Kolumne „Intern“  Was es heißt, Volontär in der Redaktion zu sein

Joachim Braun
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Eine Kolumne von Joachim Braun
| 29.07.2022 10:53 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 2 Minuten
Joachim Braun
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Journalismus ist spannend, vielseitig – und anstrengend. Am Anfang steht für die meisten Redakteure ein Volontariat. Es gilt trotz vieler Fachstudiengänge als die beste Vorbereitung auf diesen Beruf.

Dieser Text ist eine Liebeserklärung. Es geht um unsere Volontäre, unsere Lehrlinge, wie man früher gesagt hätte. Ein Volontariat ist keine normale Ausbildung. Es gibt keine Berufsschule und keine Abschlussprüfung. Wer die – bei uns – zweieinhalb Jahre geschafft hat, ist Redakteurin oder Redakteur und damit qualifiziert für alles Mögliche in dieser Branche. Für Onlineredaktionen, fürs Fernsehen, für andere Zeitungen, aber am liebsten bilden wir natürlich für uns selbst aus.

Ein Volontör hat‘s schwör, lautet ein ausgenudeltes Klischee. Das aber nicht verkehrt ist. Er (ich bleibe der Einfachheit halber bei der Männlichkeitsform) durchläuft in der Regel alle Ressorts, die Lokalredaktionen sowieso, den Mantel, aber auch die Onlineredaktion (wird immer wichtiger) und Ostfriesen-TV. Das bedeutet, alle paar Monate neue Vorgesetzte, neue Kollegen, andere Abläufe und Gewohnheiten. Mal läuft‘s besser, mal ist‘s schwieriger. Volontäre brauchen Zuspruch, Ermutigung und ehrliche Kritik. Das kostet Zeit, aber es lohnt sich.

Der schönste Beruf der Welt, der Journalist, ist in erster Linie Handwerk, in zweiter Linie Handwerk, in dritter Linie Demut, Gefühl und Erfahrung. Mit Künstlertum hat er wenig zu tun, das müssen viele Volontäre erst lernen.

Sieben Volontäre haben wir zurzeit, es waren mal zehn, es waren auch mal zwei. Sie werden hart rangenommen, müssen sich in Themen einarbeiten, von denen sie keine Ahnung haben, mit Leuten sprechen, die sie schief ansehen („Haben Sie schon Abitur“), sie müssen sich in Redaktionssysteme einarbeiten und unterscheiden lernen, was wichtig ist und was nicht. Ein Knochenjob.

Da ist es nicht verwunderlich, dass unsere Volontäre aus der ganzen Republik kommen. Manche scheitern an Ostfriesland, weil es ihnen „zu provinziell“ ist, andere erkennen, dass Journalismus nicht ihr Ding ist. Denen, die durchhalten, versuchen wir eine Redakteursstelle zu geben. Viele von ihnen sind aus der Redaktion längst nicht mehr wegzudenken.

Zur Person

Joachim Braun (56) ist Chefredakteur der Ostfriesen-Zeitung, des General-Anzeigers und der Borkumer Zeitung. Davor leitete er die Redaktionen der Frankfurter Neuen Presse und des Nordbayerischen Kurier in Bayreuth. 2012 wurde er von einer Fachjury zu Deutschlands „Regional-Chefredakteur des Jahres“gewählt.

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