Erfrischend oder zu kalt  Friesenbad bald ohne Wärme von Klingele

Vera Vogt
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Von Vera Vogt
| 09.08.2022 16:02 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 5 Minuten
Bei sommerlichen Temperaturen ist im Friesenbad viel los. Foto: Archiv
Bei sommerlichen Temperaturen ist im Friesenbad viel los. Foto: Archiv
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Das Papierwerk Klingele legt einen Produktionsstopp ein. Die Stadt Weener wird nicht mit Gas einspringen. Was heißt das für die Schwimmer?

Weener - Überstunden abbauen und Urlaub nehmen: Ab dem 14. August legt man beim Papierwerk Klingele in Weener einen einwöchigen Produktionsstopp ein. Das teilt die Klingele Paper and Packaging Group mit Sitz in Remshalden mit. Grund seien die in in Norddeutschland „momentan immer wieder aufflammenden Corona-Wellen“. Die Personalsituation sei schon jetzt im Sommer derart angespannt, dass ein Abbau von aufgelaufenen Überstunden und Urlaubsbeständen noch vor dem Herbst geboten erscheine. „Für die Stillstandzeit sind zudem zahlreiche Revisions- und Wartungsarbeiten geplant“, teilt das Unternehmen mit.

Was und warum

Darum geht es: Das Friesenbad in Weener wird normalerweise durch das Papierwerk Klingele mit Wärme versorgt. Damit ist bald für eine Woche Schluss. Dann wird es wohl kühler. Schlimm oder schön? Das wollten wir wissen.

Vor allem interessant für: Wasserratten

Deshalb berichten wir: Produktionsstopp im Papierwerk und teures Gas kauft die Stadt nicht ein. Das passiert zum ersten Mal.

Die Autorin erreichen Sie unter: v.vogt@zgo.de

Das betrifft nun nicht nur die Arbeitnehmer aus der Region, die beim Werk in Weener arbeiten, sondern auch Wasserratten. Denn das Friesenbad in Weener wird mit Fernwärme der Fabrik versorgt. Es ist das erste Mal, dass die Becken gar nicht beheizt werden: „Wir haben in der Vergangenheit keine Situation gehabt, in der wir eine Woche keine Fernwärme bezogen und nicht mit Gas ‚zugeheizt‘ haben“, erklärt Hermann Welp, Geschäftsführer der Friesenbad GmbH in Weener. Eine alternative Heizmöglichkeit zur Fernwärme bestehe außer der Nutzung von Erdgas nicht.

Kühles Wasser mit Vor- und Nachteilen

Wie kalt es überhaupt im Becken wird, ist nicht klar: „Welche konkreten Auswirkungen die für eine Woche nicht zur Verfügung stehende Fernwärme haben wird, lässt sich im Voraus nicht beantworten“, sagt Welp. Entscheidend werde sein, wie warm es draußen wird. In den Wetterberichten sind so 25 bis 30 Grad gemeldet. Sollte es so kommen, dürfte es in den Morgenstunden dennoch recht frisch werden im Becken. In der Woche ohne Fernwärme werden laut Welp die begonnenen Schwimmkurse trotzdem unverändert fortgeführt. „Änderungen wird es hierbei nicht geben.“ Der Saisonverlauf im Friesenbad sei bislang ausgesprochen positiv gewesen. „Insbesondere durch die heißen Tage haben wir viele Besucher zu verzeichnen gehabt.“ Bis zum Ende vergangener Woche knapp 55.000 Besucher.

Ende vergangener Woche kamen viele Besucher zum Friesenbad. Foto: Vogt
Ende vergangener Woche kamen viele Besucher zum Friesenbad. Foto: Vogt

Ganz stoppen werden die Besucherströme durch die Wärmepause wohl kaum – insbesondere, wenn es draußen heiß bleibt. Das zeigt auch eine kleine Umfrage dieser Zeitung unter den Badegästen. Die einhellige Meinung war, dass die Besucher abwarten und testen wollen, wie kalt das Wasser in der kommenden Woche wirklich wird. Es überwog eher Zufriedenheit darüber, dass das Friesenbad trotzdem geöffnet bleibt. Wer wissen will, wie warm das Wasser ist, ohne den Zeh hineinzuhalten, kann die aktuellen Temperaturen wohl bald im Internet nachlesen: Auf der Internetseite des Friesenbades und auf der Facebook-Seite soll das veröffentlicht werden. Das Schwimmen in kaltem Wasser hat ohnehin so seine Fans. Im Januar stürzen sich sogar Hartgesottene traditionell ins Wasser des Badesees in Tannenhausen. Solch einen Kälteschock wird man in Weener nicht erleben. Aber gerade bei Kindern sollte man trotzdem auf einiges achten.

Mythen ums kühle Wasser

Mythos 1: Bei blauen Lippen raus aus dem Wasser

Dr. Ursula Marschall, leitende Medizinerin bei der Barmer-Kasse erklärt einem Apothekenportal: „Auch wenn es noch so schön im Schwimmbad ist, bei blauen Lippen sollten Eltern ihre Kinder aus dem Wasser holen. Die blauen Lippen sind nämlich eine Reaktion des Körpers, um ihn vor einer Auskühlung zu schützen.“ Blaue Lippen im Schwimmbad seien aber nicht grundsätzlich gefährlich. „Sanftes Abrubbeln mit dem Handtuch wärmt uns wieder auf und bringt auch die Durchblutung wieder auf Trab“, so Marschall.

Mythos 2: Beim Sprung ins kalte Wasser kann das Herz stehen bleiben

„Für den Körper kann der plötzliche Temperaturunterschied ein echter Schock sein – in der Folge kann es zu Herzrhythmusstörungen kommen“, so Marschall. „Der Herzschlag gerät ins Stocken und kann so Kreislaufprobleme und Bewusstseinsstörungen verursachen. Im Wasser ist dies besonders gefährlich. Gefährdet sind vor allem ältere Menschen und Menschen mit einer Vorerkrankung des Herzens, aber auch junge, gesunde Menschen sollten ihrem Körper nicht zu viel zumuten.“ Deshalb empfehle es sich, sich zunächst unter einer Dusche abzukühlen oder langsam ins Wasser zu gehen.

Andere Bäder andere Sitten

Zu den Orten, in denen Bäder früher dicht machen, gehört Aurich. Da die Stadt den Gasverbrauch reduzieren will, wird das Freibad des De Baalje bereits am 31. August geschlossen. Auch die Solebäder werden geschlossen und in den übrigen Becken wird die Wassertemperatur gesenkt. Die Maßnahmen sollen zunächst bis zum 31. März 2023 gelten. Als Grund nennt die dortige Verwaltung, dass das Freizeitbad der größte Einzelverbraucher in der Stadt ist. Mehr als zehn Millionen Kilowattstunden fielen im letzten coronafreien Jahr 2019 dort an, das ist rund ein Achtel des Gesamtverbrauchs der Stadt.

Der Wärmebedarf beim Hallenbad Plytje in Leer ist nach Angaben des Geschäftsführers und Betriebsleiters Markus Tippelt im Sommer nicht sonderlich hoch. Durch die große Glasfassade heize sich das Gebäude automatisch auf beziehungsweise hält konstant die Temperaturen. Allerdings seien alle statischen Heizkörper sowie die Wärmebänke abgestellt worden. Das Gas im Plytje werde aus heimischen Biogasanlagen bezogen. Im Freibad Hengstforde in Apen soll die Saison regulär zu Ende gebracht werden, hatte die Gemeinde Ende Juli mitgeteilt. Die Saison laufe noch bis zum 4. September mit regulärer Wassertemperatur.

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