanginseln. Da spielen an diesem Samstag Víkingur Ólafsson, einer der hochgehandelten Pianisten unserer Zeit, oder das Delian Quartett mit dem Schauspieler Ulrich Noethen, das Capricornus Consort Basel oder Rosie Frater-Taylor, eine Sängerin an der Schnittstelle zwischen Jazz, Folk und Soul. Zwischen den Konzerten flaniert man vom Rathaus zur Bürgerschaft, von der Glocke zum Landgericht, vom Dom zu Unser Lieben Frauen Kirche.
Mit der „Nachtmusik“ betont Albert den heimischen Garten seines Festivals, das Zentrum der Hansestadt Bremen. Doch seit jeher blickt der Intendant über den Zaun, erschließt sich nicht nur Stadträume, sondern geht in die Fläche, zum niedersächsischen Nachbarn. Das Arp-Schnitger-Festival ist längst zur Institution innerhalb des Festivals geworden und bringt den Schatz historischer Orgeln in Ostfriesland zum Klingen.
In diesem Jahr dehnt Albert seinen Wirkungskreis östlich von Bremen aus. Denn auch das Emsland hat spannende Spielorte zu bieten. Zum Beispiel das Jagdschloss Clemenswerth bei Sögel: Dort spielt Pianist Alexander Melnikow am Mittwoch, 31. August, einen „Clavierabend für Clemens August“, selbstverständlich auf einem Hammerflügel. Oder die St. Antonius-Kirche in Papenburg: Dort kommt am Sonntag, 28. August, das Konzert für Trompete und Orgel op. 98 von Fazıl Say zur Uraufführung. Der Konzertort ist mit Bedacht gewählt, denn dort steht ja seit 2021 die riesige Walcker-Orgel, die aus Gelsenkirchen nach Papenburg gekommen ist.
Die beiden Konzerte im Emsland stehen nicht solitär im Programm; Melnikow gastiert mit dem Orchester des 18. Jahrhunderts in der Glocke. Ebenfalls dort spielt die Deutsche Kammerphilharmonie die fünfte Sinfonie von Fazıl Say, ein Auftragswerk des Musikfests.
Wenn Albert von seinen Projekten und Plänen für die Zukunft spricht, spürt man die Begeisterung, die den Intendanten antreibt, sein Festival permanent weiterzuentwickeln. Die Liebe zur Musik ist dabei eine entscheidende Motivation, aber Albert hat immer auch den großen Kontext im Blick: Kultur im Allgemeinen und Musik im Speziellen versteht er als sinnstiftende Kraft für eine Gesellschaft, die mehr und mehr droht, auseinanderzudriften. „Kraft für die Gesellschaft“ will Albert geben, „für die intensive Kommunikation auf intellektueller wie auf emotionaler Ebene.“
Damit das funktioniert, bewegt sich Albert musikalisch am Puls der Zeit - was ein bisschen paradox klingt bei einem Festival, für das die historische Aufführungspraxis eine zentrale Rolle spielt. Wenn aber eben kein konventionelles Orchester Bruckners siebte Sinfonie spielt, sondern das Alte-Musik-Orchester Anima Eterna aus Brügge unter der Leitung von Pablo Heras-Casado, darf man davon ausgehen, altbekanntes Repertoire neu, im Geist seiner Entstehungszeit, zu erleben (Donnerstag, 25. August) . Albert bringt das auf eine knackige Formel:
Dabei existiert das Musikfest Bremen keineswegs auf einer Insel der Glückseligen. Wie alle Institutionen kämpft das Festival um sein Publikum; der Vorverkauf läuft schleppender als in den Jahren vor Corona. Doch Albert bleibt zuversichtlich: „Wir sind ganz mutig“, sagt er, „und hoffen auf mehr Besucher als im letzten Jahr.“