Energiekosten und Einsparungen  In einigen Turnhallen und Bädern wird die Temperatur sinken

Elke Wieking
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Von Elke Wieking
| 19.07.2022 15:44 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 16 Minuten
In einigen Gemeinden wird in öffentlichen Gebäuden künftig am Thermostat gedreht. Foto: Hauke-Christian Dittrich/DPA
In einigen Gemeinden wird in öffentlichen Gebäuden künftig am Thermostat gedreht. Foto: Hauke-Christian Dittrich/DPA
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Die Preise für Gas und Strom explodieren. Auch Gemeinden müssen Energiekosten für Liegenschaften, die ihnen gehören, zahlen. Diese Zeitung hat bei fünf Kommunen nachgefragt, wie es weiter geht.

Oberledingerland/Saterland/Barßel - Kommunen haben nicht nur Rathäuser für ihre Verwaltungen, sondern sie besitzen auch Schulen, Bäder, Museen, Wohnungen, Freizeiteinrichtungen und, und, und. Und alle diese kommunalen Liegenschaften müssen beheizt und beleuchtet werden. Das kostet Geld.

Wenn am Donnerstag die Gaspipeline Nord Stream 1 nicht wieder ans Netz geht, kann es in Deutschland eng werden. Gehen dann nachts die Lichter auf den Straßen aus? Werden die Duschen in den Turnhallen kalt? Sitzen Lehrer und Schüler in kalten, dunklen Klassenzimmern? Wie wollen die Gemeinden das in den Griff bekommen? Wie Kosten und Energie sparen? Das hat unsere Zeitung die Gemeinden Westoverledingen, Rhauderfehn, Ostrhauderfehn, Saterland und Barßel gefragt. Viele haben bereits ihre Straßenlampen aus LED umgerüstet, neue Heizungen eingebaut, Photovoltaikanlagen auf Dächern. Nun machen sie darüber Gedanken, die Temperatur der öffentlichen Duschen runter zu setzen. Rhauderfehns Bürgermeister Geert Müller aber warnt vor Legionellen, Bakterien, die krank machen können. Andere wollen mit Erdwärme ganz von den öffentlichen Versorgungsleitungen weg.

Westoverledingen

Die Gemeinde Westoverledingen hatte laut Landesamt für Statistik Ende vergangenen Jahres 21.539 Einwohner und ist 110 Quadratkilometer groß.

Zum Thema Energiekrise, -kosten und Mehrkosten sowie zu Einsparmöglichkeiten gab es von Gemeindesprecherin Kirsten Beening folgende Antworten.

Die Sprecherin der Gemeinde Westoverledingen, Kirsten Beening, zusammen mit dem Ersten Gemeinderat Rolf Hüser und Bürgermeister Theo Douwes. Archivfoto
Die Sprecherin der Gemeinde Westoverledingen, Kirsten Beening, zusammen mit dem Ersten Gemeinderat Rolf Hüser und Bürgermeister Theo Douwes. Archivfoto

Für wie viele Gebäude übernimmt die Gemeinde Westoverledingen die Energiekosten?

Der Gemeinde gehören zwölf Kitas und Krippen, sieben Schulen und sechs Turnhallen. Dazu kommen 52 Wohnungen, der Bauhof, das Klärwerk, das Rathaus, drei Büchereien, drei Museen, ein Ärztehaus, ein Lehrschwimmbecken, sieben Sportheime, eine Reithalle, 13 Feuerwehrhäuser, vier Begegnungsstätten, das Ensemble Ulenhoff und eine Leichenhalle. Die Wohnungsbau- und Entwicklungs GmbH Westoverledingen – eine hundertprozentige Tochter der Gemeinde – betreibt zudem ein Ärztehaus, ein Wohnhaus, einen Campingplatz in Grotegaste mit fünf Sanitärhäusern, ein Anmelde- und Freizeitgebäude sowie eine Dienstwohnung.

Die Gemeinde Westoverledingen ist Träger aller Grundschulen, hier wird die in Ihrhove gezeigt. Archivfoto
Die Gemeinde Westoverledingen ist Träger aller Grundschulen, hier wird die in Ihrhove gezeigt. Archivfoto

Wie viel Energiekosten musste Westoverledingen im vergangenen Jahr ausgegeben?

Die Kosten für Strom, Gas und Wasser beliefen sich im Jahr 2021 auf rund 627.700 Euro.

Wie viel Geld hat die Gemeinde in diesem Jahr für Strom und Gas im Haushalt stehen und mit wie viel Mehrkosten rechnet sie für dieses und eventuell auch für das Jahr 2023?

Bei einem groben Überschlag wurden 157.000 Euro Mehrkosten auf den Arbeitspreis beim Gas kalkuliert. Die Stromversorgung wurde für diese Jahr landkreisweit neu ausgeschrieben. Aufgrund eines günstigeren Arbeitspreises rechnet die Gemeinde nicht mit Mehrkosten.

Wie sieht es mit einem Plan aus, um künftig Kosten für Gas einzusparen?

Bei allen Neubauten wird der wirtschaftliche Einsatz von erneuerbaren Energien geprüft. Auf den Neubauten der Kinderkrippe Flachsmeer und dem Campusgebäude in Ihrhove werden die vorgesehenen Anlagen aufgrund der aktuellen Situation vergrößert. Zudem werden Luftwärmepumpen eingebaut.

Werden Solardächer auf öffentliche Gebäude gesetzt?

Gemeinsam mit der Politik wird die Verwaltung diese Thematik erörtern.

Gibt es bereits schon Solardächer auf öffentlichen Gebäuden?

Die Wohnungsbau- und Entwicklungs GmbH betreibt auf sieben Dächern der Gemeinde eine Photovoltaikanlage.

Wird eventuell auch daran gedacht, neue Heizungsanlagen oder Wärmepumpen einzubauen?

Das passiert bei den Neubauten.

Wie lange könnte die Umsetzung dauern?

Da noch keine politischen Entscheidungen getroffen wurden, ist nicht abzusehen, welche Maßnahmen in welchem Zeitraum erfolgen müssen.

Können Sie schon etwas zum Wasserpreis sagen: Wird er in diesem Jahr auch für die Verbraucher steigen und wenn, um wie viel auf welchen Preis pro Kubikmeter?

Das ist Sache der Wasserversorgungsverbände.

Wird die Gemeinde Energiekosten sparen, zum Beispiel, weil Straßenlampen kürzer brennen oder Sportler nach Hause zum Duschen geschickt werden?

Bisher wurden derartige Überlegungen nicht angestellt.

Die Energiekrise hat sich zugespitzt. Wie wird Westoverledingen darauf reagieren?

Konkrete, den aktuellen Entwicklungen angepasste Maßnahmen wurden noch nicht ergriffen. Alle Bürgermeister des Landkreises Leer stehen zum Thema Einschränkung der Beheizung der Turnhallen in engem Austausch. In Westoverledingen wird über eine Temperaturabsenkung in den Turnhallen und im Lehrschwimmbecken (Beckenwasser- und Schwimmhallen-Temperatur) nachgedacht.

Rhauderfehn

Die Gemeinde Rhauderfehn hat nach Angaben des Landesamtes für Statistik 18.341 Einwohner und ist 103 Quadratkilometer groß.

Diese Zeitung fragte Bürgermeister Geert Müller nach den Energiekosten, und wie Rhauderfehn auf die aktuelle Energiekrise reagieren kann und will.

Bürgermeister Geert Müller Archivfoto
Bürgermeister Geert Müller Archivfoto

Für wie viele Gebäude übernimmt die Gemeinde Rhauderfehn die Energiekosten?

Für ein Rathaus, einen Bauhof vier Kindergärten (Backemoor, Collinghorst, Hahnentange, Burlage), drei Kinderkrippen (Adlerfarn, Collinghorst, Hahnentange), fünf Grundschulen (Collinghorst, Rhaudermoor, Sundermannschule, Rajen und Langholt), acht Turnhallen (an den fünf Schulen und in Klostermoor, Burlage und Hahnentange), sieben Feuerwehrhäuser (Rhaudermoor, Westrhauderfehn, Rhaude, Holte, Klostermoor, Collinghorst und Burlage), eine Mühle, die Paddel- und Pedalstation, vier Jugendzentren (Collinghorst, Am Markt, Langholt und Klostermoor), drei Friedhofskapellen (Collinghorst, Hahnentange, Rhaudermoor), ein Seniorenhaus, zwei Obdachlosenwohnungen, ein Clubheim, ein alleinstehendes Dorfgemeinschaftshaus, ein leerstehendes Wohnhaus am Rhauder Mühlenweg, mehrere Marktanschlüsse, Brücken, Ampeln, Schleuse und Wendebecken.

Die Gemeinden sind auch Träger von Kitas. Unser Foto zeigt Kindergartenkinder aus Rhauderfehn bei einem Auftritt. Archivfoto
Die Gemeinden sind auch Träger von Kitas. Unser Foto zeigt Kindergartenkinder aus Rhauderfehn bei einem Auftritt. Archivfoto

Wie viel Energiekosten musste Rhauderfehn im vergangenen Jahr ausgeben, und wie viel Geld hat sie in diesem Jahr für Strom und Gas im Haushalt stehen beziehungsweise mit wie viel Mehrkosten rechnet sie für dieses und eventuell für das Jahr 2023?

2021 wurde für Strom allgemein 94.333 Euro ausgegeben und für die Straßenbeleuchtung 57.486 Euro. Für Gas waren es 92.447 Euro. Das macht zusammen 244.267 Euro. In diesem Jahr plant die Gemeinde mit erheblichen Mehrkosten von mehr als 163.000 Euro: Aktuell wird mit allgemeinen Stromkosten von 108.504 Euro gerecht, mit Kosten von 64.464 Euro für die Straßenbeleuchtung sowie für Gas mit 234.432 Euro (insgesamt: 407.400 Euro). (Nur für Objekte, für die die Gemeinde die Rechnungen erhält, ohne die Selbstzahler und Mietobjekte des Sozial- und Ordnungsamtes.) Allerdings schickt die EWE noch laufend Berichtigungen.

Wird daran gedacht, neue Heizanlagen oder Wärmepumpen einzubauen?

Die Kinderkrippe Collinghorst wird mit einer Wärmepumpe beheizt. Alternative Heizkonzepte werden von uns immer im Rahmen von Ersatzbeschaffungen von Heizungen oder Neubauten erwogen. Allerdings wurden viele Heizungsanlagen im Rahmen der Konjunkturpaketförderungen in den Jahren 2008 bis 2010 erneuert.

Wird die Gemeinde Energiekosten sparen, zum Beispiel, weil Straßenlampen kürzer brennen oder Sportler und Sportlerinnen zum Duschen nach Hause geschickt werden?

Grundsätzlich werden Angebote nicht komplett eingeschränkt. Allerdings haben wir mit den Hausmeistern vorbesprochen, dass wir zusammentragen wollen, welche Maßnahmen jeweils nach den technischen Gegebenheiten vor Ort möglich sind, um insbesondere Gas einzusparen. Wir trafen uns mit den Hausmeistern am 15. Juli und werden das dann grundsätzlich abstimmen. Die Technik vor Ort ist jeweils unterschiedlich. Neben dem Thema Einsparung von Gas ist zu beachten, dass weiterhin eine Legionellen-Vorsorge möglich bleiben muss. Dazu müssen gewisse Wassertemperaturen zumindest zeitweise erreicht werden. Als Zielsetzung kann man sicher sagen, dass die Temperatur zum Duschen in den Hallen so runtergefahren werden soll, dass noch geduscht wird, aber halt nicht so warm. Im Übrigen würden wir das warme Duschen ja nur in den privaten Bereich verlagern. Hinsichtlich der Umstellung auf LED-Straßenbeleuchtung sind wir bereits sehr weit fortgeschritten, so dass dort kaum zusätzliche Einspareffekte möglich sind.

Ostrhauderfehn

Die Gemeinde Ostrhauderfehn hat laut Landesamt für Statistik in Niedersachsen 11.458 Einwohner und ist 51 Quadratkilometer groß.

Diese Zeitung hat zum Thema Energiekrise, -kosten und Mehrkosten sowie über Einsparungsmöglichkeiten folgende Antworten von Bürgermeister Günter Harders bekommen.

Bürgermeister Günter Harders Archivfoto
Bürgermeister Günter Harders Archivfoto

Für wie viele Gebäude übernimmt die Gemeinde Ostrhauderfehn die Energiekosten?

Die Gemeinde Ostrhauderfehn ist zurzeit im Besitz von Kindergarten und Krippen – eine weitere wird an der Kapellenstraße errichtet – zwei Grundschulen mit Turnhallen, das Rathaus und das Touristik- und das Polizeigebäude. Hinzu kommen der Bauhof, ein Vereins- und Gemeindezentrum, ein Gulfhaus, ein Fehnhaus, eine Mühle, eine Obdachlosenunterkunft sowie einige Wohnungen, die vermietet oder wo Flüchtlinge untergebracht sind.

Kindergarten in Ostrhauderfehn Archivfoto
Kindergarten in Ostrhauderfehn Archivfoto

Wie hoch sind die gesamten Energiekosten, die Ostrhauderfehn 2021 gezahlt hat?

Die Stromkosten für die Straßenbeleuchtung beliefen sich auf 80.300 Euro und die Strom- und Gaskosten für die Gebäude auf 187.900 Euro. Die Beträge für Strom und Gas, die auf die Mietwohnungen entfallen, werden Ostrhauderfehn über die Nebenkostenabrechnung erstattet und sind abzuziehen. Die Aufschlüsselung jeder einzelnen Erstattung ist nicht möglich.

Wie viel Geld hat die Gemeinde in diesem Jahr für Strom und Gas im Haushalt stehen beziehungsweise, mit wie viel Mehrkosten rechnet sie für dieses Jahr und für 2023?

Der Ansatz 2022 für Strom- und Gaskosten für Gebäude und für die Straßenbeleuchtung beläuft sich auf 210.100 Euro. Bei der Berechnung des Ansatzes sind Zahlen aus dem Jahr 2020 zugrunde gelegt worden. Die Preissteigerungen werden für die nächsten Jahre berücksichtigt. Außerdem wird mit einer Kostenersparnis wegen der Umrüstung der Straßenbeleuchtung auf LED gerechnet.

Gibt es schon Solaranlagen auf öffentlichen Gebäuden?

2014 wurden Photovoltaikanlagen auf den Dächern des Rathauses, der Feuerwehr Ostrhauderfehn, der Kinderkrippe Wüppsteertjes und des Kindergartens Farbenland installiert.

Wird eventuell auch daran gedacht, neue Heizungen einzubauen, Wärmepumpen? Wie lange könnte die Umsetzung dauern?

Es wurde bereits auf effektive, energiesparende Lösungen gesetzt. In der Grundschule Holtermoor wurde ein Blockheizkraftwerk installiert, um die Schule, die Turnhalle und das Lehrschwimmbecken zu vernetzen. Zurzeit finden an weiteren Gebäuden Umbau- und Erneuerungsmaßnahmen statt, wobei energetische Anpassungen überprüft und umgesetzt werden. Dafür wurden Fördermittel, zum Beispiel Kfw-Mittel (staatliche Förderungen), beantragt. Beim Rathausumbau werden zwei Luft-/Wasser-Wärmepumpen installiert und die Beleuchtung auf LED umgerüstet. Beim Neubau der Kita an der Kapellenstraße wird keine Gasheizung installiert, sondern eine Wärmepumpe mit Erdsonden verbaut und das Dach mit einer Photovoltaikanlage bestückt. Außerdem wird beim Idasee ein neues Sanitärgebäude gebaut, die Duschen werden mit Solarenergie betrieben. Und auf dem Wohnmobilstellplatz am Rathaus wird ein Sanitärgebäude gebaut, das durch die Wärmepumpen des Rathauses mitversorgt wird. Bei den Grundschulen Ostrhauderfehn und Holtermoor sowie in den Kindertagesstätten werden Lüftungsanlagen verbaut. Das wird sich positiv auf die Heizkosten auswirken, weil nicht mehr über die Fenster gelüftet wird. Im Baugebiet „Am Mittelweg“ werden sogar keine Versorgungsleitungen für fossile Brennstoffe mehr verlegt.

Können Sie etwas zum Wasserpreis sagen? Was gibt die Gemeinde pro Jahr aus?

Die Gemeinde Ostrhauderfehn ist nicht für die Berechnung des Frischwasserpreises zuständig, sondern der Wasserversorgungsverband Overledingen in Rhauderfehn. An Frischwasser zahlt die Gemeinde rund 16.000 Euro pro Jahr.

Die Situation hat sich zugespitzt. Wie wird Ostrhauderfehn darauf reagieren?

In Ostrhauderfehn erfolgt, soweit noch nicht geschehen, eine Umrüstung der gesamten Straßenbeleuchtung auf LED. Dafür werden 1542 Leuchtköpfe ausgetauscht. Die Kosten liegen bei rund 460.000 Euro, von denen 35 Prozent durch die Zukunft-Umwelt-Gesellschaft (ZUG) gefördert werden. Es wurden vorher schon viele Gebäude mit LED-Beleuchtung ausgerüstet und mit modernen beziehungsweise neuen Heizungsanlagen (Luft-/Wärmepumpen). Vorgesehen ist aber eine Absenkung der Temperaturen in den Turnhallen. Wie weit man in anderen Bereichen die Raumtemperatur senken kann, wird zu gegebener Zeit entschieden. Und: Die Gemeinden Rhauderfehn, Ostrhauderfehn und die Samtgemeinde Jümme werden gemeinsam einen Klimaschutzmanager oder eine -managerin einstellen, um das Thema noch intensiver bearbeiten zu können.

Barßel

Die Gemeinde Barßel hat laut Landesamt für Statistik in Niedersachsen 13.301 Einwohner und ist 84 Quadratkilometer groß.

Diese Zeitung hat Bürgermeister Nils Anhuth nach den Energiekosten und mögliche Maßnahmen und Einsparungen in der aktuellen Energiekrise gefragt.

Bürgermeister Nils Anhuth Archivfoto
Bürgermeister Nils Anhuth Archivfoto

Für wie viele Gebäude übernimmt die Gemeinde Barßel die Energiekosten?

In der Gemeinde gibt es sechs Kindertagesstätten (fünf Kindergärten mit Krippengruppen und eine eigenständige Krippeneinrichtung), vier Grundschulen, die Integrierte Gesamtschule, ein Hallenbad, fünf Sporthallen, das Rathaus, den Bauhof, das Feuerwehrhaus, das Polizeigebäude, den Bootshafen, die Mühle und das Müllerhaus und das Blockheizkraftwerk am Schulzentrum sowie zwei weitere Liegenschaften. Die Kitas sind zwar in kirchlicher Trägerschaft, die Gemeinde übernimmt über den Defizitausgleich – rund 2,5 Millionen Euro im Haushaltsjahr 2022 – den Löwenanteil der Energiekosten.

Wird in der Gemeinde Barßel bereits Energie gespart?

In den vergangenen Jahren sind mehrere Maßnahmen umgesetzt worden. So ist zum Beispiel am Schulzentrum ein Blockheizkraftwerk installiert worden, das Hallenbad ist energetisch saniert und die Dreifeldsporthalle saniert und modernisiert worden. Eindrucksvoll ist die Entwicklung des Gasverbrauchs im Schulzentrum/Hallenbad: Dort ist der Bedarf von gut 2.000.000 kWh (Kilowattstunde, ein Kubikmeter sind zehn kWh) im Jahr 2012/2013 auf rund 1.200.000 kWh im Jahr 2018 gesunken. Auch der Stromverbrauch am Schulzentrum ist von 2011/2012 bis 2018 von gut 265.000 kWh auf rund 193.000 kWh gesenkt worden. Und nach der Sanierung der Junker-Harke-Grundschule in Harkebrügge sank der Gasverbrauch von gut 568.000 kWh (2010) auf unter 175.000 kWh (2018).

Wie viel Energiekosten wurden 2020 und 2021 ausgeben?

Dabei berücksichtige ich die Liegenschaften, die aus dem Gemeindehaushalt gezahlt werden. 2020 lagen die Stromkosten bei 116.500 Euro und Gas bei 137.400 Euro. Im Jahr 2021 lagen die Stromkosten bei 82.700 Euro und die Gaskosten bei 147.000 Euro. Für dieses Jahr stehen Stromkosten in Höhe von 137.900 Euro, Gaskosten in Höhe von 168.500 Euro sowie Kosten für die Straßenbeleuchtung über 54.000 Euro im Haushaltsentwurf.

Wie sparsam ist die Straßenbeleuchtung in Barßel?

2008 wurden bei der Straßenbeleuchtung 800 Stück Lampen mit Energiesparleuchten ausgerüstet und der Energieverbrauch wurde um etwa 50 Prozent reduziert. Gefördert durch das Bundesumweltministeriums wurden 2011 61 Lampen und 2021 354 Lampen auf LED umgerüstet. Seit 2010 werden neue und ausgetauschte Lampen nur noch mit LED –Technik beschafft. Inzwischen ist es möglich, mit 14 Watt Lampenleistung in Wohngebieten eine akzeptable Ausleuchtung zu erreichen. Insgesamt verfügt die Gemeinde über rund 2.200 Lampen, davon sind 1600 Stück LED-Lampen. Bei den anderen handelt es sich meistens um „Standard-Pilzleuchten“, die 2008 auf Energiesparbirnen umgerüstet wurden und daher schon als sparsam zu bezeichnen sind. Es wurde ausgerechnet, dass bei ihrer Umrüstung, sogar wenn sie gefördert würde, jährlich etwa 8.80 Euro eingespart würden. Weil sich das nicht amortisiert, bleiben sie in Betrieb, bis sie kaputt gehen. Über den Einsatz intelligenter Straßenbeleuchtung wird derzeit häufig berichtet. Dabei schaltet sich die Beleuchtung ein, wenn ein Fußgänger in den Bereich kommt. Ist niemand auf der Straße, wird abgeschaltet. Die Kosten für eine derartige Anlage sind jedoch sehr hoch, so dass eine Amortisation – die Deckung der Anschaffungskosten – nicht oder nur nach sehr langer Zeit erfolgt. Daher sieht die Gemeinde aktuell vom Einsatz dieser Technik ab. Die bisherigen Schaltzeiten (Sonntag bis Donnerstag von 5.30 Uhr bis 23 Uhr und Freitag und Sonnabend von 5.30 Uhr bis 0 Uhr) haben sich in Barßel bewährt.

Gibt es bereits Solardächer auf öffentlichen Gebäuden?

Auf den Dächern der IGS und von drei Grundschulen befinden sich Photovoltaik-Anlagen, die einen Ertrag von 224.178 kWh (2020) beziehungsweise 210.067 kWh (2021) gebracht haben. Auch der Verwaltungstrakt des neuen Rat- und Bürgerhauses wird mit einer Photovoltaikanlage ausgestattet, um Strom zu produzieren, und die Gebäude werden per Geothermie beheizt.

Können Sie schon etwas zum Wasserpreis sagen?

Sowohl für die Trinkwasser- als auch für die Abwasserversorgung ist der OOWV zuständig.

Die Energiekrise hat sich zugespitzt. Werden jetzt zum Beispiel Sportler zum Duschen nach Hause geschickt?

Aktuell ist nicht vorgesehen, die Warmwasserzufuhr der Duschen in den Sporthallen und des Hafen-Bades zu stoppen.

In Barßel gibt es ein Hallenbad. Unter dem Begriff „Wellenreiter“ haben die vier Kommunen Großefehn, Apen, Barßel und Wiesemoor (von links) Sven Lübbers, Nils Anhuth, Peter Rosendahl und Jens Erdwiens einen Ausbildungsbund für Fachangestellte für Bäderbetriebe. Archivfoto
In Barßel gibt es ein Hallenbad. Unter dem Begriff „Wellenreiter“ haben die vier Kommunen Großefehn, Apen, Barßel und Wiesemoor (von links) Sven Lübbers, Nils Anhuth, Peter Rosendahl und Jens Erdwiens einen Ausbildungsbund für Fachangestellte für Bäderbetriebe. Archivfoto

Bleiben künftig Heizungen im Rathaus und in den Grundschulen aus und die Gebäude dunkel?

Mit dem Energieverbrauch wird verantwortungsvoll umgegangen. Ein generelles Heizverbot oder der komplette Verzicht auf Beleuchtung sind momentan nicht angedacht.

Saterland

Die Gemeinde Saterland hat laut Landesamt für Statistik 13.301 Einwohner und ist 124 Quadratkilometer groß.

Diese Zeitung fragte Bürgermeister Thomas Otto nach den Energiekosten und wie Saterland auf die aktuelle Energiekrise reagieren kann und will.

Bürgermeister Thomas Otto Archivfoto
Bürgermeister Thomas Otto Archivfoto

Für wie viele Gebäude übernimmt die Gemeinde Saterland die Energiekosten?

Für zwei kommunale Kindertagesstätten in Ramsloh mit zwei Krippen, vier weitere in Trägerschaft der Kirche und für einen privaten, für vier Grundschulen in Strücklingen, Ramsloh, Scharrel und Sedelsberg, für das Schulzentrum in Ramsloh mit Haupt- und Realschule, für vier Sporthallen in den vier Ortsteilen, für ein Hallenbad, für zwei Feuerwehren in Ramsloh und Scharrel, für den Bauhof, für Gebäude am Hollener See und am Maiglöckchensee, für eine Obdachlosenunterkunft, die Mühle und das Mühlenhaus in Scharrel und für das Rathaus.

Wie viel Energiekosten musste Saterland für 2021 ausgegeben? Mit wie viel Mehrkosten rechnet sie in diesem Jahr?

2021 wendete die Gemeinde insgesamt Energiekosten für die Gebäude über 325.800 Euro auf (Strom 160.700 Euro, Gas 165.100 Euro).

Gibt es Ideen, Gas einzusparen oder davon wegzukommen?

Kurzfristig können nur weitere Verbesserungen der energetischen Effizienz durch Dämmung und neue Technik angeschoben werden. In Angriff kann mittelfristige die Umstellung der Heizanlagen auf alternative Brennstoffe oder, wo möglich, auch auf Wärmepumpenanlagen genommen werden.

Gibt es bereits Gebäude mit Solardächern und sind weitere geplant?

Das Rathaus ist mit einer Solaranlage ausgestattet. Für weitere Gebäude ist dies Ende 2021 in den Haushaltsberatungen politisch diskutiert und mit Beispielrechnungen unterfüttert worden.

Wird daran gedacht, neue Heizanlagen oder Wärmepumpen einzubauen?

Ja – wobei es im Schwimmbad bereits ein Blockheizkraftwerk gibt, über das in einem Wärmeverbund auch das Schulzentrum mit einer „Grundwärmelast“ versorgt wird. Hier gab es Gespräche und Vorarbeiten um neue, innovative Lösungsansätze zu verfolgen und die Beheizung der Schule in naher Zukunft ganz ohne fossile Brennstoffe zu realisieren.

Auch in Schulen kann es ungemütlich werden. Foto: Sebastian Gollnow/DPA
Auch in Schulen kann es ungemütlich werden. Foto: Sebastian Gollnow/DPA

Wie lange könnte das dauern?

Das ist aktuell durch Lieferengpässe und langwierige Planungs- und Genehmigungsprozesse schwer zu sagen. Realistisch gesehen, wird das mindestens zwei Jahre dauern. Wir befinden uns aber schon im Prozess.

Werden künftig Straßenlampen kürzer brennen oder Sportler zum Duschen nach Hause geschickt?

Die Lieferverträge der Gemeinde laufen zum Jahresende aus, so dass dann mit einer nicht unerheblichen Preissteigerung kalkuliert wird. Ob die Politik bei den Haushaltsberatungen für 2023 die Notwendigkeit sieht, solche Maßnahmen zu ergreifen, vermag ich nicht abzuschätzen.

Könnten Sie schon etwas zum Thema Wasser sagen?

In der Gemeinde Saterland erfolgt die Trinkwasserversorgung durch den Oldenburgisch-Ostfriesischen Wasserverband (OOWV). Diesem gehört auch das Abwassernetz und die Kläranlage, so dass die Preise beziehungsweise die Gebühren durch den OOWV kalkuliert werden. Angesichts der aktuellen Investitionen in die Technik der Kläranlage Scharrel und die erhöhten Energiepreise ist zu vermuten, dass nur durch weitere Gebührenerhöhungen die Kosten gedeckt werden können.

Was gibt die Gemeinde bisher pro Jahr aus?

Für Trinkwasser und die Abwasserbeseitigung wurden 2021 insgesamt rund 33.000 Euro gezahlt.

Die Energiekrise hat sich zugespitzt. Wie wird Saterland darauf reagieren?

Die Politik hat die Verwaltung beauftragt, Zahlen über eine mögliche Absenkung der Wassertemperatur im Hallenbad zusammenzustellen. Eine Entscheidung, ob Anpassungen vorgenommen werden, ist damit noch nicht verbunden. Über weitere Ad-hoc-„Sparmaßnahmen“ wurde noch nicht debattiert. Ein Teil der Straßenbeleuchtung und die Beleuchtung in den Sporthallen und Schulen wurden bereits auf energieeffiziente Technik umgestellt. Auch im Hallenbad soll das Blockheizkraftwerk mit effizienterer Technik ausgestattet werden. Im vergangenen Herbst wurden Probeberechnungen für weitere kommunale Solaranlagen erstellt, es ist geplant, mehrere kommunale Gebäude energetisch zu sanieren. Auch die Sanierung des A-Traktes am Schulzentrum (Dach und Fenster) wird kommen. Ebenso gilt das Gebot des sparsamen Umgangs mit den finanziellen Mitteln. Man muss eventuell schauen, welche Dinge notwendig sind, und welche man sich bisher „on top“ geleistet hat, und ob der politische Wille besteht, diese weiterhin anzubieten oder Angebote etwas zurückzufahren.

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