Digital total  Nicht alles Neue ist immer gut

Fabian Scherschel
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Eine Kolumne von Fabian Scherschel
| 19.07.2022 09:17 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 2 Minuten
Fabian Scherschel
Fabian Scherschel
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Der Autor wirft in seiner Kolumne einen Blick auf technologische Entwicklungen und ihre Schwachstellen. Außerdem erklärt er, warum die Produkte großer Firmen viele kleine Innovationen verdrängen.

Ich erhalte immer wieder Zuschriften zu dieser Kolumne, in denen sich Leser überrascht darüber zeigen, dass ich neue technologische Entwicklungen oft überraschend negativ betrachte. Zum einen liegt das wohl daran, dass ich jetzt bereits seit vielen Jahren über IT-Sicherheit und Datenschutz schreibe. Und bei diesen Themen ist man zwangsläufig mit den Schwächen und dunklen Seiten der Digitaltechnik konfrontiert.

Aber auch schon bevor ich Journalist wurde, ging ich mit offenen Augen durch die Welt der IT und habe vor allem im Linux- und Open-Source-Bereich immer wieder gesehen, wie eigentlich bessere technische Lösungen, die von Freiwilligen sozusagen im Ehrenamt entwickelt wurden, von Produkten von Firmen verdrängt wurden.

Von Produkten, die zum Teil viel schlechter für den Endbenutzer waren und das nur, weil die Firma mehr Geld in PR stecken konnte, um der Öffentlichkeit vorzugaukeln, ihr Produkt sei besser und das der Open-Source-Entwickler irgendwie fragwürdig. Microsoft, zum Beispiel, hat sich so zu einer der reichsten Firmen der Welt gemogelt. Wenn man jahrelang so etwas beobachtet und darüber berichtet, sollte das bei jedem einigermaßen kritisch denkenden Menschen Spuren hinterlassen.

Aber im Endeffekt ist es einfach auch so, dass nicht immer alles, was neu ist, auch gleich gut oder sogar besser ist. Menschen, die neuer Technik skeptisch gegenüberstehen, sind nicht immer gleich dumme Hinterwäldler. Manchmal haben sie auch gute Gründe für ihre Vorsicht.

Ich versuche eigentlich, diese Gründe in jeder Kolumne zu einem solchen Thema sorgfältig zu erläutern. Was nicht heißen soll, dass jeder Leser am Ende mit mir übereinstimmen muss oder gar soll. Ganz im Gegenteil. Journalismus lebt von der Pluralität von Meinungen und stirbt ohne sie einen qualvollen Tod. Aber ich hoffe inständig, dass meine Meinung wenigstens so gut in Worte gefasst war, dass man sie nicht missversteht.

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