Hamburg  Wenn der Flat White uns pupsen lässt: von heute auf morgen laktoseintolerant?

Julia Wadle
|
Von Julia Wadle
| 05.08.2022 12:05 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Ein schöner Milchkaffee: Für die einen pure Lust, für andere Bauchwehfrust. Foto: Imago images/Alex Lvrs (Symbolbild)
Ein schöner Milchkaffee: Für die einen pure Lust, für andere Bauchwehfrust. Foto: Imago images/Alex Lvrs (Symbolbild)
Artikel teilen:

Ein aufgeblähter Bauch, Übelkeit, Schwindel: Wie Du merkst, dass Dein Körper keine Laktose mehr verträgt und ob heute mehr Leute laktosintolerant sind als früher.

In diesem Artikel erfährst Du:

Beim ersten Mal Bauchweh nach einem Latte Macchiato schiebt man es vielleicht noch auf den Stress, das Essen vom Lieferdienst oder das Koffein. Doch wer nach dem Mittagessen inklusive Latte mehrmals an einem Nachmittag auf die Toilette rennen muss, realisiert schnell, dass etwas nicht stimmen könnte – und dass die Milch das Problem ist.

Mehr als zwölf Millionen Menschen in Deutschland können Milchzucker (Laktose) nicht oder nur schlecht verdauen. Die Zahl ist eine Schätzung des Bundeszentrums für Ernährung. Der Grund: Das Enzym Laktase, das die Laktose aufspaltet und damit für den Körper verwertbar macht, ist nicht in ausreichendem Maß vorhanden. Betroffene können den Milchzucker als Energiequellen nicht aufnehmen und nutzen.

Stattdessen blähen Bakterien die unverdaute Laktose im Darm auf. Die dabei entstehenden Gase sorgen für Bauchschmerzen und Blähungen. Auch Völlegefühl, Unterbauchschmerzen, Durchfall, Übelkeit und Verstopfungen können auftreten. Frühestens nach einer halben Stunde treten die Symptome auf, besonders stark sind sie ein bis zwei Stunden nach dem Verzehr.

Seit Jahren nimmt der Milchkonsum in Deutschland ab:

Eine angeborene Laktoseintoleranz bei Säuglingen ist sehr selten; zum Glück, denn in Muttermilch ist besonders viel Laktose enthalten. Auch in Folgen von Operationen und Darmerkrankungen kannst Du (vorübergehend) laktoseunverträglich werden. Häufiger ist eine Hypolaktasie. Dabei nimmt die Aktivität der Enzyme ab einem Alter von zwei Jahren immer weiter ab. So ist es auch von der Natur vorgesehen: Bei anderen Säugetierarten gibt es Milch nur für Babys.

Historisch gehörten Ackerbau, Viehhaltung und auch Milchproduktion zur Sesshaftwerdung und seien eine wichtige Entwicklung der Zivilisationsgeschichte, betont Hirschfelder. „Unsere Sprache ist voll von positiven Bildern über Milch, man denke etwa an die Metapher vom „Land, in dem Milch und Honig fließen“.“ Bis ins 19. Jahrhundert hatten die meisten Menschen auch in unseren Breiten viel Kontakt mit Vieh und Nutztieren, sahen das Melken, waren von klein auf Experten.

Dass Dein Körper zu wenig Laktase produzierst, merkst Du meist erst im Erwachsenenalter. Lässt Du laktosehaltige Lebensmittel weg, verschwinden die Beschwerden. In kleinen Mengen ist Laktose aber für viele Betroffene noch okay. Wie viel Du verträgst, kannst Du langsam in Absprache mit Deinem Arzt austesten. Ein paar Gramm Milchzucker zu vertragen, kann lebenswichtig sein: Denn auch in manchen Medikamenten steckt Laktose. Das ist einer der Gründe, warum kaum ein Medikament vegan ist.

Mit mehreren Millionen Betroffenen ist Laktoseunverträglichkeit also alles andere als ein Nischenproblem – erst recht, wenn man das Thema international betrachtet.

Weltweit kann nur einer von vier Menschen Milch verdauen. Die Milch zu vertragen, ist, global gesehen die Ausnahme – nicht andersherum.

Das erklärt Gastroenterologe Professor Stefan Müller-Lissner von der Parkklinik Weißensee in Berlin. in einem Beitrag des Deutschlandfunks.

Die Fähigkeit von Menschen in Europa, Milch als Erwachsener zu verdauen, geht vermutlich auf eine Genmutation in Südosteuropa zurpck, wie Forscher der Universität Mainz herausfanden.

Eine endgültige Diagnose kann Dir nur ein Arzt geben. Bei der Behandlung wird ausgeschlossen, ob Deine Beschwerden eine andere Ursache, wie eine Darmerkrankung, haben könnten.

In einem ersten Schritt kannst Du zunächst über zwei Wochen ein Ernährungstagebuch führen. Versuche währenddessen so wenig Laktose wie möglich zu konsumieren und notiere, ob und wann Du Beschwerden hast.

Dann mache ein Experiment an einem Tag, an dem Du nicht das Haus verlassen musst und trinke ein Glas Milch. Sind die Beschwerden zurück und Du willst nur auf die Toilette? Dann solltest Du einen Test beim Arzt machen, damit Du Bescheid weißt, was mit Dir und Deinem Körper los ist und ob die ja recht unspezifischen Beschwerden wirklich auf die Laktose zurückzuführen sind.

Ähnliche Artikel