Energiekrise in Ostfriesland Profitieren Kommunen von den hohen Holzpreisen?
Die Energiepreise steigen immer weiter. Holz wird da zum begehrten Rohstoff. Doch der Markt ist nahezu leergefegt.
Ostfriesland - In Ostfriesland wird viel mit Gas oder Öl geheizt. Jetzt, da die Kosten für diese Energieträger nahezu explodieren, besinnen sich viele auf eine andere Möglichkeit: Holz.
Was und warum
Darum geht es: Holz ist vielerorts ausverkauft. Einige Kommunen verkaufen noch welches.
Vor allem interessant für: Alle, die Holz für den Winter kaufen wollen
Deshalb berichten wir: Wir wollten wissen, ob sich der Verkauf von Holz für die Gemeinden lohnt. Den Autoren erreichen Sie unter: m.kierstein@zgo.de
Wer einen Kamin hat, kann im Winter die Heizung runterdrehen. Viele Kommunen in Ostfriesland verkaufen zudem Holz. Allerdings gibt es daran einen großen Haken.
Holzpreise explodieren
Der Verkauf von Holz ist nämlich für die Kommunen kein einträgliches oder gar eigenständiges Geschäft. „Da bei Pflegearbeiten Holz anfällt, welches wegen des zu großen Durchmessers nicht gehäckselt werden kann, sind wir gezwungen, das anfallende Holz auf dem Betriebshof zu lagern. Da die Lagerkapazitäten begrenzt sind und eine anderweitige Verwendung nicht gegeben ist, verkaufen wir das Holz“, sagt Eduard Dinkela, Sprecher der Stadt Emden.
„Wir rennen nicht für Brennholz durchs Stadtgebiet“, sagte Weener Bürgermeister Heiko Abbas vor Kurzem. Keiner bereichere sich an den gefällten Bäumen. Stümpfe lagere man ein. „Aus dem Rest werden unter anderem Holzhackschnitzel gemacht. Für Beete, um die sich der Bauhof kümmert“, sagte er. Lieferung und CO2 könne man so sparen. Generell würden Bäume nur gefällt, wenn es triftige Gründe gebe. Beispielsweise, dass ein Baum umzustürzen drohe.
Sonderweg Uplengen und Ihlow
In der Gemeinde Uplengen geht man einen speziellen Weg: Mit dem Strauch- und Baumschnitt wird unter anderem eine Holzhackschnitzelheizung betrieben, und über ein Nahwärmenetz ist diese mit öffentlichen Gebäuden verbunden. So werden unter anderem das Rathaus und ein Kindergarten darüber geheizt.
In Ihlow hingegen sieht man den Verkauf von Holz als Serviceangebot, da das Interesse aus der Bevölkerung vorhanden sei. Zudem wäre eine Entsorgung kostenpflichtig. „Im Frühjahr wird auf dem Bauhof eine Holzversteigerung durchgeführt. Im Jahr 2022 wurden insgesamt 48 Lose vergeben. Die Preisspanne liegt zwischen 30 Euro bis 100 Euro je Los. Maßgeblich ist die Qualität des Holzes für den Preis ausschlaggebend“, erklärt Harm Ubben von der Gemeinde.
Der Holzpreis
Auch in Ihlow wird nicht extra für den Holzverkauf gefällt. Das Holz stamme aus Baumpflegearbeiten, Gefahrenbeseitigung und Sturmschäden. „Eine Erhöhung der Preise gegenüber den Vorjahren ist nicht erkennbar“, so Ubben.
In Emden hingegen befinde man sich noch in der Preisfindung. „Bürgerinnen und Bürger der Stadt müssen sich bei Interesse auf eine Warteliste setzen lassen. Eine zeitliche Zusage, wann, in welchem Umfang und in welcher Qualität Holz zur Verfügung steht, kann nicht gegeben werden“, sagt Emdens Stadtsprecher. Es handele sich in der Regel um Holz verschiedener Baumarten mit zum größten Teil schlechteren Brennwerten und Formen, die eine Herausforderung bei der weiteren Bearbeitung darstellen. Auch müsse das Holz selbst abgeholt und aufgearbeitet werden. Er betont, dass sich der Holzverkauf für die Stadt nicht rentiere.
Warum Holz teurer wird
„Die Holzpreise sind stark angestiegen“, sagt Knut Sierk von den niedersächsischen Landesforsten. Er weiß aber auch, warum die Preise derzeit so steigen. „Eigentlich sind wir auf dem Preisniveau von 2017. Allerdings gab es im Jahr 2018 ein Katastrophenjahr. Trockenheit und der Borkenkäfer haben den Bäumen zugesetzt. Der Markt wurde überschwemmt und die Preise stürzten ab“, sagt er.
Auch bei den Landesforsten bemerkt man eine große Nachfrage nach Brennholz. „Es wird aber kein Baum nur für Brennholz gefällt“, sagt er. Zudem sei die Saison bereits vorbei, neues Holz komme also nicht mehr dazu. „Wir verkaufen das Holz meist direkt am Wegrand. Es gibt aber noch eine Möglichkeit“, sagt der Landesförster. So könnten Leute, die einen Motorsägenschein haben, das Holz selber schlagen. Das muss aber mit dem Förster abgesprochen werden. Dieser würde dann entsprechende Bäume markieren.
„Das Laubholz, das wir hatten, ist bereits verkauft. In manchen Regionen ist noch etwas Nadelholz da. Die Nachfrage können wir aber nicht befriedigen“, sagt Sierk.