Hamburg  Das sind zehn beliebte genderneutrale Vornamen

Laura Wolfert
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Von Laura Wolfert
| 13.07.2022 11:41 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Rosa steht für Mädchen, Blau für Jungs: Kinder werden von Geburt an Genderstereotype zugeschrieben. Unisexnamen könnten das ändern. Foto: Tim Bish / Unsplash (Symbolbild).
Rosa steht für Mädchen, Blau für Jungs: Kinder werden von Geburt an Genderstereotype zugeschrieben. Unisexnamen könnten das ändern. Foto: Tim Bish / Unsplash (Symbolbild).
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Damit Kinder sich von Geburt an frei entfalten können, wählen einige Eltern genderneutrale Namen. Sie sind weder eindeutig dem männlichen, noch dem weiblichen Geschlecht zugeordnet. Welche sind am beliebtesten? Ein Namensforscher klärt auf.

In den vergangenen Jahren hat sich viel rund um das Thema Geschlechteridentität getan. Seit 2018 gibt es in Deutschland ein staatlich anerkanntes drittes Geschlecht: Menschen, die sich weder dem weiblichen noch männlichen Geschlecht zugeordnet fühlen, dürfen sich „divers“ in ihren Reisepass eintragen lassen (§ 22 Abs. 3 PStG). Seitdem finden sich in vielen Stellenausschreibungen von Firmen neben „m“ oder „w“ für männliche oder weibliche Bewerber, auch das „d“ für divers. 

Außerdem: Laut des aktuellen Koalitionsvertrags wollen SPD, Grüne und FDP das Transsexuellen-Gesetz (TSG) durch das Selbstbestimmungsgesetz ablösen. Damit soll transsexuellen Menschen unter anderem vereinfacht werden, ihr rechtliches Geschlecht und ihren Vornamen ändern zu lassen.

Viele denken dennoch eher in männlichen oder weiblichen Kategorien. Das fängt bei der Namenswahl des Kindes an: Wird es ein Junge oder ein Mädchen? Damit das Baby sich von Geburt an frei entfalten kann – fernab von Genderklischees oder gesellschaftlichen Erwartungen – wählen einige Eltern daher geschlechtsneutrale Namen.

Gibt es eine Liste der beliebtesten, geschlechtsneutralen Namen? Nein, weiß der deutsche Namensforscher Knud Bielefeld. Im Interview erklärt er, warum das so ist.

Frage: Herr Bielefeld, ich habe Sie in nach den beliebtesten geschlechtsneutralen Namen gefragt. Sie meinten, es sei schwierig diese herauszusuchen – warum?

Antwort: Die Frage ist, wie man Unisexnamen definiert. Es gibt einige Namen, die offensichtlich geschlechtsneutral sind, Luca zum Beispiel. Das ist vor allem ein Jungenname, es gibt aber auch sehr viele Mädchen, die so heißen. Bei Robin ist das genauso.

Antwort: Dann gibt es Elisa, das ist einer der beliebtesten Mädchennamen. Der ist theoretisch auch für Jungs geeignet, weil das der Name eines männlichen Propheten aus der Bibel ist. Als Unisexname kommt der aber nicht in Deutschland vor.

Antwort: Deswegen ist das Problem bei so einer Hitliste: Würde ich den Namen Elisa als geschlechtsneutral einstufen? Ganz viele Namen in Deutschland scheinen Geschlechts-eindeutig zu sein, in anderen Ländern aber nicht. Ich sehe mich daher nicht in der Lage, eine seriöse Hitliste der häufigsten Unisexnamen zu erstellen.

Frage: Gibt es trotzdem bestimmte Kriterien, an die man sich halten kann? Der Name Elisa lässt sich doch aufgrund des männlichen Propheten und der Beliebtheit bei Mädchennamen als geschlechtsneutral einordnen und in der Hitliste rechtfertigen. 

Antwort: Dann müsste ich alle Vornamen überprüfen, zumindest alle, die einigermaßen häufig vorkommen. Ich müsste jeden Namen durchgehen, der nach diversen Kriterien geschlechtsneutral sein könnte. Sie haben aber vielleicht andere Kriterien als ich. Deswegen ist das schwierig.

Frage: Sollten sich Eltern für einen geschlechtsneutralen Vornamen entscheiden? 

Antwort: Beim Pro- und Contra zu Unisexnamen bin ich hin- und hergerissen. Bei Luca Schmidt weiß beispielsweise keiner: Ist das ein Mann oder eine Frau? Das könnte eine kleine Hürde im Alltag sein. Ich habe auch schon mit zwei Frauen gesprochen, die Luca heißen. Die sind total genervt davon, standardmäßig als Mann angesprochen zu werden. Die eine hat einen zweiten Vornamen, den setzt sie bei Mails sehr gerne ein.

Antwort: Es gibt aber auch Vorteile. Wenn man sich beispielsweise mit einem weiblichen Vornamen bewirbt, kann es sein, dass man schneller aussortiert wird. Dieses Schubladendenken lässt sich mit einem geschlechtsneutralen Namen vermeiden. So könnte man teilweise der Geschlechterdiskriminierung ausweichen.

Frage: Der erste Vorname Unisex, der zweite Vorname geschlechterspezifisch: Wäre das ein Kompromiss?

Antwort: Lange Zeit war es in Deutschland sogar vorgeschrieben, zu einem geschlechtsneutralen Namen einen geschlechterspezifischen hinzuzufügen. Das ist mittlerweile nicht mehr so. Ich finde aber, das wäre eine gute Idee. Ein Angebot für eine Hitliste habe ich noch. Das sind die beliebtesten Vornamen, die zu mindestens drei Prozent vom anderen Geschlecht geführt werden, Erhebungszeitraum 2020 bis jetzt:

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