Lange Liste des Hafens in Weener  Schrottschiff wegschaffen, dann geht es weiter

Vera Vogt
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Von Vera Vogt
| 03.08.2022 17:02 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Die „Captiva“ wurde an Land geholt, jetzt greift die Stadt Weener durch. Foto: Gettkowski/Archiv
Die „Captiva“ wurde an Land geholt, jetzt greift die Stadt Weener durch. Foto: Gettkowski/Archiv
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Es reicht: Ein weiteres Schrottschiff wird nun durch die Stadt Weener abgewrackt. Das kostet Steuergelder. Kriegt man die zurück? Und wohin fließt das Geld sonst im Hafen?

Weener - Liebevoll restaurierte Häuser, Wasser, Traditionsschiffe: Der historische Hafen in Weener ist eine Perle. Er lockt Einheimische und Touristen an. Und doch gibt es immer wieder Sorgenkinder. Eines ist die „Captiva“. Denn die Traditionsschiffe, die den Hafen so attraktiv machen, werden weniger. Sogenannte Schrottschiffe müssen immer wieder aus dem Becken gehoben werden, ehe sie untergehen – mitsamt Treibstoff und Öl. Eine Katastrophe für die Umwelt.

Was und warum

Darum geht es: Man war das Warten leid: Das Schrottschiff „Captiva“ wird nun von der Stadt Weener abgewrackt. Dass sich ein Eigner nicht mehr rührt, passiert nicht zum ersten Mal. Wohin fließt das Geld sonst beim Hafen?

Vor allem interessant für: Die, die Wasser und Schiffe mögen

Deshalb berichten wir: Es kostet Steuergelder, sich um die Schrottschiffe zu kümmern.

Die Autorin erreichen Sie unter: v.vogt@zgo.de

Die Jacht „Captiva“ musste an Land geholt werden. Im März war man noch guter Dinge, dass sich der Besitzer darum kümmern wird, das Schiff zu verschrotten. Denn es war auch auf sein Geheiß hin geborgen worden. „Die Bergung der Captiva wurde auch vonseiten des Eigners veranlasst“, teilte Stadtsprecherin Kerstin Beier im März mit. Der Abtransport stehe nach aktueller Aussage des Eigners nun unmittelbar bevor – oder auch nicht. Im August steht die „Captiva“ noch immer auf einem Trailer am Hafen. Und nun reicht es der Stadt Weener: „Das Schiff wird durch die Stadt im Zuge der Ersatzvornahme abgewrackt“, teilt Beier mit. Der sperrige Begriff „Ersatzvornahme“ bedeutet, dass eine Behörde in Vorleistung geht, sie aber die Kosten – die Steuergelder – zurückfordern kann. In diesem Fall vom Besitzer des Schiffes.

Die „Miltiades“ wurde 2020 gehoben und im Hafen abgelegt. Foto: Archiv
Die „Miltiades“ wurde 2020 gehoben und im Hafen abgelegt. Foto: Archiv

Schrottschiffe können teuer werden

„In den vergangenen Jahren gab es immer wieder die Situation, dass ein marodes Schiff geborgen und abgewrackt werden muss. Ein solches Vorhaben kostet je nach Fall rund 20.000 bis 40.000 Euro“, erklärt Beier. Die Erfolgsquote ist beim Zurückfordern nicht sonderlich gut: „Im Einzelfall gelingt es, auf dem Rechtswege die Mittel wieder zu erhalten.“ Im vergangenen Jahr war der ehemalige Kutter „Miltiades“ endgültig abgewrackt worden. Das Schiff war bereits im Sommer 2020 Leck geschlagen und aus Sicherheitsgründen an Land geholt worden. Weil der Eigner sich nicht um die Entsorgung kümmerte, ließ die Stadt den maroden Kahn verschrotten – und bleibt wie es aussieht auf den Kosten sitzen. Im Jahr 2010 war im Hafen die „Nora von Bremerhaven“ gesunken und musste geborgen werden – auf Kosten der Stadt. Bergung und Entsorgung kosteten 25.000 Euro.

Die "Sirius" sank 2013 in Leer. Öl und Kraftstoff waren zum Glück vorher entnommen worden. Foto: Archiv
Die "Sirius" sank 2013 in Leer. Öl und Kraftstoff waren zum Glück vorher entnommen worden. Foto: Archiv

Auch in Leer hat man leidvolle Erfahrungen mit Schrottschiffen gemacht: Dort war im Jahr 2013 der Kutter „Sirius“ gesunken. Das Schiff lag als schwimmender Fischimbiss im Leeraner Hafen. Der Eigner hatte die Frist zur Bergung verstreichen lassen. Um weitere Schäden abzuwenden, ließen die Stadtwerke es zu einer Schiffsverwertung nach Papenburg bringen. Doch die Firma gab den Betrieb auf und die „Sirius“ musste wieder zurück nach Leer. Der Rechtsstreit der Stadtwerke mit dem Eigentümer des Kutters dauert nach Auskunft von Stadtwerkesprecher Edgar Behrendt immer noch an. Der Streitwert liegt inzwischen bei mehr als 100.000 Euro.

Weniger Boote auffällig

Aber es gibt auch Positives von den Schiffen im Weeneraner Hafen: „Im Moment gibt es keine akuten Fälle“, sagt Beier. Auf einigen Booten liege aber ein besonderes Augenmerk. „Nach wie vor kontrolliert die Hafen und Tourismus GmbH die im Hafen liegenden Boote.“ Die HuT leite, falls erforderlich, Maßnahmen ein. Aber hier gerate man schnell an Grenzen, weil „lediglich bei offensichtlichen Mängeln gehandelt werden kann. Grundsätzlich haben die Eigner dafür Sorge zu tragen, dass ihre Boote vernünftig gewartet werden.“ Die Situation habe sich jedoch schon merklich verbessert. „Es sind im Vergleich zu den Vorjahren nur noch wenige Boote auffällig“, so Beier.

Es ist also Land in Sicht bei den Schrottschiffen. An anderer Stelle müssen beim Hafen allerdings die Ärmel hochgekrempelt werden: „Derzeit steht die Grundräumung als nächste große Maßnahme an“, erklärt die Pressesprecherin. Der Hafen in Weener hat laut Bernd Schmidt, Schriftwart des Seglervereins Weener, wegen des Schlicks einen schlechten Ruf. Noch in diesem Jahr soll der Hafen für eine halbe Million Euro von Schlick befreit werden. Vom Land gibt es einen Zuschuss in Höhe von 351.000 Euro, berichtete Weeners Bürgermeister Heiko Abbas, die Stadt müsste 149.000 Euro tragen. Ob man mit dieser Summe auskommen werde, sei nach Abbas Worten noch offen. Die Ausschreibung steht kurz vor dem Abschluss und soll nach den Sommerferien erfolgen.“ Wenn alles nach Plan laufe, könne mit der Entschlickung im Herbst begonnen werden.

Nach Schlick kommen Ideen: „In der mittelfristigen Planung muss es darum gehen, aus dem Hafenentwicklungskonzept die wesentlichen Dinge zu benennen, die noch umgesetzt werden könnten“, so Beier. Die Schleuse und ihr Zustand sei dagegen ein langfristiges Unterfangen. Im vergangenen Jahr hatte die HuT 260.000 Euro für die Sanierung eingeplant, mittlerweile geht man von einem mittleren Millionenbetrag aus.

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