Häuser in Ostfriesland So führt die Nachfinanzierung von Krediten nicht zum bösen Erwachen
Steigende Zinsen und Nebenkosten. Gerade die, die ihre Kredite nachfinanzieren müssen, kann das hart treffen. Was können sie tun?
Leer - Wer ein Haus kauft und dafür einen Kredit braucht, steht vor einer wichtigen Frage: Auf wie viele Jahre lasse ich die Zinsen festschreiben? 10, 20 oder gar 30 Jahre. Klar ist, wenn der Kredit zum Ende der Zinsbindung nicht abbezahlt ist, muss nachfinanziert werden.
Was und warum
Darum geht es: Bei vielen Hauskäufern steht demnächst die Anschlussfinanzierung an. Bei steigenden Preisen und Zinsen kann das problematisch werden
Vor allem interessant für: Hausbauer oder Hauskäufer
Deshalb berichten wir: Wir wollten wissen, ob die Zinsen wirklich schon ein Problem sind bei der Anschlussfinanzierung Den Autoren erreichen Sie unter: m.kierstein@zgo.de
„Wir merken, dass die Leute sich schon jetzt Gedanken darüber machen, den Zinssatz für eine Anschlussfinanzierung festschreiben zu lassen“, sagt Timo Trenks, Leiter der Wohnungsbaufinanzierung bei der Sparkasse Leer-Wittmund. Auch bei der Ostfriesischen Volksbank nehmen die Beratungsgespräche in dieser Hinsicht zu, wie Mathias Hanneken, Prokurist und Bereichsleiter für Privatkunden der Ostfriesische Volksbank sagt. Doch was sollte man bedenken, wenn das Thema Nachfinanzierung ansteht?
Finanzierung strecken
Derzeit steigen die Zinsen zwar an, doch das ist für die, die vor zehn Jahren ihren Kredit abgeschlossen haben, nur bedingt ein Thema. „Wir bewegen uns derzeit in einem ähnlichen Zinsniveau wie vor zehn Jahren“, sagt Timo Trenks. Somit entstünden für die Kunden also keine höheren Belastungen durch die Zinsen.
Da aber die generellen Lebenshaltungskosten deutlich ansteigen, kann es trotzdem zu Problemen führen. „Man kann die Finanzierung dann strecken, um die Rate gering zu halten“, sagt Trenks. Nachteil: Man würde den Kredit über eine längere Zeit zurückzahlen als ursprünglich geplant. Es gibt aber auch weitere Möglichkeiten.
Forward-Darlehen
„Grundsätzlich besteht immer die Möglichkeit sogenannte Forward-Darlehen abzuschließen. Daneben können auch Bausparverträge sinnvoll zur Zinssicherung eingesetzt werden“, sagt Mathias Hanneken von der OVB. Forward-Darlehen sind interessant für Kreditnehmer, die sich frühzeitig einen Kreditzins sichern wollen, weil sie erwarten, dass das Zinsniveau bis zum späteren Abschluss des Kreditvertrages steigen könnte.
„Die Entwicklung der Zinsen ist aktuell sehr dynamisch. Wir empfehlen unseren Kunden, sich frühzeitig über eine Anschlussfinanzierung zu informieren, auch bereits einige Jahre vor Ablauf der eigenen Zinsfestschreibung“, sagt Hanneken. Generell gebe es die Möglichkeit, bei einer Anschlussfinanzierung sowohl den Zinssatz neu festzuschreiben als auch die Rate neu zu verhandeln. So könne sie an die aktuellen Lebensverhältnisse angepasst werden.
Alternative Banken prüfen
Die Verbraucherzentrale Niedersachsen hat da noch einen weiteren Tipp: „Man kann alternative Banken anfragen. Es lohnt sich dabei, zu einem Vermittler zu gehen, der ein großes Portfolio hat“, sagt Stefan Adam von der Verbraucherzentrale. Diese Vermittler hätten dadurch, dass sie bei mehreren Banken schauen, auch größere Möglichkeiten an günstige Angebote zu kommen.
Für die Verbraucherzentrale lohnt sich das vor allem aus einem Grund: Die Immobilien sind in den vergangenen Jahren im Wert gestiegen. „Eine neue Bank wird auch immer den Wert der Immobilie zum aktuellen Zeitpunkt einschätzen. Die Bank, bei der man den Kredit abzahlt, nimmt sich den Wert zum Zeitpunkt der Kreditaufnahme“, erklärt er. Der noch abzuzahlende Kredit ist in beiden Fällen aber gleich hoch. Somit kann die neue Bank eventuell günstigere Zinsen anbieten, da der zu zahlende Betrag immer im Verhältnis zum Wert der Immobilie gesehen wird. Da diese nun mehr wert ist, hat die Bank auch eine höhere Sicherheit.
Kredit ablösen
Generell besteht die Möglichkeit, nach zehn Jahren einen Kredit in einer Summe zurückzuzahlen. „Man sollte hier die Altersvorsorge prüfen. Wenn diese keine drei-prozentige Rendite garantiert, kann man sie auflösen und den Kredit abzahlen“, sagt Adam von der Verbraucherzentrale. Das liege daran, dass die meisten Kredite aktuell mit etwa drei Prozent verzinst sind. Bleibt also der Wertzuwachs einer Altersvorsorge unter der Neubelastung durch die Zinsen, lohnt es sich mehr, den Kredit zurückzuzahlen.
„Auch Riesterverträge können dazu genutzt werden. Zudem kann man sich nach privaten Darlehen erkundigen“, sagt er. Hier betont er, dass das private Darlehen nur Sinn ergibt, wenn es von Freunden oder der Familie kommt und zinsfrei vergeben wird. Auch so kann man Geld sparen.
Frühzeitig kümmern
Sowohl die Sparkasse Leer-Wittmund, die OVB als auch die Verbraucherzentrale betonen, dass es sinnvoll ist, sich frühzeitig um die Nachfinanzierung zu kümmern. „Auch die Bank hat ein Interesse daran, dass der Kredit getilgt wird“, sagt Adam von der Verbraucherzentrale. Das bestätigen auch OVB und Sparkasse.
„Wenn wir eine Finanzierung besprechen, schauen wir auch, ob ein Kunde sich das in zehn oder zwanzig Jahren noch leisten kann. Wir kalkulieren da mit einem Warnzins, der drei bis viermal so hoch ist, wie das aktuelle Niveau“, beruhigt Timo Trenks von der Volksbank. Er habe nicht das Gefühl, dass sich die Kunden eine Hausfinanzierung nun nicht mehr leisten können. „Die Menschen machen sich Gedanken, das merken wir. Es wird aber nicht zu vielen Problemen kommen. Aktuell haben wir keinen Fall, bei dem sich der Kunde die Finanzierung nicht mehr leisten können wird“, sagt er.
Bei der Verbraucherzentrale ist man dennoch gewarnt. „Ich glaube, viele leben am Rand ihrer Verhältnisse und die Nebenkosten steigen enorm. Gerade bei neuen Krediten kann das künftig zu Problemen führen“, sagt Stefan Adam von der Verbraucherzentrale.