Innenstadt der Zukunft  Ideen und Wünsche der Leeraner sind gefragt

Katja Mielcarek
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Von Katja Mielcarek
| 19.07.2022 13:03 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Was der Anreisende nach Verlassen des Bahnhofs zu sehen bekommt, sind wahrlich nicht die Schmuckstücke von Leer. Wo er die finden kann, zeigen Wegweiser. Reicht das? Das ist ein Thema, das in den Workshops diskutiert werden soll. Foto: Wolters
Was der Anreisende nach Verlassen des Bahnhofs zu sehen bekommt, sind wahrlich nicht die Schmuckstücke von Leer. Wo er die finden kann, zeigen Wegweiser. Reicht das? Das ist ein Thema, das in den Workshops diskutiert werden soll. Foto: Wolters
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In Leer sind die Bürger aufgerufen, ihre Ideen und Wünsche für die Innenstadt der Zukunft einzubringen. Statt Fördergelder nur zu verbauen, geht die Stadt einen anderen Weg.

Leer - Es gibt viele Experten, die sich mit der Gestaltung der Leeraner Innenstadt beschäftigen: Verkehrsexperten, Wohnexperten, Finanzexperten, Einzelhandelsexperten. „Aber die wahren Fachleute sind die Leeraner selbst, die Menschen, die hier leben“, sagt Bürgermeister Claus-Peter Horst (parteilos). Deshalb sollen sie ein gehöriges Wort dabei mitsprechen, wenn es darum geht, Pläne für die Zukunft der Innenstadt zu entwickeln. Möglich macht das das Förderprogramm Perspektive Innenstadt. Mit ihm helfen die EU und das Land Niedersachsen den Kommunen dabei, die Corona-Folgen für die Orts- und Stadtzentren abzumildern.

Was und warum

Darum geht es: Ähnlich wie vor gut zehn Jahren bei der Planungswerkstatt Innenstadt sind die Bürger aufgerufen, sich bei der Gestaltung der Innenstadt einzubringen.

Vor allem interessant für: alle, die Ideen und Wünsche für die Innenstadt der Zukunft haben

Deshalb berichten wir: In der vergangenen Woche war eine Auftaktveranstaltung.

Die Autorin erreichen Sie unter: k.mielcarek@zgo.de

Leer setzt die knapp 900.000 Euro, die es aus dem Programm bekommt, vor allem für den Umbau der Ledastraße ein. Ein Teil fließt aber auch in die Fortschreibung des Innenstadtkonzeptes. Das war das Ergebnis der Planungswerkstatt Innenstadt, an der sich rund 170 Bürger beteiligt hatten. Ihre Fortschreibung soll folgendermaßen ablaufen: Im Herbst gibt es Workshops zu vier Themenschwerpunkten. In ihnen sollen bis März 2023 kurz-, mittel- und langfristige Maßnahmen erarbeitet werden, mit denen die Innenstadt attraktiver wird, mehr Menschen angelockt werden, das Klima entlastet und der veränderten Mobilität Rechnung getragen wird. Je nach finanzieller Lage und Entscheidung der Politik, können die Vorschläge in Zukunft umgesetzt werden. Folgende Workshops soll es geben:

Umgestaltung Ernst-Reuter-Platz

Der Ernst-Reuter-Platz ist ein zentraler Platz und dank seiner Lage direkt am Hafen ein besonders attraktiver, der sein Potenzial derzeit aber nicht voll ausschöpft. In dem Workshop wird es darum gehen, wie er optimiert werden kann. Wie und von wem soll er in Zukunft genutzt werden?

Beste Aussicht für Autos: Ob der Parkplatz direkt am Wasser auf dem Ernst-Reuter-Platz bleiben soll oder sich mit der Fläche etwas anderes machen ließe, wird Stoff für Diskussionen bieten. Foto: Nording/Archiv
Beste Aussicht für Autos: Ob der Parkplatz direkt am Wasser auf dem Ernst-Reuter-Platz bleiben soll oder sich mit der Fläche etwas anderes machen ließe, wird Stoff für Diskussionen bieten. Foto: Nording/Archiv

Sollen die Parkplätze erhalten bleiben? Was könnte statt dessen dort installiert werden? Braucht es mehr Grün? Wie kann der Spielplatz aufgewertet werden? Wie sollen sich die verschiedenen Nutzungen über den Platz verteilen? Bleibt der Wochenmarkt oder wäre ein anderer Platz besser? Dies sind nur einige Fragen, die sich rund um Leers potenzielles Schmuckstück anbieten.

Fußläufige Verbindungen in der Innenstadt

Angedacht ist hier, dass vom Bahnhof aus versucht wird, unter verschiedenen Bedingungen unterschiedliche Ziele zu Fuß zu erreichen. Was erlebt jemand, der unter Zeitdruck durch die Stadt hastet? Wie ergeht es einem Menschen mit Rollator oder Rollstuhl?

Und wie können sich Touristen zurechtfinden, die keine Ortskenntnisse haben, aber vor allem die schönen Seiten von Leer erleben wollen? Ein anderer Aspekt ist die Verbindung von der Fußgängerzone zur Altstadt. Soll es weiterhin Autoverkehr in der Brunnenstraße geben? Wie kann die Situation für Radfahrer und Fußgänger verbessert werden und wie die Aufenthaltsqualität?

Digitalisierung

Die Digitalisierung kann eine wichtige Rolle bei der Entwicklung der Innenstadt spielen: Macht eine Leer-App Sinn? Was müsste sie bieten? Wie können die touristischen, gastronomischen und Shopping-Angebote sinnvoll gemeinsam dargestellt werden?

Ergibt es überhaupt Sinn, sie gemeinsam zu präsentieren? Welche Sehenswürdigkeiten müssen digital erreichbar sein – und wie geht das? Welche Informationen braucht es für die An- und Weiterreise und die Bewegung vor Ort?

Leitbild 2032

Mit einem Leitbild gibt sich eine Stadt ein Ziel, in welche Richtung sie sich entwickeln will. Braucht Leer ein solches Ziel? Welches könnte das sein? „Gemeinsam wollen wir unsere liebens- und lebenswerte Stadt noch attraktiver gestalten. Erlebnisshoppen, interaktive und digitale Angebote und vieles mehr, was zu einer Steigerung der Aufenthaltsqualität und zur Attraktivitäts- und Frequenzsteigerung führt, wollen wir gemeinsam diskutieren und herausfinden, womit wir Leeraner uns identifizieren können“, fasst Bürgermeister Horst die Arbeit in den Workshops zusammen.

Beim zuständigen Landesministerium für Bundes- und Europaangelegenheiten und Regionale Entwicklung kämen die Leeraner Pläne gut an, berichtet Horst, der jüngst mit Ministerin Birgit Honé gesprochen hatte. „Sie ist begeistert, dass wir das Geld nicht einfach in Bauprojekte investieren, sondern in die Zukunft denken.“

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