Madrid  Rekordhitze in Spanien: Touristen müssen Wasser sparen

Ralf Schulze
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Von Ralf Schulze
| 05.08.2022 21:05 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Extreme in Hitze in Spanien führt dazu, dass es selbst am Meer für viele Urlauber zu heiß ist. Foto: dpa/David Zorrakino
Extreme in Hitze in Spanien führt dazu, dass es selbst am Meer für viele Urlauber zu heiß ist. Foto: dpa/David Zorrakino
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Früchte verdorren an den Bäumen, Duschen ist verboten und Eiswürfel ausverkauft. Spanien ächzt unter einer Dürre. Und langsam wird es ernst - auch für Touristen.

In Südspanien verschrumpeln die Oliven, die an Millionen Bäumen auf den andalusischen Plantagen wachsen. An der Mittelmeerküste im Raum Valencia vertrocknen Mandarinen, Orangen und Zitronen, weil sie nicht genug Wasser bekommen. In den Weinbergen in Nordspanien versuchen die Winzer durch eine verfrühte Weinlese, ihre Ernte zu retten – obwohl die Trauben eigentlich noch nicht groß genug sind.

Wie die verschiedenen Altersgruppen auf die Hitze reagieren:

Der historische Hitzesommer, der mit Rekordtemperaturen von über 40 Grad und monatelangem Regenmangel einhergeht, macht Spaniens Landwirten schwer zu schaffen. Sie befürchten, dass große Teile ihrer Felder verdorren, soweit nicht noch ein Wunder geschieht und der große Regen einsetzt. Doch danach sieht es nicht aus. Wenigstens bis Oktober, so glauben die Meteorologen des staatlichen Wetterdienstes Aemet, werde die Dürreperiode anhalten – vielleicht sogar länger.

Das sind düstere Prognosen für die Olivenbauern, die davon ausgehen, dass sie dieses Jahr nur die Hälfte ihrer Früchte ernten können. Sie bereiten die Verbraucher darauf vor, dass diese Ausfälle die Preise für Olivenöl weiter in die Höhe treiben könnten. Auch beim Getreide muss mit Verlusten gerechnet werden, kündigt Spaniens Landwirtschaftsminister Luis Planas an. Die Preise für Lebensmittel, die durch den Ukraine-Krieg ohnehin schon unter Druck stehen, könnten weiter steigen.

Nicht nur die Landwirte beten deshalb, dass es in Spanien endlich wieder richtig regnet. In vielen Regionen ist seit Ostern kein Tropfen mehr vom Himmel gefallen. Die Pegel der Talsperren sind auf dem niedrigsten Stand seit Jahrzehnten. Im Landesdurchschnitt sind die Stauseen zwar noch zu 40 Prozent gefüllt. Doch ein erheblicher Teil der rund 350 Trinkwasserseen hat sich inzwischen so geleert, dass die Behörden nun das Wasser rationieren und Beschränkungen beschlossen.

Die große Trockenheit macht inzwischen nicht nur dem südlichen Spanien und der Mittelmeerküste zu schaffen, wo das Wasser schon immer etwas knapper war, und wo es vor allem in Andalusien bereits seit Wochen Einschränkungen beim Trinkwasser gibt. Sondern nun läuten auch im traditionell regenreichen Norden und in den Atlantikgebieten im Westen die Alarmglocken: Regionen wie Galicien und das Baskenland, wo die schönsten und wildesten Wälder Spaniens wachsen, setzten Notpläne in Kraft.

Was das bedeutet, kann man in sechs Küstengemeinden Galiciens sehen, darunter der Prominentenbadeort Sanxenxo, in dem Spaniens alter König Juan Carlos in der Vergangenheit gerne zum Segeln vorbeischaute. Dort wurden zunächst die Strandduschen abgestellt. Dann wurde auch das Füllen der Pools, derer sich viele Villen und Ferienhäuser in Sanxenxo erfreuen, strikt verboten. Auch Autos dürfen nicht mehr gewaschen werden. Wenn sich die Situation nicht bald verbessere, soll zudem nachts das Wasser abgestellt werden.

In der Touristenregion Katalonien, mit den Urlaubsküsten Costa Brava und Costa Dorada am Mittelmeer, wurde in 150 Gemeinden der Wasserverbrauch pro Kopf auf 250 Liter reduziert. Versehen mit dem Hinweis der Behörden an die Bevölkerung und die Urlauber, dass allein bei einer zehnminütigen Dusche schon 150 Liter Wasser in den Abfluss rauschen. „Wenn wir das Wasser abstellen, während wir uns einseifen, können wir viel Wasser sparen.”

Auch für die Landwirtschaft, öffentliche Grünanlagen, Privatgärten und Golfplätze wurden Beschränkungen verhängt. Kataloniens Ministerpräsident Pere Aragonès rief die Menschen auf, „vernünftig mit dem Wasser umzugehen”, damit sich die Krise nicht verschärfe. Es wird nicht mehr ausgeschlossen, dass demnächst sogar in der katalanischen Metropole Barcelona, der meistbesuchten Stadt Spaniens, Restriktionen verhängt werden.

Auf den Kanarischen Inseln und auf Mallorca sieht es derzeit in Sachen Trinkwasser noch besser aus. Auf diesen Inseln, auf denen sich derzeit Hunderttausende von Urlaubern aufhalten, stöhnen die Menschen zwar ebenfalls über die schon seit Wochen anhaltende Hitze. Doch dank mehrerer Entsalzungsanlagen, die Meerwasser in Trinkwasser verwandeln, besteht keine akute Versorgungsnot.

Dafür hat Mallorca, wo in diesem Backofensommer sogar das Meer zu kochen scheint, ein anderes Problem: eine Eiswürfel-Krise. In vielen Geschäften sind die beliebten Zwei-Kilo-Säcke mit Würfeleis, mit dem die Menschen im Sommer gerne ihre Getränke herunterkühlen, restlos ausverkauft.

Da die Insel wie ganz Spanien schon seit Mai überdurchschnittlich hohe Temperaturen verzeichnet, ist der Absatz der Eiswürfel derart gestiegen, dass die Industrie mit der Produktion nicht nachkommt. Viele Supermärkte haben den Verkauf deswegen rationiert: Es gibt nur noch maximal zwei Eissäcke pro Kunde und Tag. An den Türen einiger Geschäfte hängen inzwischen Schilder mit dem Text: „Eiswürfel sind ausverkauft.“

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