Gasverbrauch in Ostfriesland  Schließen nach Aurich auch die Bäder in Leer und Weener früher?

Michael Kierstein
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Von Michael Kierstein
| 26.07.2022 13:53 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 5 Minuten
Im Plytje in Leer setzt man auf erneuerbare und heimische Energien. Foto: Wolters/Archiv
Im Plytje in Leer setzt man auf erneuerbare und heimische Energien. Foto: Wolters/Archiv
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In Aurich wurde beschlossen, das Freizeitbad früher zu schließen. In Leer hat man auch reagiert. In Weener hingegen wurde investiert.

Leer - Aurich hat die Reißleine gezogen. Da die Stadt den Gasverbrauch reduzieren will, wird das Freibad des De Baalje bereits am 31. August geschlossen. Auch die Solebäder werden geschlossen und in den übrigen Becken wird die Wassertemperatur gesenkt. Die Maßnahmen sollen zunächst bis zum 31. März 2023 gelten.

Was und warum

Darum geht es: Nachdem in Aurich beschlossen wurde, die Wassertemperatur abzusenken, haben wir in mehreren anderen Bädern nachgefragt.

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Deshalb berichten wir: In Aurich steht der Beschluss. Wir wollten wissen, wie es anderswo zugeht.

Den Autoren erreichen Sie unter: m.kierstein@zgo.de

Als Grund nennt die dortige Verwaltung, dass das Freizeitbad der größte Einzelverbraucher in der Stadt ist. Mehr als zehn Millionen Kilowattstunden fielen im letzten coronafreien Jahr 2019 dort an, das ist rund ein Achtel des Gesamtverbrauchs der Stadt. Muss auch in Leer oder in Weener gespart werden?

Plytje geht anderen Weg

„Da wir uns derzeit im ,Sommermodus‘ befinden, ist der Wärmebedarf im Vergleich nicht sonderlich hoch. Durch die große Glasfassade heizt sich das Gebäude automatisch auf beziehungsweise hält konstant die Temperaturen“, sagt Markus Tippelt, Geschäftsführer und Betriebsleiter des Plytje in Leer. Doch auch hier hat man reagiert. Frühzeitige Schließungen seien jedoch nicht geplant.

So wurden alle statischen Heizkörper sowie die Wärmebänke abgestellt. Die Lufttemperatur im Foyer sowie in den Umkleidekabinen wurde um 5 bis 10 Grad abgesenkt und die Temperatur im Kursbecken sowie die Lufttemperatur wurden um ein Grad abgesenkt.

Absenkung führt zu höherem Energiebedarf

Markus Tippelt befürchtet, dass es durch weitere Temperaturabsenkungen zu höheren Kosten und sogar Schäden am Bau kommen könnte. Den Wärmebedarf erzeuge man nämlich durch ein hauseigenes Blockheizkraftwerk. Dieses erzeuge mit CO2-neutralem Gas Wärme sowie Strom. „Wenn der Wärmebedarf durch massive Absenkungen reduziert wird, produzieren wir auch zwangsläufig weniger Strom. Die Anlage ist für unseren Bedarf optimal ausgerichtet und würde zwangsläufig mehr Kosten verursachen, wenn diese nicht optimal läuft“, erklärt er.

Im De Baalje in Aurich wurde auf die hohen Gaspreise reagiert. Foto: Schöning/Archiv
Im De Baalje in Aurich wurde auf die hohen Gaspreise reagiert. Foto: Schöning/Archiv

Im Plytje kann zudem die komplette Fassade der Süd- und Ostseite geöffnet werden. Im Zuge dessen geht die Lüftungsanlage aus und man benötigt für die Luft keine Wärme. Zudem hat die gesamte Anlage Wärmerückgewinnungssysteme. „Hier ziehen wir aus der verbrauchten Luft sowie unserem Abwasser die Restwärme heraus und nutzen diese wieder in unserem Heizsystem“, sagt Tippelt.

Schäden durch zu geringe Temperatur

Tippelt ist zudem besorgt, dass sich eine Temperaturabsenkung negativ auf das Bauwerk auswirken könnte. „Durch massive Temperaturabsenkungen werden zwangsläufig Bauwerkschäden entstehen“, sagt er. Die tonnenschwere Fassade, die Becken sowie das Fundament seien über Monate hinweg mit einer konstanten Temperatur bespielt worden. Bei einer starken Reduzierung werden hier vermutlich große Schäden entstehen, woraufhin anstehende Reparaturen notwendig sind.

Der Geschäftsführer betont, dass im Plytje grüne Energie genutzt werde. „Wir beziehen grünen Strom sowie CO2-neutrales Gas. Bedeutet, dass unser Strom ausschließlich aus erneuerbaren Energien, beispielsweise aus hiesiger Solar- oder Windenergie, stammt“, sagt er. Das Gas käme zudem aus heimischen Biogasanlagen. „Technisch gesehen beziehen wir somit keinen Strom oder Gas aus Nachbar- oder Drittländern wie beispielsweise Russland“, sagt er. Somit würde eine Absenkung auch nicht helfen, sich unabhängiger von Gaslieferungen aus Russland zu machen.

Friesenbad in Weener als Gewinner

„Im Augenblick haben wir einen großen Vorteil“, sagt Hermann Welp, Geschäftsführer der Friesenbad GmbH in Weener. Der große Vorteil ist, dass das Friesenbad in Weener mit Fernwärme einer nahen Papierfabrik betrieben wird. „So haben wir keine finanziellen Aufwendungen für Gas, da auch unsere Duschen mit Fernwärme versorgt werden“, so Welp.

Das Friesenbad in Weener hat enorme Vorteile, was den Verbrauch angeht. Foto: Gettkowski/Archiv
Das Friesenbad in Weener hat enorme Vorteile, was den Verbrauch angeht. Foto: Gettkowski/Archiv

Zudem hat man investiert. Zwei Pumpen, die 30 Jahre alt waren, wurden ausgetauscht. „Diese sind für die Wasseraufbereitung zuständig. Die vorigen Pumpen liefen quasi immer unter Volllast. Die jetzigen sind regelbare Hocheffizienzpumpen“, freut er sich. 70.000 Euro brutto wurden investiert. 55 Prozent wurden von der Klimaschutzinitiative des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit übernommen.

„Wir hoffen, dass wir so ein Drittel an Energie einsparen können, denn auch Strom ist ja teuer geworden“, sagt Welp. So könnte sich die Investition schnell lohnen. Für die Gäste des Friesenbads hat Welp eine gute Nachricht: „Diese Saison wird uneingeschränkt ablaufen. Bis zum 1. Oktober wird das Wasser 28 bis 30 Grad warm sein“. Er gibt aber auch zu: „Ohne Fernwärme wäre das utopisch.“

Keine Veränderung in Apen

Im Freibad Hengstforde in Apen wird sich nichts ändern. „Stand jetzt gehen wir davon aus, dass wir die Saison regulär zuende bringen“, sagt Doris Meiners von der Gemeinde. Diese laufe noch bis zum 4. September. Auch eine Reduzierung der Badewassertemperatur sei nicht angedacht.

„Wir können aber nicht ausschließen, dass wir zur kommenden Saison die Preise anheben müssen“, sagt sie. Gar nicht geöffnet wurde in dieser Saison hingegen das Freibad in Papenburg, da immer weniger Besucher kämen. Das teilte der Geschäftsführer der Betreiberfirma Aqua Park, Norbert Averdung, vor einiger Zeit mit. Stattdessen werde das Hallenbad an der Russellstraße geöffnet bleiben.

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