Osnabrück Documenta: Schon wieder Ärger um antisemitische Bilder
Der Skandal um antisemitische Bilder auf der Documenta geht weiter. Zeichnungen eines syrischen Künstlers werden als antisemitische Stereotype gesehen. Vor drei Wochen entschied die Documenta-Leitung noch, Broschüren mit diesen Bildern weiter zu zeigen.
Nun also doch: Die Documenta will weitere Werke aus ihrer Ausstellung entfernen. Broschüren mit dem Titel „Presence des Femmes“ wurden bereits vor Wochen als antisemitisch kritisiert. Nun sollen sie nach dem Willen der Gesellschafter der Documenta aus der Ausstellung entfernt werden. Bislang hatten die Verantwortlichen entschieden, die Broschüren in Räumen des Museum Fridericianum zu belassen.
Bei den Werken handelt es sich um Broschüren mit darin enthaltenen Zeichnungen des Künstlers Burhan Karkoutly. Diese Zeichnungen zeigen Darstellungen israelischer Soldaten, die als antisemitisch bewertet werden. Die Soldaten werden als entmenschte Killerroboter mit Davidsstern am Helm dargestellt. Nach Angaben der Recherche- und Informationsstelle Antisemitismus Hessen (RIAS Hessen) hatte ein Besucher der Weltkunstschau die Darstellungen im Museum Fridericianum bemerkt und RIAS Hessen gemeldet. Damit steht erneut der zentrale Ausstellungsbereich der Documenta im Fokus. Das Bildplakat “Peoples Justice” der indonesischen Künstlergruppe Taring Padi, das den Antisemitismusskandal auslöste, war auf dem Friedrichsplatz vor dem Museum platziert worden.
Der aktuelle Fall zeigt einmal mehr, wie bei fragwürdigen Darstellungen auf der Documenta die Einschätzungen der künstlerischen Leitung und der Gesellschafter der Kunstschau, also Land Hessen und Stadt Kassel, auseinandergehen. Die Bilder waren schon vor drei Wochen moniert worden. Damals hatte die Documenta-Leitung die Bilder nach einer aktuellen Mitteilung der Kunstschau über externe Experten begutachten lassen. Die Bilder verblieben allerdings in der Ausstellung. Eine einordnende Erläuterung für Besucher unterblieb.
“Aber auch hier ist angesichts der antisemitischen Bildsprache verantwortungsvolles Kuratieren wichtig und es braucht zumindest eine geeignete Kontextualisierung. Die Gesellschafter gehen davon aus, dass die künstlerische Leitung die diskutierten Zeichnungen bis zu einer angemessenen Kontextualisierung aus der Ausstellung nimmt”, fordern jetzt die Gesellschafter. Jetzt ist Geschäftsführer Alexander Fahrenholtz gefordert, der erst kürzlich Sabine Schormann abgelöst hatte. Sie war nach den Vorwürfen des Antisemitismus von ihrem Posten als Generaldiektorin der Documenta zurückgetreten.
Auch Kulturstaatsministerin Claudia Roth (Grüne) ist für eine zumindest zeitweilige Entfernung der neuen als antisemitisch kritisierten Kunstwerke von der documenta. “Es ist gut und richtig, dass die Gesellschafter der documenta die künstlerische Leitung jetzt aufgefordert haben, diese Zeichnungen aus der Ausstellung zu nehmen”, sagte Roth am Donnerstag in Berlin. “Der Umgang mit diesen Zeichnungen vor dem Amtsantritt von Herrn Farenholtz zeigt erneut, wie wichtig und notwendig ein externes Gremium von Expertinnen und Experten ist, das eine Analyse und Einordnung der auf der documenta gezeigten Werke in Bezug auf mögliche antisemitische Bildsprachen vornimmt. Diese Expertise sollte dann von den Verantwortlichen der documenta auch sehr ernst genommen werden.”
Die FDP forderte unterdessen eine Stopp der Documenta. “Die neuerlichen Antisemitismus-Vorwürfe offenbaren einen Abgrund. Die documenta muss sofort unterbrochen werden”, sagte FDP-Generalsekretär Bijan Djir-Sarai in Berlin. Die Vorfälle müssten zunächst aufgeklärt und die Ausstellung umfänglich auf weitere antisemitische Werke und Inhalte überprüft werden. (mit dpa)