Palma de Mallorca  Auf Mallorca wird das Wasser knapp – Talsperren werden zu Schlammwüsten

Ralph Schulze
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Von Ralph Schulze
| 14.08.2022 17:41 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Dürre und Trockenheit bedrohen auch die spanische Ferieninsel Mallorca. Foto: dpa/Clara Margais
Dürre und Trockenheit bedrohen auch die spanische Ferieninsel Mallorca. Foto: dpa/Clara Margais
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Die Spanier sind im Sommer Hitze gewohnt, doch auch auf der iberischen Halbinsel gab es so eine Dürre zuletzt vor 30 Jahren. Auch auf Mallorca ist das Wasser knapp.

Der Stausee La Viñuela ist der wichtigste Wasserspeicher der südspanischen Provinz Malaga. Doch nach Monaten ohne Regen und nach einer historischen Hitzewelle ist der See, der normalerweise sechs Kilometer lang und 100 Meter tief ist, nur noch zu zwölf Prozent gefüllt. Die Talsperre, die im Sommer eigentlich ein beliebtes touristisches Ausflugsziel im Hinterland der Urlaubsregion Costa del Sol ist, schrumpfte zu einer Pfütze, die nun von einer ausgetrockneten Schlammwüste umgeben ist.

In immer mehr Regionen Spaniens wird das Wasser rationiert, weil im schlimmsten Dürrejahr seit 30 Jahren die Reserven zur Neige gehen. Inzwischen macht der große Regenmangel und der extrem heiße Sommer auch der spanischen Urlaubsinsel Mallorca zu schaffen. Dort wurden an diesem Wochenende Spitzentemperaturen von 42 Grad gemessen. Auf der Nachbarinsel Formentera waren es sogar 44,5 – der höchste Wert, der jemals auf den im Mittelmeer liegenden Balearischen Inseln registriert wurde.

Wegen der immer tiefer sinkender Grundwasserpegel musste inzwischen auf der gesamten östlichen Hälfte Mallorcas eine erste Warnstufe aktiviert werden. Damit treten Krisenpläne in Kraft, die helfen sollen, das Wassermanagement zu optimieren, um mit den verbleibenden Reserven möglichst lange auszukommen.

Zudem wurde in zwei Orten der Wasserverbrauch beschränkt: In der 11.000-Einwohner-Stadt Campos, die im Süden der Insel liegt und vor allem wegen ihres Dünen-Traumstrandes Es Trenc bekannt ist. Und im berühmten Künstlerort Deià im Westen Mallorcas.

In beiden Ortschaften dürfen Swimmingpools nicht mehr mit Trinkwasser gefüllt werden. Zudem wurde verboten, das kostbare Leitungswasser zum Gießen der Gärten oder zum Autowaschen zu benutzen.

Die 700 Einwohner im malerischen Deià, eines der meistbesuchten Ausflugsziele Mallorcas, werden bereits seit Wochen mit Tankwagen versorgt, weil die Grundwasserbrunnen nicht mehr ausreichend Wasser haben.

Das Drama der Avocado-Bauern ist kein Einzelfall. Die gesamte Landwirtschaft der Nation leidet unter der Jahrhundert-Dürre, berichtet der Bauernverband Asaja. Die Landwirte müssen sich auf riesige Ernteausfälle einstellen, die etwa bei Oliven, Getreide oder Sonnenblumen 30-50 Prozent erreichen können. Kurzfristige Rettung vom Himmel wird es wohl vorerst nicht geben: Es ist kein anhaltender Regen in Sicht.

Umweltschützer kritisieren seit Langem, dass Spaniens Landwirtschaft der größte Wasserverschwender der Nation sei. Auf vielen Feldern wird das Wasser immer noch mit veralteten Beregnungsanlagen weitflächig und ziemlich ungezielt auf die Plantagen geschüttet. 70-80 Prozent des gesamten nationalen Trinkwassers versickert auf den Feldern. Der Umweltverband WWF nennt dies einen „selbstmörderischen Umgang“ mit dem immer knapper werdenden Trinkwasser.

Spaniens Wasserkrise sei hausgemacht, sagt Greenpeace-Sprecher Julio Barea. Er wirft der spanischen Regierung und den lokalen Umweltbehörden vor, die aktuelle Notlage durch Mangel an Voraussicht mit verursacht zu haben. Die Wassersparpläne seien viel zu spät aktiviert worden. „Die Dürren muss man bekämpfen, wenn es noch genügend Wasser gibt – und nicht erst, wenn wir keines mehr haben.“

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