Interview mit BSV-Trainer Kickers-Coach Stefan Emmerling hofft endlich auf Ruhe
Laut Stefan Emmerling sollte das Sportliche wieder in den Mittelpunkt rücken. Im Interview äußert er sich über Enttäuschungen, Kommunikation und seine eigene Zukunft.
Emden - Die sportlich positiven Schlagzeilen sind beim Fußball-Regionalliga-Aufsteiger Kickers Emden in den letzten Wochen in den Hintergrund getreten. Die Verpflichtung eines möglichen Sportdirektors Daniel Franziskus war das bestimmende Thema. Trainer Stefan Emmerling äußert sich ausführlich und möchte die Diskussionen endlich beenden.
Nach dem Aufstieg ist bei Kickers Emden statt Euphorie große Unruhe im Umfeld. Wie beurteilen Sie die Situation?
Emmerling: Da wurden bei uns im Verein in den letzten Wochen sicher einige Fehler gemacht. Wir haben drei Jahre sehr vertrauensvoll zusammengearbeitet. Daher fand ich es schon sehr überraschend, dass ich in die Verpflichtung eines neuen Mitarbeiters im sportlichen Bereich nicht einbezogen wurde.
Wie konnte sich die Situation dann in den letzten Wochen so hochschaukeln?
Emmerling: Ich denke, es war fehlende Kommunikation. Gerüchte bezüglich einer Verpflichtung eines Sportdirektors gab es schon länger. Nach Rücksprache wurde mir dann mitgeteilt, dass diese Person für den Nachwuchs vorgesehen ist. Da war das Thema für mich erledigt. Bis zu dem Zeitpunkt, als mich Daniel Franziskus angerufen hat, dass er Sportdirektor werden soll. Dann habe ich ihm die Tür geöffnet, dass wir uns nach meinem Urlaub zusammensetzen und die Aufgabenbereiche absprechen. Anschließend hat er sich aber über verschiedene Kanäle als Sportdirektor vorgestellt, bevor der Verein irgendetwas verkündet hat. Wenn ich jemandem eine Tür öffne, erwarte ich, dass man sich an Absprachen hält. Da dies nicht geschehen ist, wurde die Tür geschlossen.
Ist es nach diesen Geschehnissen noch möglich, vertrauensvoll mit dem Vorstand zusammenzuarbeiten?
Emmerling: Zum einen ist man natürlich riesig enttäuscht. Ich finde schon, dass es wichtig gewesen wäre, mich als Cheftrainer zumindest in die Gespräche mit einzubinden. Zum anderen bin ich aber auch jemand, der weiß, dass in dem Geschäft Fehler dazugehören. Und die muss man dann gemeinsam ausbügeln. Ich bin nicht nachtragend. Dann setzt man sich an einen Tisch, räumt die Dinge aus, um dann wieder in die richtige Richtung zu marschieren. Ich möchte, dass wir nach dem Aufstieg hier eine Euphorie entfachen und uns wahnsinnig auf die neue Saison mit dem Auftakt gegen Flensburg freuen. Es geht hier nicht um einzelne Personen, sondern nur um den Verein BSV Kickers Emden. Und schon gar nicht geht es um Personen, die noch nie für den Verein gearbeitet haben.
Wie hat die Mannschaft die personellen Diskussionen aufgenommen?
Emmerling: Die Mannschaft, der Trainerstab, der Staff, der Vorstand, der Wirtschaftsbeirat und unsere Fans haben den Wunsch, dass endlich wieder Ruhe einkehrt. Und man sich auf das vorbereitet, was man sich so hart erarbeitet hat – nämlich den sensationellen Aufstieg in die Regionalliga Nord.
Haben Sie mit dem Gedanken gespielt, hinzuschmeißen und zurückzutreten?
Emmerling: Nein, überhaupt nicht. Das war niemals ein Thema für mich. Ich stehe gegenüber dem Verein, der Mannschaft, den Neuzugängen und den Fans in einer Verantwortung. Für mich ist klar, da muss wieder eine Entspanntheit, eine Ruhe her. Dann können wir auch die Euphorie nach dem Aufstieg mit in die Saison nehmen.
Ziel ist, die Euphorie mitzunehmen: Wie kann sich Kickers Emden in der Regionalliga einordnen?
Emmerling: Ich traue unserer Mannschaft zu, dass sie wieder überraschen kann. In den letzten drei Jahren haben wir das hervorragend gemacht. Wir müssen wieder die Kickers-Tugenden zeigen: einen unfassbaren Teamgeist, eine Körperlichkeit, hohe Laufbereitschaft, ein ekeliges Spiel und das Ganze gepaart mit guten Fußballern. Um ganz sicher zu gehen, falls es einen Absteiger aus der 3. Liga geben sollte, müssten wir 14. werden. Das traue ich uns in jedem Falle zu, weil die Spieler schon mehrfach gezeigt haben, dass sie sich steigern können. Viele Spieler haben es ja aus der Bezirksliga bis in die Regionalliga geschafft.
Vom Aufstiegskader haben Marvin Eilerts, Alagie Jabbie, Milad Faqiryar und Ayo Adeniran die Verträge noch nicht verlängert, wie ist der Stand?
Emmerling: Es sieht gut aus, ich gehe davon aus, dass sie bleiben werden.
Auf welchen Positionen suchen Sie noch Verstärkungen?
Emmerling: Wir suchen noch auf vier Positionen: Innenverteidiger-Bereich, die rechte Außenbahn, im zentralen Mittelfeld und auf der Stürmerposition. Eine Sicherheit gibt es nicht, aber ich hoffe, dass wir in Kürze Vollzug melden können. Dann muss das Stadion gegen Weiche Flensburg zum Auftakt beben.
Also gehen Sie fest davon aus, dass Sie die ersten Spiele – trotz der Platzsanierung - wie geplant im Ostfrieslandstadion austragen können?
Emmerling: Davon gehe ich momentan aus. Ich weiß, dass noch viele Gespräche mit der Stadt, dem Stadtsportbund und dem Landessportbund geführt werden müssen, da sich ja einiges geändert hat. Aber da hat sich ja unser 1. Vorsitzender Dr. Jörg Winter schon ausführlich dazu geäußert.
Noch eine Abschlussfrage: Ihr Vertrag bei Kickers läuft nach dieser Saison aus. Können Sie sich vorstellen, noch länger in Emden zu bleiben?
Emmerling: Zu Vertragsangelegenheiten äußere ich mich grundsätzlich nicht. Klar ist, dass ich mich beim BSV Kickers Emden sehr wohl fühle und sehr gerne noch länger hier arbeiten möchte. Ich habe ja hier ein Haus gekauft und plane fest, noch länger hierzubleiben. Ich habe letztendlich die Unruhe nicht zu verantworten. Und ganz ehrlich, ich bin ja schon sehr lange im Geschäft: Ich habe schon Schlimmeres erlebt.
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