Ganderkesee Komponist Hans-Joachim Hespos aus Ganderkesee gestorben
Hans-Joachim Hespos ist tot. Der unkonventionelle Komponist aus Ganderkesee, ein Großer der Neuen Musik, hat mehr als 200 Werke geschaffen. Sie wurden in aller Welt aufgeführt.
Die Welt der Neuen Musik hat eine ihrer schillerndsten, unkonventionellsten und produktivsten Persönlichkeiten verloren – und die Gemeinde Ganderkesee einen ihrer prominentesten Bürger: Der Komponist Hans-Joachim Hespos ist am Montag, 18. Juli, gestorben. Er wurde 84 Jahre alt.
Der Name Hespos ist seit den 60er Jahren eng mit den atonalen, experimentellen Klangwelten der Neuen Musik verbunden und mithin vor allem einem Fachpublikum ein Begriff. Aber auch darüber hinaus hat er mit seinem musikalischen Wirken ein neugieriges und aufgeschlossenes Publikum finden können, etwa mit der von ihm 1969 gegründeten Konzertreihe „Neue Musik in Delmenhorst“, die alljährlich am 11. November im Kleinen Haus stattfindet.
Hans-Joachim Hespos wurde 1938 in Emden geboren und wuchs in einem musikalischen Elternhaus auf. Mit zwölf Jahren spielte er in verschiedenen Streichquartetten in seiner Geburtsstadt. Und schon in frühen Jahren versuchte er sich erstmals am Komponieren. Den Weg des Profimusikers schlug er jedoch nicht ein, die Eltern waren dagegen. Nach Abitur und Pädagogikstudium arbeitete er bis 1982 als Hauptschullehrer. Seitdem war er als freischaffender Künstler mit Wohnsitz in Ganderkesee tätig.
Noch als Beamter im Schuldienst hat sich der Autodidakt als Komponist, dessen Werke sich nur schwer einordnen lassen, einen Namen gemacht. Seit 1967 erhielt er zahlreiche Kompositionsaufträge. Hespos‘ Stücke wurden in aller Welt aufgeführt, mehrfach wurde er im In- und Ausland mit Preisen bedacht. Sein Gesamtwerk umfasst mehr als 200 Kompositionen für Solo, Kammermusik, Ensemble, Orchester, Chor, elektronische Musik, Bühne und Szene. Seine musikalische Nonkonformität drückte sich auch in seinen fantasievollen Wortschöpfungen für die Spielanweisungen („kreischRISSscratch“) und ungewöhnlichen Titeln („ÖING klaffende leere“) aus. Zum 625. Stadtrechtsjubiläum 1996 in Delmenhorst komponierte Hespos das Werk „625 - Stadtkantate für stimmen, pfeifen und metalle“, es wurde in der Turbinenhalle auf der Nordwolle vom Jugendchor der Musikschule Delmenhorst aufgeführt.