Streit um niederdeutsche Sprache  Hey Plattdeutsch, all up Stee?

Nikola Nording
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Von Nikola Nording
| 31.07.2022 16:03 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 2 Minuten
Sängerin Ina Müller zweifelte am Überleben der plattdeutschen Sprache. Foto: Heimken/dpa
Sängerin Ina Müller zweifelte am Überleben der plattdeutschen Sprache. Foto: Heimken/dpa
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Ina Müller findet, Plattdeutsch wird künstlich am Leben gehalten. Annie Heger gerät deswegen „in Brast“. Doch wie sehen das die Plattdeutsch-Sprechenden im Landkreis Leer?

Landkreis Leer - Wie geht’s dem Plattdeutschen? All up Stee? Sängerin Ina Müller sagte in der vergangenen Woche im Interview mit dieser Zeitung, dass für sie das Plattdeutsche nur künstlich am Leben gehalten werde. „Wenn eine Sprache nicht mehr gebraucht wird, stirbt sie nun mal aus“, sagte Müller. Sie bedauerte das. Allerdings befand sie auch, dass sich Plattdeutsch nicht weiterentwickele.

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Plattdeutsch-Aktivistin Annie Heger geriet wegen dieser Aussage „in Brast“. „Dieser Satz ist ein Schlag ins Gesicht für alle, die sich für unsere Herzenssprache den Mors aufreißen. Diese Sprache ist nicht auf dem Stand einer künstlich-lebensverlängernden Maßnahme, Plattdeutsch ist lebendig. Unsere Herzen schlagen laut und deutlich“, so Heger.

Plattproterin Annie Heger verärgerte die Aussage von Müller sehr. Bild: Jagusch
Plattproterin Annie Heger verärgerte die Aussage von Müller sehr. Bild: Jagusch

Platt soll wieder „schick“ werden

Doch wie geht es dem Plattdeutschen im Landkreis Leer? Wie haben Plattsprechende in der Region die Auseinandersetzung erlebt? Diese Zeitung hat einige von ihnen gefragt und auch die Lesermeinungen aus dem Internet zusammengetragen.

Dieter Baumann, stellvertretender Landrat im Kreis Leer und Plattdeutschbeauftragter im Kollegium der Ostfriesischen Landschaft, kann Müllers Aussage auch nicht zustimmen. Allerdings sieht auch er Entwicklungsbedarf fürs Plattdeutsche. „Die Friesen sind weiter. Dort ist es erlaubt, vor Gericht oder in Behörden friesisch zu sprechen“, sagt Baumann. Diese Anerkennung fehle in Ostfriesland noch.

Aber man sei heute weiter als vor 20 bis 30 Jahre. „Da haben Eltern ihren Kindern bewusst kein Plattdeutsch beigebracht“, sagt er. Heute wisse man, dass es gut für die Kleinen sei, mehrsprachig aufzuwachsen. Baumanns Traum ist es, dass es wieder schick wird, Platt zu sprechen. „So wie manche, um kultiviert zu wirken, lateinische Sätze zum besten geben, wäre es gut, wenn das auch mit plattdeutschen Sätzen so wäre“, sagt er.