Personalie der Zentralklinik Chef der Zentralklinik geht vorzeitig in den Ruhestand
Claus Eppmann, Chef der Trägergesellschaft für die Kliniken Aurich-Emden-Norden, gibt seinen Job eher als geplant auf. Die Suche nach einem Nachfolger hat schon begonnen.
Aurich - Die Trägergesellschaft der Kliniken Aurich-Emden-Norden muss sich einen neuen Geschäftsführer suchen: Claus Eppmann hat überraschend um die Auflösung seines Vertrags gebeten. Der 62-Jährige möchte ein Jahr eher als geplant Ende 2022 in den Ruhestand gehen. Das hat er am Freitag Landrat Olaf Meinen (parteilos) während einer Aufsichtsratssitzung mitgeteilt und für seine Entscheidung persönliche Gründe angeführt.
Aurichs Landrat ist Aufsichtsratsvorsitzender der Trägergesellschaft. „Herr Eppmann hat entscheidenden Anteil daran, dass die Errichtung unseres Zentralklinikums nun endlich konkret wird und der für das kommende Jahr geplante Baustart in greifbare Nähe rückt. Daher sind wir ihm für die geleistete Arbeit und den damit verbundenen Einsatz sehr dankbar und bedauern seine nachvollziehbare Entscheidung.“ Mit diesen Worten hat Olaf Meinen in einer Pressemitteilung die Verdienste des scheidenden Geschäftsführers gewürdigt. Tim Kruithoff, Emdens Oberbürgermeister und stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender, schloss sich dieser Einschätzung an.
Hohe Zuschüsse eingeworben
Johannes Kleen (Wiesmoor), SPD-Fraktionschef im Auricher Kreistag und Mitglied im Aufsichtsrat der Trägergesellschaft, sagte auf Nachfrage: „Claus Eppmann hat das Zentralklinikum trotz zwischenzeitlich erheblicher Widerstände entwickelt und er hat mit seiner erfolgreichen Arbeit am Ende auch dafür gesorgt, dass außergewöhnlich hohe Zuschüsse für das Projekt bewilligt worden sind. Das ist, was er hinterlässt. Das ist ein sehr großer Verdienst von ihm.“
Erst vor Kurzem hatte die Trägergesellschaft eine üppige Förderzusage des Landes Niedersachsen für die Zentralklinik in Südbrookmerland erhalten: Das Land bezuschusst das Projekt für den Landkreis Aurich und die Stadt Emden mit 460 Millionen Euro, was rund 80 Prozent der geplanten Baukosten entspricht. „Wir sind dem Land Niedersachsen – unterstützt durch den Strukturfonds des Bundes – sehr dankbar, dass es dieses großartige Projekt mit einer derartig hohen Förderquote unterstützen will“, ließ sich Eppmann seinerzeit zitieren. Er sei „stolz auf das gesamte Klinikteam“, das es trotz Corona-Pandemie geschafft habe, ein 814-Betten-Haus detailliert zu planen.
Auch Sven Behrens (Aurich), CDU-Fraktionschef im Auricher Kreistag und ebenfalls im Aufsichtsrat, sagte: „Ich weiß, wie schwer Claus Eppmann dieser Schritt gefallen ist, auch weil er sich mit Herzblut für die Verwirklichung der Zentralklinik eingesetzt und dieses Ziel verfolgt hat. Für das, was er erreicht hat, für den überaus erfolgreichen Förderantrag und auch für seinen jetzigen Schritt, kann ich ihm nur Respekt und Anerkennung zollen.“
Zweimal öffentlich unter Druck
Zwischenzeitlich unter Druck und öffentlich in die Kritik geriet Eppmann Anfang vorigen Jahres: Seinerzeit hatte er sich gegen das Corona-Virus vorzeitig impfen lassen – weit vor vielen Pflegern und Ärzten, die in direktem Kontakt mit Erkrankten im Einsatz waren. Und dies, obwohl er zu diesem Zeitpunkt laut der Impfverordnung dafür noch nicht berechtigt gewesen war. Als Geschäftsführer der Kliniken habe Eppmann eine Vorbildfunktion. Dieser sei er offenkundig nicht gerecht geworden, stellten Meinen und Kruithoff seinerzeit fest. Es wurde sogar ein externer Gutachter eingeschaltet, der herausfinden und einschätzen sollte, ob Eppmann Vorteilsnahme vorzuwerfen sein könnte. Der Klinik-Geschäftsführer wurde im folgenden Gutachten entlastet. Er selbst hatte argumentiert, der Impfstoff hätte zeitnah verbraucht werden müssen, da man ihn sonst hätte entsorgen müssen.
Ein Jahr zuvor hatten zudem Vorwürfe der klinik-kritischen GfE-Fraktion im Emder Stadtrat für Aufsehen gesorgt. Deren Mitglieder hatten behauptet, Eppmann sei im Beirat einer Personalberatungsfirma in Köln tätig, die Fachkräfte für Kliniken vermittle, und hatten einen Interessenkonflikt sowie den Verdacht von Vorteilsnahme in den Raum gestellt. Eppmann war von Meinen und Kruithoff ein Ultimatum gesetzt worden sich zu erklären – und er wies die Vorwürfe zurück. Er habe nie während seiner Zeit als Geschäftsführer der Trägergesellschaft Geschäftsverbindungen zu der Firma unterhalten, noch habe er Geld von ihr bekommen. Meinen und Kruithoff warfen seinerzeit der GfE-Fraktion vor, Eppmanns Ruf beschädigen zu wollen. Der Geschäftsführer wurde vom Aufsichtsrat damals komplett entlastet.
Suche nach einem Nachfolger läuft
Kleen setzte hinzu, Eppmann habe sich auch der „anspruchsvollen Herausforderung“ gestellt, die drei Klinikstandorte in Aurich, Emden und Norden unter einem Dach zusammenzuführen. „Er hat oft zwischen allen Stühlen gesessen“, so Kleen. „Zu tun bleibt sicherlich auch einiges. Da bleiben auch weitere große Herausforderungen für den Nachfolger“, so der Wiesmoorer.
Olaf Meinen und Tim Kruithoff betonten, dass aus ihrer Sicht jetzt ein guter Zeitpunkt sei für den personellen Wechsel an der Spitze der Trägergesellschaft. In den weiteren Planungsschritten gehe es nämlich um die Ausgestaltung der künftigen Klinikstrukturen. Man habe sich mit Hilfe einer Personalberatung bereits auf die Suche nach einer Nachfolgerin oder einem Nachfolger gemacht. Erste Auswahlgespräche sind für den Herbst vorgesehen.
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