Kolumne Intern  Warum Reporter ihre Themen unbedingt vorplanen müssen

Joachim Braun
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Eine Kolumne von Joachim Braun
| 22.07.2022 09:38 Uhr | 2 Kommentare | Lesedauer: ca. 2 Minuten
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Redakteure sind gewohnt, unter Zeitdruck, immer auf den letzten Drücker zu arbeiten. Qualitätsfördernd ist das nicht. Deshalb haben wir Werkzeuge für die Themenplanung geschaffen. Das gefällt nicht allen.

Für mich war der Montagabend eine der wichtigsten Termine des Jahres. Erstmals seit fast einem Jahr kam die gesamte Redaktion in Präsenz zusammen. An die 50 Redakteurinnen und Redakteure trafen sich im Verlagsgebäude. Fast drei Wochen hatte ich an meiner Präsentation gearbeitet. Naja, gebaut hatte ich sie am Wochenende, aber sie spukte die ganze Zeit in meinem Kopf herum, bis hin zu den kreativen Minuten morgens im Halbschlaf vor dem Aufwachen.

Es ist nämlich knifflig. Auf der einen Seite, so finde ich, hat sich unser journalistisches Angebot sehr verbessert, und das verdient Lob. Auf der anderen Seite gibt es bei den Arbeitsabläufen Dinge, die nicht funktionieren. Obwohl es nur ein paar Reporter sind, die ausscheren, gerät unsere arbeitsteilige Organisation ins Schlingern: die Onliner, die nicht die erwarteten Artikel bekommen, um sie auf der Webseite auszuspielen und die Blattplaner, die auf vereinbarte Artikel für die Zeitungsseiten warten müssen. Das verursacht Frustrationen. Und deshalb wurde ich am Montag an einigen Punkten sehr deutlich und bestimmend.

Immerhin, wir haben in den drei Stunden Konferenz sehr intensiv diskutiert. Wie so oft ging es um die Themenplanung. Unstreitig ist, wie wichtig es ist, Themen voraus zu planen. Diskutiert wurde allerdings, ob dies in dem von vielen Eventualitäten bestimmten Reporter-Alltag überhaupt umsetzbar sei. Aber: Die Schlechtorganisierten hatten in dem Streit das Nachsehen. Das lag daran, dass die Kollegen, die sich gut organisieren, auch damit argumentierten, dass das Wissen, welche Aufgaben man am jeweiligen Arbeitstag zu erledigen hat, die Zufriedenheit steigert sowie Stress und Überstunden reduziert.

Mal sehen, wie es nun weitergeht. Ich machte am Montag ein paar Vorschläge, was uns helfen könnte. In einer kleinen Arbeitsgruppe werden wir die nun nach den Ferien diskutieren. Das Ziel ist, möglichst alle Kollegen bei dieser Transformation mitzunehmen. Denn nur zufriedene Redakteure sind auch kreative Redakteure.

Zur Person

Joachim Braun (56) ist Chefredakteur der Ostfriesen-Zeitung, des General-Anzeigers und der Borkumer Zeitung. Davor leitete er die Redaktionen der Frankfurter Neuen Presse und des Nordbayerischen Kurier in Bayreuth. 2012 wurde er von einer Fachjury zu Deutschlands „Regional-Chefredakteur des Jahres“gewählt.

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