Senioren abgezockt  Falscher Polizist zu vier Jahren Gefängnis verurteilt

Franz-Josef Höffmann
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Von Franz-Josef Höffmann
| 14.08.2022 11:56 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 2 Minuten
Verhandelt wurde am Landgericht Oldenburg. Archivfoto: DPA
Verhandelt wurde am Landgericht Oldenburg. Archivfoto: DPA
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Zwei Betrüger brachten Senioren im Nordwesten um mehr als 200.000 Euro. Aber nur einer von ihnen muss ins Gefängnis, urteilt das Landgericht Oldenburg.

Oldenburg - Er hatte als falscher Polizist in Nordenham, Varel, Wilhelmshaven, Meppen und Oldenburg ältere Menschen abgezockt. Nun muss ein 23-Jähriger aus Nordenham für vier Jahre ins Gefängnis. Das Oldenburger Landgericht sprach den Angeklagten des gewerbsmäßigen Bandenbetrugs und der Geldwäsche in 53 Fällen schuldig. Ein Mitangeklagter (24), der nur an wenigen Taten beteiligt gewesen war, kam noch mit einer elfmonatigen Bewährungsstrafe davon.

Das, was die Angeklagten von den betagten Geschädigten (85 Jahre und älter) ergaunert hatten, müssen sie an den Staat abführen: der 23-Jährige 200.000 Euro, der Mitangeklagte 46.000 Euro. Die Männer hätten das Grundvertrauen der betagten Menschen zur Polizei zerstört, sagte Richter Sievers in der Urteilsbegründung.

Auch in Hamburg klickten die Handschellen

Folgende Mache wandten die Betrüger an: Verbrecherbanden hätten es auf das Vermögen der älteren Menschen abgesehen, hatte es geheißen. Geld, Schmuck und EC-Karten nebst Geheimnummern müssten vor die Tür gelegt werden, damit es von der Polizei in Sicherheit gebracht werden könne. Die Drahtzieher der Abzocke saßen in einem Call-Center in der Türkei. Sie schüchterten die Opfer am Telefon ein und erzählten ihnen die Horrorgeschichten.

Die Angeklagten waren die Abholer der Beute. Sie überwiesen das ergaunerte Geld dann in die Türkei. Dort säßen die Drahtzieher mit einem breiten Lächeln im Gesicht, sagte der Richter. Einem der Drahtzieher ist allerdings das breite Lächeln vergangen. Gegen ihn lief ein internationaler Haftbefehl. Vor einigen Wochen war der Mann von der Türkei aus nach Hamburg geflogen. Dort klickten dann die Handschellen.

Vor Gericht hatten die Angeklagten ein umfassendes Geständnis abgelegt. Das wurde ihnen strafmindernd angerechnet, mussten die betagten Opfer doch nicht mehr als Zeugen gehört werden. Positiv fiel auch ins Gewicht, dass der 23-jährige Hauptangeklagte in Oldenburg vor Senioren einen Vortag zu dem Thema gehalten hatte, welche Gefahren von falschen Polizisten ausgehen und wie man sich schützen kann.

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