Immer wachsam bleiben  Schwimmflügel für Kinder ersetzen nicht die Aufsichtspflicht

Mona Hanssen
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Von Mona Hanssen
| 18.07.2022 15:04 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Wenn man Schwimmflügel unterstützend einsetzt, können sie nützlich sein. Im Emder Van-Ameren-Bad finden derzeit Schwimmkurse für Kinder damit statt. Bademeisterin und Schwimmlehrerin Inge Lübben gibt den Ton an. Foto: Hanssen
Wenn man Schwimmflügel unterstützend einsetzt, können sie nützlich sein. Im Emder Van-Ameren-Bad finden derzeit Schwimmkurse für Kinder damit statt. Bademeisterin und Schwimmlehrerin Inge Lübben gibt den Ton an. Foto: Hanssen
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Wenn die Temperaturen steigen, zieht es Familien an die Gewässer. Schwimmflügel lassen Eltern dabei in falscher Sicherheit wiegen. Wir haben Tipps für den entspannten Badeausflug gesammelt.

Ostfriesland - Im vergangenen Jahr sind deutschlandweit 17 Kinder im Alter von null bis zehn ertrunken. Jedes Kind ist eins zu viel. Deswegen rät Benjamin Buserath, Sprecher der Deutschen Lebensrettungs-Gesellschaft (DLRG) in Ostfriesland, ganz klar: „Die oberste Regel ist, dass die Augen immer bei den Kindern sind.“ Eine halbe Sekunde reiche aus, damit das Unglück passiert, sagt er zugespitzt.

Was und warum

Darum geht es: den sicheren Badeausflug mit Kindern

Vor allem interessant für: Eltern, Großeltern und andere, die mit Kindern gerne schwimmen gehen

Deshalb berichten wir: Die Temperaturen steigen, viele gehen ins Freibad oder an den Strand. Uns war selbst aufgefallen, dass teilweise Kinder unbeobachtet mit Schwimmflügeln oder -ring im Wasser waren. Darauf haben wir Experten angesprochen, die klar warnen.

Die Autorin erreichen Sie unter: m.hanssen@zgo.de

„Leider stellen wir auch immer wieder fest, dass Eltern nicht hinschauen und sich mit dem Handy beschäftigen“, sagt er. Trägt das Kind Schwimmflügel in einem seichten Becken, würden sich die Eltern oftmals in Sicherheit wiegen. Beides aber sei keine Garantie dafür, dass das Kind nicht ertrinken könnte, warnt Buserath. Dazu erklärt er auch, dass Kinder meist lautlos und ohne Vorwarnung ertrinken. Sie gehen einfach unter.

Strömung zieht Kinder leicht unter Wasser mit

Im Freibad lassen sie sich dann vielleicht noch entdecken und retten. Im teilweise trüben Freigewässer ist das schon deutlich schwieriger. In der Nordsee etwa ist die Sichtweite fast bei null. Und: „Bei leichter Strömung sind die Kinder innerhalb von Sekunden meterweit abgetrieben“, sagt Buserath. Eine Rettung kommt deswegen oft zu spät. Die Ertrinkungs-Gefahr sei allgegenwärtig. Erst in dieser Woche hatte es einen Badetoten in Bremen gegeben.

Aus seiner täglichen Arbeit bestätigt auch Norbert Dinkla, dass immer mehr Eltern ihre Kinder „eben kurz“ aus den Augen lassen. Er ist Bademeister im Emder Van-Ameren-Bad. Erst ab zehn Jahren dürfen Mädchen und Jungen ohne Begleitung eines Erwachsenen in das Freibad, bei Jüngeren gilt, dass Eltern oder andere erwachsene Begleiter die Hauptverantwortung für die Sicherheit der Kinder tragen. „Ich habe erst wieder beim Kinderfest im Bad die Tage zwei Kinder entdeckt, die nicht schwimmen konnten und ohne Schwimmhilfe brusthoch im Wasser standen“, sagt er. Eine elterliche Aufsicht war zunächst nicht zu finden, auch nach Ansprache der Kinder. Zwei Mütter hätten mit Handy und Zigarette in der Hand auf Abstand gestanden, stellte sich dann heraus.

Wenn Schwimmflügel zur Unterstützung, dann die richtigen

Am besten sei es natürlich, wenn die Kinder früh schwimmen lernten. Eine Faustregel sei für ihn: „Wenn sie auf dem Fahrrad fahren können, können sie auch schwimmen lernen“, so Norbert Dinkla. Dann sei die Motorik schon weit genug ausgereift. Seine Tochter etwa habe mit drei Jahren beides gekonnt. „Eine Faustregel ist, dass Kinder ab fünf Jahren es lernen können“, sagt er. Dennoch sollte man den Nachwuchs dann nicht aus den Augen lassen, rät Benjamin Buserath. Schnell sind die Kräfte überschätzt, das Becken doch größer als gedacht.

Als erste Unterstützung für das Schwimmtraining seien Schwimmflügel am geeignetesten, sagt Dinkla. „Kinder können sie sich nicht so leicht abstreifen“, sagt er. Aus einem Schwimmring können sie unten durchrutschen. Schwimmflügel gebe es schon für Säuglinge, erklärt Benjamin Buserath. Man sollte genau schauen, wie alt und schwer das eigene Kind sei und entsprechend die Flügel auswählen. Sonst könnten die Schwimmhilfen von den vielleicht zu dünnen Armen rutschen oder ein doch zu großes, schweres Kind untergehen.

Beim Kinder-Schwimmkurs am Freitag tummelten sich zahlreiche Mädchen und Jungen mit den Gummi-Flügeln und Poolnudeln im kleinen wie großen Becken. Die Leitung hatte Schwimmlehrerin Inge Lübben. Die Kurse über die Ferien waren schnell voll geworden: ein gutes Zeichen. Nach der Corona-Pause, in der Schwimmunterricht kaum stattfinden konnte, haben viele Kinder Nachholbedarf.

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