Seewalchen  Morddrohungen von Impfgegnern: Ärztin in Oberösterreich tot aufgefunden

Laurenz Constantin Blume
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Von Laurenz Constantin Blume
| 29.07.2022 17:21 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 2 Minuten
Am Freitagmorgen wurde die öffentlich breit bekannte Ärztin Lisa-Maria Kellermayr in Oberösterreich tot aufgefunden. Foto: dpa/Karl-Josef Hildenbrand (Symbolbild)
Am Freitagmorgen wurde die öffentlich breit bekannte Ärztin Lisa-Maria Kellermayr in Oberösterreich tot aufgefunden. Foto: dpa/Karl-Josef Hildenbrand (Symbolbild)
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Sie erhielt monatelang Morddrohungen von Impfgegnern und machte diese öffentlich: Nun wurde die Ärztin Lisa-Maria Kellermayr aus Oberösterreich in ihrer Praxis tot aufgefunden.

Die Praxis in Seewalchen am Attersee in Oberösterreich blieb seit Ende Juni geschlossen. Ärztin Lisa-Maria Kellermayr war mehrfach öffentlich als Expertin aufgetreten und warb für die Corona-Schutzimpfung. Daraufhin soll sie monatelang in unregelmäßigen Abständen Morddrohungen per E-Mail von Impfgegnern erhalten haben. Jetzt ist die Ärztin gestorben.

Österreichische Medien berichten, dass sie am Freitagmorgen leblos in ihrer Praxis gefunden wurde. Es ist davon auszugehen, dass sie sich selbst das Leben genommen hat. Laut Staatsanwaltschaft Wels werde Fremdeinwirkung ausgeschlossen. Es seien Abschiedsbriefe gefunden worden, zu deren Inhalt man nichts sagen wolle. Eine Obduktion sei demnach nicht angeordnet worden.

In einem Interview mit der „Kronen Zeitung“ von Anfang Juli hatte sich Kellermayr entsetzt gezeigt über viele Hass- und Drohnachrichten, die ihr per Post und Mail zugeschickt wurden. Für einen privaten Sicherheitsdienst hatte sie zu diesem Zeitpunkt bereits seit sieben Monaten 8000 bis 10.000 Euro im Monat ausgegeben.

Auf Twitter teilte Kellermayr regelmäßig die Hassmails, die sie erreichten sowie Botschaften wie diese:

In ihrem letzten Tweet schrieb sie, dass sie sich „eine kompetente Nachfolgerin oder einen kompetenten Nachfolger“ für den aktuellen österreichischen Gesundheitsminister wünsche.

Dieser reagiert nun - ebenfalls auf Twitter - auf ihre Todesnachricht. In einem Tweet sprach Gesundheitsminister Johannes Rauch den Verbliebenen sein Beileid aus. „Die Nachricht über den Tod von Dr. Kellermayr bestürzt mich zutiefst. Als Ärztin hat sie ihr Leben der Gesundheit und dem Wohlergehen anderer gewidmet. Morddrohungen gegen sie und ihre Mitarbeitenden waren brutale Realität“, schreibt Rauch und ergänzt: Der Hass im Netz müsse endlich aufhören.

Bitte holen Sie sich rechtzeitig Hilfe, wenn Sie Selbstmordgedanken plagen, und kontaktieren Sie die Telefonseelsorge. Dort wird Ihnen kostenlose Hilfe angeboten. Hier geht es zu der Homepage der Telefonseelsorge. Unter der Telefonnummer 0800-1110111 oder 0800-1110222 können Sie dort auch kostenlos anrufen. Eine Übersicht über weitere Beratungsstellen gibt es auf der Homepage der Deutschen Gesellschaft für Suizidprävention.

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