Eröffnung des Besucherzentrums Was der Transrapid in Lathen zu bieten hat
Der Förderverein Transrapid Emsland öffnet seit Jahren erstmals wieder das Besucherzentrum in Lathen. Die Ausstellung zieht Menschen aus ganz Deutschland an.
Lathen - Der noch junge Förderverein Transrapid Emsland hat das Besucherzentrum in Lathen erstmals seit Jahren wieder geöffnet. Das Interesse ist groß und ein Souvenir schon jetzt ein Renner. Den Transrapid im Emsland wieder zu einem Anziehungspunkt zu machen, das haben sich die Mitglieder des Anfang November 2021 gegründeten Fördervereins auf die Fahnen geschrieben. Gut neun Monate später ist das in einem ersten Schritt gelungen.
Weitere sollen folgen. Obwohl noch weitgehend improvisiert und auch aus Vereinssicht bislang recht überschaubar, hat die Resonanz auf die Ausstellung einiger Exponate im Besucherzentrum den Vorstand um den Vorsitzenden Norbert Holtermann überrascht. Wie David Harder, einer der Transrapid-Enthusiasten, berichtet, habe sich der Verein vor zwei Wochen spontan entschieden, das Besucherzentrum am äußeren Rand des Gewerbegebietes an der Hermann-Kemper-Straße nach zehn Jahren wieder zu öffnen.
Besucher aus Kiel und Düsseldorf
Über die sozialen Online-Netzwerke wie Facebook machten sie ein bisschen Werbung und luden gezielt Leute ein. Besucher kamen unter anderem aus Kiel und Düsseldorf. Mehrere Radfahrer, darunter ein Ehepaar aus Aurich, das Urlaub im Emsland macht, halten an und erkundigen sich. Autofahrer verlangsamen ihre Fahrt und spähen durch das offene Tor ins Besucherzentrum. Auch der NDR habe sein Interesse signalisiert, sagt Holtermann. Die Botschaft ist klar: „Hier ist wieder Leben in der Bude“, so der Vereinschef.
Am Samstag und Sonntag, 6. und 7. August, ist das Besucherzentrum jeweils von 11 bis 17 Uhr geöffnet. Der Eintritt ist frei, es wird aber um eine Spende gebeten. Bei diesen Öffnungszeiten soll es auch an den darauffolgenden Wochenenden bleiben. Besucher, die außerhalb der regulären Öffnungszeiten Interesse haben, können dies per E-Mail an info@fv-transrapid.de signalisieren. Dasselbe gilt für alle, die mehr über die Arbeit des Vereins wissen und ihn unterstützen möchten.
Noch keine offizielle Eröffnung
Warum es noch keine offizielle Eröffnung gibt, erklärt Vereinschef Holtermann damit, dass der Nutzungsvertrag zwischen Förderverein und der IABG, der Eigentümerin der Transrapid-Versuchsanlage, noch nicht final ausgehandelt sei. „Es besteht aber eine grundsätzliche Einigung, und IABG duldet, dass wir öffnen“, sagt Holtermann, der seit November 2021 ehrenamtlicher Bürgermeister der Gemeinde Lathen ist.
Er geht davon aus, dass der Verein Ende August eigene Schlüssel für das Besucherzentrum hat. Die Vereinsmitglieder sind hoch motiviert – nicht nur, um die Ausstellung weiter auszubauen. Dabei ist allein dafür der Fundus an Exponaten immens. Die jetzige Ausstellung zeigt nur einen Bruchteil davon. „Wir haben eine Liste erstellt und überlegt, was wir auf die Schnelle zeigen können“, sagt Harder. Die Ausstellung sei erst am Tag vor der ersten Öffnung eingerichtet worden.
Das sind die Exponate
Das Ergebnis kann sich dennoch sehen lassen. Gezeigt werden beispielsweise Tragmagneten, die den Transrapid zum Schweben bringen. „Sie sind entlang des gesamten Fahrzeugs verbaut“, erklärt Harder. Aus dem jungen Meppener, der auch die Internetseite magnetbahn.org betreibt, sprudelt es nur so heraus, wenn es um die Magnetschwebetechnik geht. Das ist bei den Erklärungen weiterer Ausstellungsstücke wie einem Magnetstromsteller (versorgen die einzelnen Trag- und Führmagnete mit Energie), Magnetregeleinheit (Recheneinheit für das elektromagnetische Schwebesystem) und Tragkufe (mechanische Stütze des Transrapid-Fahrzeugs) nicht anders. Über einem Oszillografen (zeigt den Zeitverlauf von elektrischen Spannungen an) thront eine Original-Standortanzeige der Fahrzeuge auf der Versuchsschleife, die sich zwischen den Samtgemeinden Lathen und Dörpen erstreckt. Die Exponate sollen noch mit entsprechenden Infotafeln versehen werden. Parallel laufen in der Ausstellung Videos. Auch an Filmmaterial ist der Fundus riesig.
Bei Besuchern schon jetzt reißenden Absatz findet nach Angaben von Beisitzer Christian Hespe Kaffeebecher, die das Logo des Fördervereins Transrapid Emsland zieren. „Die laufen wie Gift“, sagt er und berichtet, dass der Verein davon schon Exemplare sogar in die Schweiz und nach Belgien verkauft habe. Der Verein hat Holtermann und seinen Mitstreitern zufolge aber noch viel Größeres vor. So soll ein Teil des Unglückszuges, in dem am 22. September 2006 23 Menschen ums Leben kamen, nahe der Erna-de-Vries-Schule in Lathen aufgestellt, als ein Bildungsstandort eingerichtet werden und zugleich touristischer Anziehungspunkt sein. Dieses Projekt brauche aber nicht nur Zeit, sondern werde auch viel Geld kosten, sagt Holtermann. „Natürlich stellen wir uns auch der Aufarbeitung des Unglücks“, so der Vorsitzende.
Anregungen von der Firma Kemper in Nortrup
Anregungen holen will sich der Verein bei der Firma Kemper in Nortrup im Landkreis Osnabrück, die 2017 den TR09 aus Lathen holte und ihn heute auf ihrem Unternehmensgelände präsentiert. Dasselbe gilt für das Aufarbeiten des TR07 vor dem Besucherzentrum, der wie andere Magnetzüge in Lathen verwittert und dessen Antlitz der Gemeinde in ihrer Online-Wahrnehmung einen „Lost-Place-Charakter“ beschert. Aus dem TR07 könnte eines Tages ein Café werden.
Holtermann stellt nach eigenem Bekunden derweil schon jetzt fest, dass der Transrapid wieder ein positiveres Ansehen bekomme. „Daran werden wir weiter arbeiten, und das geht aber auch nur, wenn die Türen offen sind“, sagt Holtermann. „Der Transrapid hatte eigentlich immer einen guten Ruf“, fügt Kassenwart Klaus Brands hinzu. „Jeder war begeistert von der weltweit einmaligen Technik.“