Kickers-Auftakt gegen Flensburg  Blöde Gegentore und Lehrstunde folgen Steigerung und Applaus

| | 31.07.2022 17:19 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Oft konnte sich Ayo Adeniran nicht durchsetzen. In dieser Szene gewinnt er das Duell gegen Christopher Kramer. Foto: Ortgies
Oft konnte sich Ayo Adeniran nicht durchsetzen. In dieser Szene gewinnt er das Duell gegen Christopher Kramer. Foto: Ortgies
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In der ersten Halbzeit mussten die Emder Anhänger unter den 1108 Besuchern im Ostfriesland-Stadion Schlimmes befürchten. Doch Kickers wusste sich zu steigern und unterlag Flensburg nur mit 0:2.

Emden - Die zweite Halbzeit hat Spaß gemacht. So gab es von den 1108 Zuschauern im Ostfriesland-Stadion nach der 0:2-Auftaktniederlage von Kickers Emden gegen den Mitfavoriten SC Weiche Flensburg auch aufmunternden Applaus. „Es wird jetzt nicht unbedingt so sein, dass wir Weiche Flensburg in der Saison hinter uns lassen müssen. Wir werden nicht immer auf diese Qualität treffen. Aber es war für uns ein Fingerzeig, was uns in dieser Spielzeit erwarten wird“, analysierte Trainer Stefan Emmerling nach dem Auftaktspiel der Fußball-Regionalliga Nord. Der Coach war nach der Niederlage natürlich nicht erfreut, wirkte aber zufrieden, dass sein Team vor allem nach dem Seitenwechsel eine Reaktion zeigte.

Emmerling ist bekannt dafür, dass er ein Urvertrauen in seine Stammformation setzt. So durfte von den Neuzugängen auch lediglich Andre N`Diaye von Beginn an ran. Dass die Emder nicht in die Nähe eines Überraschungspunktes kamen, lag vor allem an der ersten Halbzeit. „Wir sind eigentlich ganz gut ins Spiel gekommen und waren griffig. Dann haben wir zwei blöde Gegentore kassiert, das müssen wir cleverer verteidigen“, meinte Kapitän Bastian Dassel selbstkritisch.

Holger Wulff (rechts) wurde schon früh für den verletzten Heiko Visser eingewechselt.
Holger Wulff (rechts) wurde schon früh für den verletzten Heiko Visser eingewechselt.

Bisschen Mut verloren

Auf der rechten Seite konnte Rene Guder nach einem langen Ball völlig frei richtig Strafraum marschieren, die präzise Flanke drückte Torjäger Christopher Kramer (8.) dann ohne Mühe über die Linie. „Nach dem 0:1 konnte man schon merken, dass die Mannschaft anfängt nachzudenken und ein bisschen den Mut verliert“, merkte Stefan Emmerling an. Nur drei Minuten später patzte dann BSV-Verteidiger Alagie Jabbie. Er konnte nicht klären, spielte Flensburgs Kapitän Dominic Hartmann (11.) den Ball genau in den Fuß – 0:2.

Spieldaten

Kickers Emden: Wetzel, Faqiryar, Eilerts (77. Niehues), Dassel, Jabbie, Goosmann (82. Köster), Sillah (66. Jabateh), Visser (22. Wulff), N`Diaye, Adeniran, Steffens

Tore: 0:1 Kramer (8.), 0:2 Hartmann (11.)

„Solche Einladungen werden in der Regionalliga eher angenommen als noch in der Oberliga. Danach sind wir ziemlich hinterhergerannt“, war Emmerling froh, dass es bis zur Halbzeit nur bei einem Zwei-Tore-Rückstand blieb. Denn danach wurde deutlich, warum Flensburg zu den Mitfavoriten gehört. Die Mannschaft kombinierte sehenswert, erspielte sich noch einige Möglichkeiten und war dem Aufsteiger in allen Belangen klar überlegen.

Hitzig nach Faqiryar-Aktion

Nach einem vermeintlichen Foul von Milad Faqiryar wurde es kurz hitzig, es kam zu Rudelbildungen. Aber schon ab diesem Zeitpunkt machten es die Emder ein wenig besser. „Der Appell war, in der zweiten Halbzeit mutiger zu sein im Verteidigen, aber auch in den Aktionen nach vorne, das haben wir viel besser gemacht“, lobte Emmerling. In der Tat war die Partie nun wesentlich ausgeglichener. Flensburg zog sich ein wenig zurück, Kickers wäre durch einen Drehschuss vom eingewechselten Vafing Jabateh (71.) beinahe zum Anschlusstreffer gekommen.

„So ist das halt im Fußball, wir machen die Chancen nicht, und Emden hat das in der zweiten Halbzeit besser gemacht. Fällt das 1:2, kann das noch einmal wackelig werden“, war Gäste-Trainer Thomas Seeliger froh, dass es für sein Team nicht noch einmal eng wurde. So mussten die Emder Anhänger zwar mit einer Niederlage nach Hause gehen, aber nahmen doch ein ganz gutes Gefühl mit.

Teilweise ging es hoch her. Nach einem vermeintlichen Foulspiel von Milad Faqiryar kam es zu Rudelbildungen, aber wenig später beruhigten sich die aufgehitzten Gemüter. Fotos: Ortgies
Teilweise ging es hoch her. Nach einem vermeintlichen Foulspiel von Milad Faqiryar kam es zu Rudelbildungen, aber wenig später beruhigten sich die aufgehitzten Gemüter. Fotos: Ortgies

Winter mit Auftaktkulisse zufrieden

Apropos Zuschauerzahl. Vor der Partie wirkten die Emder Verantwortlichen aufgrund des schwachen Vorverkaufs noch ein wenig enttäuscht, nach der Partie war Vorsitzender Dr. Jörg Winter aber zufrieden: „Das war gut, vor allem kurz vor Spielbeginn hat sich das Stadion noch einmal ordentlich gefüllt. Aufgrund der Ferienzeit war es eine schöne Auftaktkulisse.“ Die wird die Emder auch am nächsten Freitag erwarten, dann geht es nämlich gleich zum nächsten Topfavoriten, dem VfB Lübeck.

Der Regionalligist sorgte am Sonnabend für eine dicke Pokalüberraschung und warf den Zweitligisten Hansa Rostock aus dem Wettbewerb. „In der nächsten Woche wird uns ein ähnliches Kaliber erwarten. Wenn wir an die zweite Halbzeit anknüpfen, dann können wir Lübeck vielleicht ein bisschen ärgern“, hofft Kickers-Torjäger Tido Steffens. Stadionsprecher-Legende Gerd Krauledat war da sogar noch optimistischer und verabschiedete die Besucher der Pressekonferenz mit einem Lacher: „Wir freuen uns am nächsten Freitag auf das Spiel an der Lohmühle. Und dann hauen wir Lübeck weg.“

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