Fremdenverkehr im Rheiderland Bett & Bike ist nicht nur in Weener eine Marktlücke
Viele Fahrradtouristen, die auf der Internationalen Dollardroute unterwegs sind, würden gerne in Weener übernachten. Doch für die meisten ist die Stadt nur Durchgangsstation – zwangsläufig.
Rheiderland - Dass Weener bei Touristen beliebt ist, ist nicht zu übersehen: Am Alten Hafen stehen die Wohnmobile dicht an dicht, und das nicht nur an sonnigen Sommertagen. Der idyllische Blick aufs Wasser lockt zwar auch viele Fahrradtouristen an, dennoch ist Weener für die meisten nur eine Durchgangsstation. Zwangsläufig. Denn seitdem das Hotel am Rathaus in Weener und das Hotel „Knotenpunkt“ in Möhlenwarf geschlossen haben, sind Unterkünfte – insbesondere solche für eine Nacht – Mangelware.
Was und warum
Darum geht es: Weener ist bei Touristen sehr beliebt. Es fehlt aber an Unterkünften – insbesondere für eine Nacht.
Vor allem interessant für: Menschen, die sich für die Stadtentwicklung von Weener interessieren.
Deshalb berichten wir: In den vergangenen Jahren haben viele Hotels und Pensionen im Rheiderland geschlossen. Wie ist es um Übernachtungsmöglichkeiten bestellt? Die Autorin erreichen Sie unter: t.gettkowski@zgo.de
Wie viele Unterkünfte es im Stadtgebiet genau gibt, konnte Bürgermeister Heiko Abbas, der gleichzeitig Geschäftsführer der Hafen und Tourismus GmbH ist, nicht sagen. „Die Anzahl der Unterkünfte wird nicht zentral durch die Stadt Weener erfasst“, erklärt er. „Es gibt aber bei allen Gästegruppen eine große Nachfrage“, so Abbas. Das gelte sowohl für Unterkünfte für eine Nacht für Tagestouristen als auch für größere Gruppen von Busreiseveranstaltern. „Insofern würden sicherlich alle möglichen Übernachtungsangebote weiterer Anbieter auf große Resonanz stoßen.“
Hausboot-Idee wird weiter verfolgt
Die Verwaltung selbst hatte angeregt, im Hafen von Weener Liegeplätze für Hausboote zu schaffen. Die Idee hatte besonders bei Hafenanrainern zu heftigen Diskussionen geführt. „Die Thematik soll im Bauausschuss im Herbst wieder aufgegriffen werden“, so der Bürgermeister. Eines steht aber schon jetzt fest: Im Alten Hafen sollen keine modernen Hausboote liegen. Dieser Bereich soll den Traditionsschiffen vorbehalten bleiben.
„Vielleicht nicht gerade 20, aber fünf bis sechs solcher Hausboote könnten für Weener eine Attraktion sein“, sagt Kurt Radtke, Geschäftsführer beim Feriengebiet Südliches Ostfriesland. Aber auch für Ferienwohnungen, Fremdenzimmer und Pensionen sieht er in Weener einen Bedarf. Viele Urlauber, die gerne in Weener übernachten würden, wandern zwangsläufig nach Leer und Papenburg ab. „Für Weener ist das schade. Ideal wäre es, wenn es wieder ein Hotel gäbe, aber hierfür einen Investor und Betreiber zu finden, ist in der heutigen Zeit schwierig“, so Radtke.
Bed & Bike-Quartiere
Tanja und Sebastian Adloff vermieten bereits seit 14 Jahren Ferienwohnungen in Weener, unter anderem am Hafen. In den Sommermonaten sind ihre Quartiere fast vollständig ausgebucht. Für nur für eine Nacht bekommt man hier allerdings keine Unterkunft. „Wegen des Aufwands bieten wir Übernachtungen erst ab zwei oder drei Nächten an“, sagt Tanja Adloff. Sie sieht in Weener durchaus Bedarf an weiteren Urlauber-Quartieren. „Neben einem Hotel und einer Pension fehlt es aber auch an gastronomischen Betrieben.“
Das Gästehaus am Deich ist die einzige noch verbliebene Pension in Weener. „Wir bieten Bett & Bike an, Zimmer für eine Nacht mit Frühstück für Fahrradtouristen“, erzählt der Betreiber Johann Remmers. Acht Zimmer gibt es im Gästehaus. „Wir sind über den Sommer einigermaßen gut ausgebucht.“ Ein kleines Hotel könnte Weener seiner Ansicht nach gut vertragen.
Angebot in Bunde ist ausbaufähig
Die anderen beiden Rheiderland-Kommunen Bunde und Jemgum sind touristisch etwas besser aufgestellt. „Wir haben insgesamt 179 Unterkünfte, davon sind 121 Ferienwohnungen, 55 Ferienhäuser, eine Pension, ein Hotel und ein Gruppenhaus“, zählt der Jemgumer Bürgermeister Hans-Peter Heikens auf. Insgesamt gebe es 116 Vermieter von Unterkünften. „Was die kurzfristigen Übernachtungsmöglichkeiten betrifft, beispielsweise für Fahrradtouristen, wäre es wünschenswert, dass wir in unserer Gemeinde hier entsprechende Unterkünfte hätten, beispielsweise Tiny-Häuser“, so Heikens. Nicht ohne Grund hat die Gemeinde beispielsweise bei den weiteren Planungen für das Ziegeleigelände Reins einen entsprechenden Bereich unmittelbar an der Dollard Route vorgesehen. „Gerade der Fahrradtourismus hat in den beiden Corona-Jahren doch erheblich zugenommen, dem müssen auch wir als Tourismusgemeinde Rechnung tragen.“
Mit 30.000 Übernachtungen im Jahr 2021 sieht Bürgermeister Uwe Sap die Gemeinde zwar gut aufgestellt. „Was die Unterkünfte angeht, ist das touristische Angebot ausbaufähig“, so Sap. Eine genaue Zahl an Ferienwohnungen und Fremdenzimmern nannte er nicht. In Bunde gibt es mit dem Lindenhof im Gewerbegebiet Bunde-West immerhin noch ein Hotel. Das Haus des Gastes in Ditzumerverlaat steht aktuell für Jugend- und Kirchenfreizeiten und für Fahrradtouristen nicht zur Verfügung, weil dort Flüchtlinge untergebracht sind. „Vor allem für Fahrradtouristen könnten wir noch Unterkünfte gebrauchen.“