Osnabrück  Phenix Kühnert: „Als ich mich noch als Mann präsentiert habe, habe ich mehr Anfeindungen erlebt als heute“

Lucie Wittenberg
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Von Lucie Wittenberg
| 15.08.2022 12:10 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 14 Minuten
Phenix Kühnert hat ein Buch über ihr Trans-Sein und Gleichberechtigung geschrieben. Foto: Lina Tesch
Phenix Kühnert hat ein Buch über ihr Trans-Sein und Gleichberechtigung geschrieben. Foto: Lina Tesch
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Phenix Kühnert ist Schauspielerin, Podcasterin und Model. Und die 27-Jährige ist Autorin. In diesem Jahr erschien ihr Buch „Eine Frau ist eine Frau ist eine Frau“. Im Interview spricht sie über das Trans-Sein, ihr Leben und nicht endende Diskriminierung.

Nicht jedem ist Phenix Kühnert ein Begriff. Im Internet sieht das anders aus: Über 40.000 Follower hat sie auf Instagram. So laut und auffallend sie dort auftritt, so ruhig und gelassen erscheint sie zum Interview in einem Berliner Café mit einer Flasche Wasser und einer Tüte vom Bäcker unter dem Arm. Sie erzählt von ihrem Traum als Spielerfrau, ihren Dating-Erfahrungen und der Hoffnung, dass irgendwann alles besser wird.

Frage: Frau Kühnert, Sie haben noch gar keinen Wikipedia-Eintrag - wie kann das sein?

Antwort: Das weiß ich nicht (lacht). Damit habe ich mich noch nicht tiefer auseinandergesetzt. Vielleicht sollte ich mich gleich darum kümmern: “Phenix – the best person in media”. 

Frage: Wenn es einen Eintrag gäbe, was wäre Ihnen wichtig daran?

Antwort: Mein Buch müsste natürlich vorkommen, gute Fotos, bitte gute Fotos. Manchmal sieht man Wikipedia-Einträge und denkt sich: “Oh Gott.” Mir wäre aber ehrlich gesagt besonders wichtig, was nicht drinstünde.

Frage: Was wäre das?

Antwort: Ich könnte mir vorstellen, dass aus Sensationsgeilheit mein Geburtsname vorkommen könnte, wenn ich den Artikel nicht selbst schreibe. Das ist Etwas, das ich bei anderen trans Menschen hier und da bei Wikipedia sehe. Ich halte das einfach für wahnsinnig irrelevant für Außenstehende.

Frage: Was wären denn Sachen, die Sie drin haben wollen würden?

Antwort: Will ich überhaupt einen Wikipedia-Eintrag, wenn dort alles über mein Leben drinsteht? Weiß ich nicht. Meine Jugend muss da auf jeden Fall nicht drinstehen. Eher das, was heute los ist.

Frage: Sie sind gerade mal 27 und haben schon mehr erlebt als andere in einem ganzen Leben. Was planen Sie für die nächsten, sagen wir mal zehn Jahre?

Antwort: Ich möchte meine Karriere weiterbringen. Es gibt Überlegungen, eventuell ein zweites Buch zu schreiben. Ich würde gerne fünf bis zehn Jahre meine Karriere forcieren und danach aufs Land ziehen, eine Familie gründen und mich aus allem rausziehen. 

Frage: War das schon immer ein Wunsch von Ihnen, aufs Land zu ziehen?

Antwort: Nein, auf gar keinen Fall. Ich habe Berlin ganz lange als Safe Space gebraucht, weshalb ich mit 18 hierhergezogen bin. Heute merke ich, dass ich den gar nicht mehr so brauche. Und deswegen sind die Möglichkeiten für mich auch wieder offen, eventuell Berlin zu verlassen und irgendwohin zu ziehen, wo es kleiner ist.

Antwort: Ich halte auch das “Konstrukt” für schwierig, dass ich mit einem Partner in einer Dreizimmerwohnung in Berlin ein Kind großziehe, wenn es doch eigentlich eine ganze Familie gibt, die das tun könnte – wie in anderen Kulturen. Davon inspiriert, wird es mich doch am Ende nach Norddeutschland ziehen. 

Frage: Sie kommen gerade von einem Filmdreh zurück. Was haben Sie gedreht, worum ging es und was war Ihre Rolle?

Antwort: Das ist eine deutsche Thriller-Serie. Ich verkörpere eine Künstlerin, die eine Kunstperformance zum Besten gibt. Es wird nicht final geklärt, ob meine Rolle trans ist oder nicht. Es gibt keine Anspielung darauf, dass sie trans sein könnte. Bedeutet: Ich habe mir den Wunsch erfüllt, eine Rolle zu spielen, die per se erstmal nicht trans ist, oder deren Charakter zum Großteil allein darauf basiert, queer zu sein. Wenn ich nicht rausgeschnitten werde (lacht). 

Frage: Was bedeutet das für Sie, dass in der Serie nicht thematisiert wird, dass Sie trans sind?

Antwort: Das finde ich wahnsinnig gut. Ich glaube nicht, dass wir gesamtgesellschaftlich von heute auf morgen ignorieren können wer trans ist, wer welche Hautfarbe oder welches Geschlecht hat. Dafür passiert zu viel Diskriminierung. Aber es ist ein schönes Ziel für unsere Gesellschaft, irgendwann an den Punkt zu kommen, dass alle alle Rollen spielen können. Ich glaube, wir brauchen bis dahin noch mehr Repräsentation von marginalisierten Gruppen, bevor wir diesen Schritt final gehen können.

Frage: Sie beschreiben sich nicht nur als Schauspielerin, sondern auch als Model und Aktivistin. Wer sind Sie denn nun?

Antwort: Was bin ich nicht? (lacht) Mir hat ein alter weißer Mann vor kurzem geraten, ich möge mich doch auf eine Sache fokussieren, damit meine Karriere funktioniert. Habe ich bis jetzt nicht gemacht. Ich verstehe natürlich, dass es das einfacher macht, wenn man sich klar auf eine Sache fokussiert, aber ich könnte das gerade gar nicht.

Frage: Sie haben sich zeitweise auf das Schreiben fokussiert. Ihr Buch heißt “Eine Frau ist eine Frau ist eine Frau.” Was ist für Sie eine Frau? Und was macht Sie zur Frau? 

Antwort: Darüber habe ich in den letzten Jahren viel nachgedacht. Am Ende ist es etwas sehr Individuelles. Wir haben viele gesellschaftliche Konstrukte von Geschlecht. Wenn man die wegnimmt, ist da plötzlich gar nicht mehr so viel, es bleibt ein Gefühl und ein Bewusstsein. Vieles davon basiert auf Prägung. Man kann in unserer Gesellschaft gut sehen, wie sich über die letzten Jahrhunderte Oberflächlichkeiten komplett gewandelt haben. Pink war mal eine „männliche“ Farbe. Make-Up und hohe Schuhe standen für Macht. Das zeigt, dass diese Dinge Geschlecht nicht definitiv ausdrücken können, weil sie sich im stetigen Wandel befindliche Oberflächlichkeiten sind.

Frage: Sie sind trans. Sie haben gesagt, als sie das zugelassen haben, war es zwar nicht einfach, aber Sie wussten dann wohin Sie wollen. Was hat es für dieses Zulassen gebraucht?

Antwort: Absolute Verzweiflung. Keine eigene Zukunftsperspektive in meinem Leben mehr zu sehen. Für mich war Trans-Sein davor komplett unmöglich. Ich konnte mir nicht vorstellen “so ein Mensch” zu sein. Ich musste an den Punkt kommen, wo es für mich unmöglich war, so weiterzuleben wie bisher, sodass das Trans-Sein im Verhältnis etwas weniger unmöglich schien.

Frage: Sie hatten nie ein offizielles Outing. Als sie beschlossen, zu sich zu stehen, waren Sie sich aber sicher, dass alles irgendwie gut gehen wird – das schreiben Sie in Ihrem Buch. Woher kam dieses Gefühl? Und woher nahmen Sie die Kraft?

Antwort: Ich bin eine ziemliche Eigenbrötlerin. Ich wurde immer von meinem Umfeld unterstützt, aber ich hatte irgendwann den Moment, in dem ich gemerkt habe, dass ganz viel Kraft aus mir selbst kommt. Das war ausschlaggebend in meinem Prozess. In meiner Familie war immer viel Liebe und Unterstützung, egal welche Schwierigkeiten sich auftaten. Ich habe mich mit meinen Eltern viel ausgetauscht, deswegen brauchte es auch kein offizielles Outing. Meine Eltern wussten als eine der Ersten, dass das, was an mir nicht der Norm entspricht, nicht meine Sexualität, sondern meine Geschlechtsidentität ist. Heute ist meine Mutter eine meiner besten Freundinnen.

Frage: Treibt diese Kraft Sie auch heute weiter voran, wenn Menschen nicht hinter Ihnen stehen?

Antwort: Bei Menschen, die nicht informiert sind, geht mir die Kraft doch manchmal auch aus. Es gibt deswegen immer wieder Momente, in denen ich mich in meine Kreise zurückziehe, in denen ganz viele queere Menschen sind. Da weiß ich, dass mir für ein paar Tage keine übergriffigen Fragen gestellt werden. Denn in mir drin gibt es auch noch genug Fragen und Gedanken. 

Frage: Mussten Sie von etwas Abschied nehmen, um Sie selbst zu sein?

Antwort: Auf eine Art ja. Aber es war kein emotional schwieriger Abschied. Ich habe ja eine Version von mir gehen lassen, die es eigentlich nie wirklich gab. Fotos von mir, die ich früher auf Social Media gepostet habe, zeigen eine Person, die es nie gab. Ich habe versucht so auszusehen, wie ich dachte, dass es gut ankommt.

Frage: Was meinen Sie damit?

Antwort: “Maskulin”. Fotos, auf denen mein Gesicht möglichst kantig aussah und mein Bart betont wurde. Und dann gibt es ungestellte Schnappschüsse als Kind und Jugendliche von Tagen, an denen ich glücklich war. Auf denen sieht man da zu 100 Prozent mich.

Antwort: Es gibt ein Bild von mir, das war an meinem sechsten Geburtstag, da habe ich eine Kette mit einem Pferdeanhänger geschenkt bekommen und da sehe ich so glücklich aus. Ich habe damals nicht aktiv darüber nachgedacht, was gesellschaftlich gut ankommt. Es war mir egal. Eigentlich habe ich mich erst von mir selbst entfremdet, als der Druck der Gesellschaft deutlicher hinzukam. Es ist nicht zu unterschätzen, wie früh Kinder von diesen Prägungen beeinflusst werden. 

Frage: Das klingt so, als wären Sie als Phenix schon immer dagewesen.

Antwort: Das ist auch so. Ich war schon „immer“ trans. Es gab einfach nur den Moment, in dem ich es mir eingestanden habe und den Moment, in dem ich angefangen habe es nach außen zu kommunizieren.

Frage: Sie machen da auch eine Unterscheidung. Sie sagen nicht, ich identifiziere mich als trans, ich bin es. Was bedeutet diese Unterscheidung für Sie?

Antwort: Einer der Gründe ist, dass in den letzten Jahren „sich als Etwas zu identifizieren“ als Bezeichnung missbraucht wurde. Im Sinne: Heute identifiziere ich mich so und morgen so. Wenn man eine cis Person fragt, also eine Person der bei der Geburt ein Geschlecht zugewiesen wurde, das sie auch tatsächlich hat, würde sie ja auch sagen: „Ich bin ein Mann“ oder „Ich bin eine Frau“. Und ich bin ebenso eine Frau. 

Frage: Ihr Buchtitel ist an ein Gedicht von Gertrude Stein angelehnt: “Eine Rose ist eine Rose ist eine Rose ist eine Rose.” Wie wichtig ist Ihnen Sprache und vor allem das Gendern?

Antwort: Ich finde es unglaublich wichtig, sich damit auseinanderzusetzen und sich inklusiv auszudrücken. Ist das Gendern, wie wir es aktuell tun, die finale und perfekte Version? Bestimmt nicht. Benutze ich es trotzdem? Auf jeden Fall. Weil ich weiß, wie wichtig es ist, andere nicht auszuschließen.

Frage: Es gibt Menschen, die sagen, dass wir gerade andere Probleme haben als Gendersprache – Krieg, Corona, Klimakatastrophe. Was sagen Sie denen?

Antwort: Es gibt ganz viele Probleme.

Frage: Warum muss dann gegendert werden?

Antwort: Ich habe mittlerweile das Gefühl, dass diese Diskussion von den Menschen aufrechterhalten wird, die sich dagegen wehren. Wir sind bald an einem Punkt, an dem die Menschen auffallen, die nicht inklusiv sprechen.

Antwort: Ich habe ein über zweihundert Seiten langes Buch geschrieben und es geschafft mich so auszudrücken, dass ich nicht einmal das Gendersternchen benutzen musste und mich dennoch stets inklusiv ausgedrückt habe. Es ist also gar kein so großes Problem. Wir sollten uns nicht gegen Veränderung wehren. Unsere Sprache hat sich schon so oft verändert und den menschlichen Bedürfnissen angepasst, warum sollte das nicht wieder passieren?

Frage: Hat es Vor- oder Nachteile für Sie, dass Sie jetzt als Frau sichtbar sind? 

Antwort: Es ist ein Nachteil, dass ich jetzt schwächer eingeschätzt werde. Wobei ich sagen muss, dass als ich mich noch als Mann präsentiert habe, ich auf der Straße mehr Anfeindungen erlebt habe als heute – weil ich heute mehr in gesellschaftliche Raster passe. Damals war ich androgyner. Heute sind die Übergriffe sexuell motiviert, damals queer-feindlich.

Frage: Blicken Sie heute anders auf die Männerwelt? 

Antwort: Nein. Männer sind scheiße. (lacht) Nein, ich möchte natürlich nicht pauschalisieren. Trotzdem habe ich vor allen Hornissen Angst, obwohl mich nur einmal eine gestochen hat. Vor allen Haien habe ich auch Angst, dabei beträgt das Risiko nur ungefähr 1 zu 3,5 Millionen jemals von einem angegriffen zu werden – hingen erleben drei von vier Frauen sexuelle Belästigung. Ich erlebe mindestens einmal wöchentlich sexuell übergriffiges Verhalten von Männern. 

Frage: Sie sind Single und sprechen auf Instagram über Ihr kompliziertes Dating-Leben. Von wem lassen Sie sich auf einen Kaffee einladen? 

Antwort: Da habe ich jetzt einige Ideen (lacht). Tatsächlich gern von Profifußballspieler*innen. Als Jugendliche war es mein Traum, Spielerfrau zu sein. Es ist heute definitiv nicht mehr mein Fokus, aber irgendwo in mir drin konnte ich diesen Wunsch noch nicht ganz ablegen (lacht). 

Frage: Sie schreiben, dass Sie das Dating teilweise aufgegeben haben, weil Sie respektlos behandelt werden. Was für Erfahrungen haben Sie gemacht?

Antwort: Zum Glück habe ich auch gute Erfahrungen gemacht, sonst würde ich es komplett lassen. Ich habe gestern wieder eine Dating-App genutzt. Und ich wurde innerhalb eines Tages an die zehnmal gefragt, was ich für Genitalien habe. Das ist kein Rahmen, in dem ich mich wohlfühle. Ich möchte einfach als Frau akzeptiert und wahrgenommen werden. Ich mache zwar die Erfahrung, dass Menschen mich toll und attraktiv finden, aber mich niemals ernsthaft daten würden. Ich weiß nicht, ob es an deren Umfeld oder Vorurteilen liegt, dass ich eben nicht als vollwertige Frau wahrgenommen werde. 

Frage: Was braucht es, dass trans Menschen sich in Deutschland sicherer und mehr gesehen fühlen?

Antwort: Ganz viel. Ich glaube, dass man grundsätzlich mit der Abschaffung transfeindlicher Gesetze und respektvollem Umgang anfangen sollte. Medien tragen eine große Mitverantwortung: Alleine wie Headlines über Outings oder Geschichten von trans Menschen aussehen, zeigt, dass die Klickzahl über dem Wohl der Individuen oder einer Gruppe steht. Es wäre schön, wenn nicht die reißerischste Headline priorisiert wird, sondern darauf geachtet wird, dass sie keine Vorurteile und diskriminierende Narrative befeuert. 

Frage: Sie teilen auf Social Media regelmäßig Updates zu ihrem Leben. Was für einen Stellenwert hat das Internet für Sie? Und welchen Preis?

Antwort: Den Stellenwert versuche ich so gering wie möglich zu halten. Trotzdem weiß ich zu schätzen, dass ich ohne meine Community online niemals da wäre, wo ich heute bin. Grundsätzlich bin ich eine Person, bei der Social Media eher noch obendrauf zu den Sachen kommt, die ich eh schon verfolge. Das nimmt für mich den Druck raus. 

Frage: Hat Ihnen das Internet auf Ihrem Weg mehr geholfen oder geschadet?

Antwort: Mehr geholfen. Als ich noch in Lübeck gewohnt habe, habe ich über das Internet viele Menschen und Vorbilder kennengelernt. Das Internet ist ein schwieriger Ort, aber es gibt auch die Möglichkeit mit Menschen in Kontakt zu treten, die am anderen Ende der Welt leben. So kann man sich als Community besser zusammenfinden.

Frage: Wie gehen Sie mit Hatern um?

Antwort: Ich blockiere relativ viel. Ich muss gestehen, dass ich gemessen an meinen Kolleg*innen relativ wenig Hass abbekomme. Mir fällt es leicht mit Leuten umzugehen, die mich beleidigen. Mir kann man nichts mehr an den Kopf werfen, das mich noch verletzen würde.

Antwort: Für mich ist es viel schwieriger, mit Menschen umzugehen, die selbst von sich sagen, dass sie keine negative Intention haben, also nicht transfeindlich agieren oder sich ausdrücken wollen, es aber dennoch tun.

Frage: Wieso?

Antwort: Sie drücken sich so aus, dass ich mich nicht wohlfühle, sie sind unsensibel. Das sind die Momente, in denen ich merke, wie sie mich wirklich sehen. Beispielsweise Aussagen, die mich als Frau invalidieren. Das tut dann weh.

Frage: Wie wichtig ist es Ihnen denn, wie Leute Sie von außen sehen?

Antwort: Ich habe es bisher nicht geschafft das abzulegen. Ich hoffe, dass das im Laufe meines Lebens entspannter wird. Aber komplett ablegen? Ich weiß nicht, ob das in meinem Leben je passiert. Für mich sind Außen- und Eigenwahrnehmung ein großes Thema. In der Außenwahrnehmung kann es in bestimmten Situationen für meine Sicherheit sehr wichtig sein, nicht als trans wahrgenommen zu werden. Je mehr ich als Frau wahrgenommen werde, desto sicherer bin ich. 

Frage: Nehmen Sie das Interesse der Öffentlichkeit am Trans-Sein als etwas Ehrliches wahr oder als einen Trend, auf den aufgesprungen wird?

Antwort: Wenn ich nicht davon ausgehen würde, dass es ein ehrliches Interesse gäbe, würde ich mich selbst kaputt machen und degradieren. Dass ich trans bin, ist ein Adjektiv, das mich beschreibt, aber ich habe noch viele andere Talente, die dazu geführt haben, dass das Interesse an mir als Person da ist. Allein durch das Trans-Sein gäbe es das nicht. 

Frage: Was für Vorbilder hätten Sie in Ihrer Jugend gebraucht?

Antwort: Menschen, die Raum einnehmen, die queer sind. Und die Raum einnehmen, weil sie gut sind. Wenn ich jetzt eine Rolle spiele, die nicht trans ist, und ich gebucht werde, weil ich gut bin, dann ist das die wertvollste Repräsentation. Auch eine transgeschlechtliche Tagesschau-Sprecherin wäre klasse! Oder ein Moderator, der trans ist, aber der Fokus ist nicht das Trans-Sein, sondern der Job.

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