Digital total Eine tragbare IR-Kamera im Badezimmer
Die Digitalisierung bringt den Menschen nicht nur Vorteile. Wenn es allerdings um technische Geräte geht, kann sich der Fortschritt sehen lassen.
In vergangenen Kolumnen habe ich schon mehrmals über den Wasserschaden in unserem Bad berichtet und darüber, wie schwer es ist, heutzutage einen Menschen bei einer großen Firma zu erreichen. Denn da wird ja mittlerweile anscheinend am liebsten mit automatisierten Systemen gearbeitet, die aber leider oft nicht sehr zielführend sind. Das ist ein Nachteil der Digitalisierung. Ein Vorteil hingegen ist die technische Ausrüstung, mit der schließlich der Sanierungsspezialist unser Bad untersucht hat, nachdem wir endlich zu einem denkenden Menschen durchgedrungen waren.
Zur Person
Fabian Scherschel (37) arbeitete viele Jahre als Redakteur für Computermagazine in Deutschland und Großbritannien. Mittlerweile hat der begeisterte Podcaster und Videospieler sein eigenes Projekt: fab.industries. Fernseh- und Radiosender schätzen den Düsseldorfer als Experten und Interviewgast. Kontakt: kolumne@zgo.de
Dazu muss man sagen, dass wir Feuchtigkeit an Stellen im Badezimmer haben, wo diese eigentlich nicht hingehört – etwa in den Türzargen. Allerdings war nicht offensichtlich, wo diese herkam. Früher hätte man dafür wohl sämtliche Fliesen im Bad aufstemmen und nachschauen müssen. Heutzutage zückt der Techniker eine tragbare Infrarot-Kamera und kann in Sekundenschnelle anhand der Temperaturunterschiede in Boden und Wand sehen, wo genau das Wasser steht. Was Rückschlüsse darauf zulässt, wo es herkommt.
Technik war nur für Militär und Einsätze
In den Siebzigern hätte eine solche IR-Kamera an die 20 Kilo gewogen und mit 10 Litern Flüssigstickstoff gekühlt werden müssen. Und man hätte natürlich keine Live-Bilder der Temperaturunterschiede gehabt. Und noch vor einiger Zeit waren solche Infrarot-Kameras so teuer, dass sie nur vom Militär, von Einsatzkräften, auf Großbaustellen und in der Schwerindustrie eingesetzt wurden, wenn Menschenleben oder viel Geld auf dem Spiel stand. Heute kann jeder Techniker damit nasse Stellen in Bädern von Mietswohnungen orten.
Unser Bad muss jetzt natürlich trotzdem irgendwann aufgestemmt werden, denke ich. Aber immerhin wissen wir schon mal, dass das nicht umsonst passiert. Und der Sanierungsfirma spart das natürlich auch viel Zeit und Geld. Technischer Fortschritt ist schon manchmal etwas Großartiges.