Kolumne: Digital total  Was Streaming mit dem Buffet gemeinsam hat

Fabian Scherschel
|
Eine Kolumne von Fabian Scherschel
| 09.08.2022 09:31 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 2 Minuten
Fabian Scherschel
Fabian Scherschel
Artikel teilen:

Dienstags geht es in unserer Kolumne immer um Digitales – diesmal um Streaming-Dienste und darum, warum die Qualität der Serien nachlässt, wie unser Kolumnist findet.

In letzter Zeit habe ich mich immer wieder gefragt, warum Fernsehserien neuerdings qualitativ so schlecht sind. Nachdem die Corona-Pandemie das Filmgeschäft quasi zerstört hat, müsste man doch denken, dass die Abwanderung vieler guter Schauspieler, Regisseure und Drehbuchschreiber vom Film- zum Seriengeschäft in Hollywood dazu geführt hat, dass Fernsehserien qualitativ besser werden. Ich stelle aber immer wieder das Gegenteil fest.

Dann ist mir aufgefallen, dass ich dieser Tage natürlich Serien nur bei Streaming-Anbietern schaue, und dass viele dieser Serien von den Streaming-Anbietern selbst produziert sind. Und diesen Firmen ist in der Regel egal, ob jemand ihre Serien sieht, so lange diese Leute trotzdem ihr Abo bezahlen. Früher waren Fernsehserien durch Werbung finanziert, also war es für den Sender gut, hohe Einschaltquoten zu haben, weil das den Preis der Werbung in die Höhe treibt – was dazu geführt hat, dass die Sender sich Mühe gaben, möglichst etwas zu produzieren, das viele Menschen sehen wollen.

Heute, im Streaming-Zeitalter, ist das egal. In der Rezension einer Fernsehserie nannte ein Kritiker aus den USA das neulich „das Streaming-Buffet“. Das halte ich für eine sehr gute Analogie. Denn bei einem Buffet ist die Qualität der einzelnen Speisen auch fast immer schlechter, als wenn man à la carte bestellt. Es kommt für den Gastronomen darauf an, eine große Auswahl bereitzuhalten, so dass jeder Gast etwas findet, was ihm zusagt.

Streaming-Dienste scheinen ähnlich zu funktionieren. Sie verkaufen sich meist nicht dadurch, dass möglichst viel Qualität geboten wird, sondern über das Versprechen, dass man immer irgendetwas gucken kann und dass für jeden etwas dabei ist. Leider leidet darunter die Qualität. Man kann halt nicht alles haben. Streaming-Dienste sind, rein an der Masse des Inhalts gemessen, recht billig und vor allem praktisch. Aber sie sind weniger nützlich für Menschen, die wenig schauen, aber dafür hohe Ansprüche haben.

Ähnliche Artikel