Unfallschwerpunkte in der Region  Auf der Bundesstraße 438 kracht es am häufigsten

Astrid Fertig und Horst Kruse
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Von Astrid Fertig und Horst Kruse
| 17.07.2022 18:17 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Acht Verletzte hatte es bei einem Verkehrsunfall gegeben, der sich im Juni auf der Bundesstraße 438 in Wittensand ereignet hatte. Die Straße gilt als Unfallhäufungsstelle. Hier verteilen Einsatzkräfte der Feuerwehr verteilen nach Ölbindemittel auf der Kreuzung. Archivfoto: Loger
Acht Verletzte hatte es bei einem Verkehrsunfall gegeben, der sich im Juni auf der Bundesstraße 438 in Wittensand ereignet hatte. Die Straße gilt als Unfallhäufungsstelle. Hier verteilen Einsatzkräfte der Feuerwehr verteilen nach Ölbindemittel auf der Kreuzung. Archivfoto: Loger
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Das Landesamt für Statistik hat eine interaktive Karte von Niedersachsen erstellt. Darauf kann sich jeder angucken, wo in seiner Region die meisten Unfälle passieren.

Region – Im Frühjahr veröffentlicht jede Polizeiinspektion die Unfallstatistik für ihren Zuständigkeitsbereich. Nun gibt es eine aktualisierte Auswertung für das gesamte Bundesland. Insgesamt sind im vergangenen Jahr in Niedersachsen 352 Menschen bei Verkehrsunfällen gestorben. Das sind 18 weniger als 2020. Wer genau wissen möchte, wo im Straßenverkehr im eigenen Wohnort Menschen verletzt oder tödlich verunglückt sind, kann dies nun im Internet nachsehen. Das Landesamt für Statistik Niedersachsen hat die Anwendung „Unfallatlas“ im Internet aktualisiert.

Eine Strecke in der Region, wo es am häufigsten kracht, ist die Bundesstraße 438 im Verlauf zwischen Wittensand, Ostrhauderfehn und Rhauderfehn. 22 Unfälle mit Personenschaden sind dort für 2021 dokumentiert, davon 13 im Bereich Rhauderfehn, sechs in Ostrhauderfehn und drei auf Saterländer Gebiet. Die im Unfallatlas erfassten Daten stammen den Angaben zufolge aus der Verkehrsunfallstatistik. Nutzer können sich über die Zahl der Unfälle nach Straßenabschnitten sowie einzelnen Unfallstellen informieren - und aussuchen, ob alle Unfälle, etwa mit Autos oder Fahrrädern, angezeigt werden.

Räumlich gegliederter Überblick

„Der Unfallatlas bietet einen räumlich tief gegliederten Überblick über die Zahl der Unfälle mit Personenschaden nach Straßenabschnitten sowie nach einzelnen Unfallstellen. Nutzende können selbst auswählen, ob alle oder nur Unfälle mit Beteiligung bestimmter Verkehrsmittel angezeigt werden sollen. Zu jedem Unfall sind Zusatzinformationen verfügbar. Es wird angezeigt, ob es sich um einen Unfall mit Verkehrstoten, Schwer- oder Leichtverletzten gehandelt hat“, teilte das Landesamt für Statistik mit.

Die Statistik diene dem Zweck, zuverlässige, umfassende, aktuelle und vergleichbare Daten zur Verkehrssicherheitslage zu gewinnen. Die Ergebnisse zum Unfallgeschehen bieten eine Grundlage für verschiedene Maßnahmen im Bereich der Gesetzgebung, der Verkehrserziehung, des Straßenbaus oder der Fahrzeugtechnik.

Hauptnutzer sind Behörden

Hauptnutzer der Statistik seien die Ministerien des Bundes und der Länder, die Bundesanstalt für Straßenwesen, Polizei und Gemeinden, Straßenbaubehörden, die Fahrzeugindustrie und die Versicherungswirtschaft, Justizbehörden sowie Forschungseinrichtungen, die sich mit dem Thema Verkehr und Verkehrssicherheit beschäftigen. Aber auch Automobilklubs, Interessenvertretungen und Medien nutzen die Ergebnisse der niedersächsischen Straßenverkehrsunfallstatistik.

Jürgen Kuhlmann, Leiter des Polizeikommissariats in Friesoythe, erläutert stellvertretend, wie die Polizei die Statistik nutzt und analysiert. Man müsse stets darauf achten, dass man nicht dramatisiere, so der Erste Polizeihauptkommissar. Wenn man auf der interaktiven Landkarte des Landesamts für Statistik den Nordkreis Cloppenburg betrachte, der Zuständigkeitsbereich des Friesoyther Kommissariats ist, stelle man fest, dass die Region kein Schwerpunktgebiet für Verkehrsunfälle sei. Allenfalls innerorts Bösel gebe es eine gewisse Häufung, so Kuhlmann. Um die Situation zu entzerren, werde dort aktuell ein Kreisverkehr eingerichtet.

Schauplätze tödlicher Unfälle werden analysiert

2021 ereigneten sich im Nordkreis Cloppenburg 529 Verkehrsunfälle, so Kuhlmann. Davon verliefen vier tödlich, es gab dabei 41 Schwerverletzte und 146 Leichtverletzte. Im Jahr zuvor waren es, vermutlich wegen des Corona-Lockdowns, deutlich weniger Verletzte gewesen: Sechs Verkehrstote gab es 2020, 19 Schwerverletzte und 102 Leichtverletzte. Gravierender war die Unfallstatistik 2019 ausgefallen, im letzten Jahr vor der Pandemie: Fünf Menschen waren bei Unfällen gestorben, 30 schwer und 179 leicht verletzt worden. Zum Vergleich: Im Landkreis Leer passierten 2021 insgesamt 3802 Unfälle, davon sechs mit tödlichem Ausgang.

Der Sachbearbeiter Verkehr, der auch der Unfallkommission angehöre, analysiere nach jedem tödlichen Unfall dessen Ursache, erläutert der Kommissariatsleiter. Als Unfallhäufungsstelle oder -schwerpunkt werde ein Knotenpunkt oder eine Strecke definiert, auf der sich im Jahr drei oder mehr Unfälle von gleicher Art zugetragen haben. Als Strecke gelte eine Länge von 500 Metern.

Entschärfung durch Verkehrslenkung

Die jährlich tagende Unfallkommission, die sich aus Vertretern der Polizei, der Kommunen als Straßenbaulastträgern, und der Verkehrs- und Straßenbaubehörden zusammensetzt, betrachteten alle Orte, die Schauplatz eines tödlichen Unfalls geworden oder ein Unfallschwerpunkt seien, darauf hin, was man dort für Maßnahmen zur Entschärfung der Verkehrssituation treffen könne, erläutert Kuhlmann.

So sei etwa der Kreisverkehr Grüner Hof in Friesoythe, wo sich auch das Polizeikommissariat befinde, ein Unfallschwerpunkt gewesen. Immer wieder hätten sich dort etliche Radfahrer entgegen der Fahrtrichtung eingefädelt. Nun seien Vorfahrtszeichen aufgestellt worden und Markierungen auf der Fahrbahn angebracht, um die Verkehrsteilnehmer besser zu leiten. An einem anderen Kreisel im Stadtgebiet, wo es vermehrt Unfälle gab wegen Tempoverstößen, bremse jetzt ein Stopschild die Verkehrsteilnehmer aus.

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