Osnabrück Für 500.000 EWE-Kunden wird es ab 1. Oktober teurer
Der Preis für Strom und Gas steigt für EWE-Kunden zum 1. Oktober weiter an. Steigende Preise, mehr Kunden und eine reduzierte Gaslieferung machen das nötig, argumentiert das Energieunternehmen aus Oldenburg.
Seit Beginn des Krieges in der Ukraine steigen die Verbraucherpreise für Energie rasant. Das bekommen nun auch knapp 500.000 Kunden des Oldenburger Energiedienstleisters EWE zum 1. Oktober erneut zu spüren, wie das Unternehmen am Mittwoch mitteilte. „Wie sich schon aufgrund der Entwicklungen der letzten Wochen angekündigt hat, ist EWE zum 1. Oktober gezwungen, den Preis für Strom und Gas in der Grund- und Ersatzversorgung erneut anzuheben”, so EWE-Chef Stefan Dohler.
In Zahlen bedeutet das: Ab Oktober steigt der Preis für eine Kilowattstunde Strom um 11,76 Cent auf 37,81 Cent brutto. Der jährliche Grundpreis bleibt indes unverändert. Für einen Durchschnittshaushalt mit einem Jahresverbrauch von 3.000 Kilowattstunden ergeben sich somit Mehrkosten von gut 352 Euro im Jahr beziehungsweise rund 29 Euro im Monat. Im Vergleich zum 1. Januar ist der Strompreis für EWE-Kunden in der Grund- und Ersatzversorgung damit um 35,6 Prozent gestiegen. Das liege aber unter dem Durchschnitt der Marktentwicklung, so Oliver Bolay, Geschäftsführer der EWE Vertrieb GmbH.
Die Statista-Grafik zeigt: So stark sind Energiepreise bislang schon gestiegen:
Eine Ausnahme gibt es: Diese Strompreisanhebung in der Grund- und Ersatzversorgung gilt nur für Kundinnen und Kunden in Niedersachsen. In Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern ist EWE kein Stromgrundversorger.
Dass die Preisanpassung vergleichsweise hoch ausfällt, erklärt Bolay auch damit, dass eine Preisanpassung zum 1. Juli nicht wie geplant vorgenommen werden konnte. „Wegen der Reduzierung der EEG-Umlage zum 1. Juli hatte der Gesetzgeber eine Strompreiserhöhung zum selben Zeitpunkt ausgeschlossen. So ergibt sich jetzt für EWE zum 1. Oktober beim Strompreis eine stärkere Erhöhung“, so Bolay.
Der Gaspreis steigt indes etwas moderater um 1,82 Cent je Kilowattstunde von 13,17 Cent brutto auf 14,99 Cent. Das bedeutet bei einem Durchschnittsverbrauch von 20.000 Kilowattstunden jährliche Mehrkosten von 364 Euro. Pro Monat müssen Kunden also mit gut 30 Euro mehr rechnen. Auch hier bleibt der Grundpreis unverändert. Verglichen mit dem Jahresbeginn müssen Kunden damit 82,7 Prozent mehr zahlen. Auch hier bleibe EWE unter dem Marktschnitt, so Bolay.
Von den Preisanpassungen des Unternehmens betroffen sind Oliver Bolay zufolge insgesamt 375.000 Strom- und 110.000 Gaskunden der Grund- und Ersatzversorgung. Sie erhalten in Kürze von EWE auch ein persönliches Schreiben zur Preisanpassung, stellte der Geschäftsführer der EWE Vertrieb GmbH in Aussicht.
Wer mit EWE einen Langzeitvertrag über 12 oder 24 Monate abgeschlossen hat, kann sich indes auch weiterhin über die Preisgarantie freuen. Dabei handele es sich um den Großteil der EWE Strom- und Gaskunden, so Bolay. Hier sind keine Anpassungen geplant. „Sechs Wochen vor dem kundenindividuellen Ende der Laufzeit schreibt EWE diese Kunden jeweils an und bietet ihnen eine Verlängerung des Vertrages zu dem Preis, der dann für das jeweilige Laufzeitprodukt gilt“, so Bolay. Das bedeutet jedoch, dass Kunden, deren Tarif in Kürze endet, mit erheblichen Preissprüngen rechnen müssen.
Grundsätzlich begründet EWE die Preissteigerungen mit hohen und weiterhin steigenden Einkaufspreisen. Hinzu komme eine reduzierte Gasliefermenge durch die Pipeline Nordstream 1. Hier appellierte Dohler auch noch einmal zum Gas-Sparen. Denn mit den aktuellen Liefermengen seien die Gasspeicher nicht entsprechend der Vorgaben zu füllen.
Oliver Bolay nennt als Grund für die Preissteigerungen auch, dass EWE auch weiterhin sowohl beim Strom als auch beim Gas Kundenzuwachs zu verzeichnen hat bei gleichzeitig nur sehr geringen Kundenabgängen. 100.000 Kunden mehr als geplant versorge der Energiedienstleister. „Das ist zwar ein Zeichen dafür, dass Kunden in der Krise auf sichere und stabile Energieversorger setzen. Es bedeutet aber auch, dass EWE für mehr Kunden als geplant Energie beschaffen muss und das zu den aktuell massiv hohen Preisen.”
Mit Blick auf den Erdgaspreis stimmt EWE Kunden bereits jetzt auf zusätzliche Kosten ein - auch, wenn Langfristverträge abgeschlossen wurden. Der Grund: die Gasumlage, die zum 1. Oktober eingeführt werden soll. Dohler erklärte: „Die Umlage soll Energieimporteure entlasten, die bislang russisches Erdgas importiert haben und durch russische Lieferausfälle Ersatzmengen jetzt anderweitig zu deutlich höheren Preisen beschaffen müssen. Diese Mehrkosten werden durch die Gasumlage bundesweit auf alle Haushalte und Unternehmen umgewälzt, unabhängig von ihrer individuellen vertraglichen Situation.“
Wie hoch die Umlage ausfällt, steht noch nicht fest. Eine Beispielrechnung jedoch zeige: Bei 2,5 Cent pro Kilowattstunde würde 90 Millionen Euro bedeuten, die EWE an die zentrale Stelle abführen müsse. Das wären mehr als eine Milliarde Euro pro Jahr. Diese Summe würde wiederum auf Haushalte umgelegt und für knapp 50 Euro Mehrkosten im Monat sorgen.
Kunden empfiehlt Dohler, ihre Abschlagszahlungen zu erhöhen, um dadurch eine hohe Nachzahlung zu vermeiden. Insgesamt 15 Prozent seien dieser Aufforderung bereits nachgekommen, so Bolay.
EWE die aktuellen Zählerstände zu melden, sei nicht notwendig. Das Unternehmen berücksichtige die Preisanpassungen bei der nächsten Abrechnung, indem die Verbrauchsmengen nach den alten und neuen Preisen anhand von statistisch erfassten Verbrauchsdaten aufgeteilt werden. Kunden, die EWE dennoch ihre Zählerstände mitteilen möchten, sollten dafür die digitalen Möglichkeiten nutzen unter: www.ewe.de/preise.
Langfristig rechnet EWE-Chef Stefan Dohler wieder mit sinkenden Preisen für Strom und Gas. „Das ist nicht das Preisniveau für die nächsten Jahre“, ist er sicher. In diesem Fall werde das Energieunternehmen die Preise wieder nach unten anpassen. Dennoch richtete er einen Appell an die Politik, für Entlastungen zu sorgen. Viele Haushalte würden die steigenden Kosten nicht stemmen können.