Sylt So war die kirchliche Trauung von Christian Lindner und Franca Lehfeldt
Die Promi-Sause auf Sylt erreicht ihren Höhepunkt: Nach Standesamt und Polterabend haben sich Christian Lindner und Franca Lehfeldt am Samstag in der St. Severin-Kirche das Ja-Wort geben. Mit dabei waren zahlreiche prominente Gäste.
Der Wettergott war den frisch Vermählten gnädig: Die ersten Regentropfen fielen erst, als Bundesfinanzminister Christian Lindner und die Journalistin Franca Lehfeldt am frühen Samstagabend nach ihrer kirchlichen Trauung in der St. Severin-Kirche in einem Porsche-Oldtimer davongefahren waren. Entgegen der vorherigen Prognosen, war es tagsüber zwar frisch und zeitweise stürmisch, aber trocken geblieben.
Vor den Augen der deutschen Polit-Elite hatten der FDP-Chef und Lehfeldt, die als Politik-Reporterin für den Nachrichtensender Welt arbeitet, nach ihrer standesamtlichen Hochzeit jetzt auch kirchlich geheiratet. Unter den Gästen waren am Samstag unter anderen Bundeskanzler Olaf Scholz mit seiner Ehefrau, Brandenburgs Bildungsministerin Britta Ernst (beide SPD). CDU-Chef Friedrich Merz kam gemeinsam mit seiner Frau Charlotte - beide waren bereits am Vorabend bei ihrer Ankunft mit einem Privatflieger gesichtet worden. Auch Bundestagsvizepräsident Wolfgang Kubicki (FDP), Nordrhein-Westfalens ehemaliger Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) und Journalist Stefan Aust waren unter den Gästen.
Rund um die Kirche galt daher am Samstag ein gigantisches Sicherheits-Konzept: Journalisten und Schaulustige wurden schon mehr als zwei Stunden vor Beginn der Trauung auf die andere Straßenseite gegenüber der Kirche verbannt. Ein leitender LKA-Beamter mit Glatze hatte den wartenden Journalisten und Fotografen die Regeln des Tages erklärt: „Alle bleiben auf dem Gehweg und wenn einer sich daneben benimmt, ist hier für alle Schluss!“ Die Straße dürfe demnach nicht betreten werden.
Nach rund anderthalb Stunden trat Lehfeldt nach der Trauung in einem rückenfreien Kleid mit langer Schleppe und weit geschlitztem Beinausschnitt, das im Nacken von einer Schleife zusammen gehalten wurde, aus einem Seiteneingang der Kirche. Lindner (FDP) folgte - er trug einen dunkelblauen Anzug und eine silberfarbene Krawatte mit einer weißen Rose im Knopfloch. Auf einen öffentlich sichtbaren Kuss wartete die Menge vergeblich. Auf Fotos lässt sich allerdings erahnen, dass sich die beiden - verdeckt von ihren Gästen - geküsst haben.
Mit Champagner-Gläsern in der Hand hatten die Hochzeits-Gäste nach der Hochzeit mehr als eine halbe Stunde im kühlen Wind gestanden, um dem Brautpaar zu gratulieren. Einige waren durchgefroren früher gegangen - unter ihnen Laschet.
Vor der Zeremonie hatten sich die beiden den zeitweise hunderten Schaulustigen sowie ungezählten Journalisten, Fotografen und Kamerateams nur kurz gezeigt, bevor sie in der Kirche verschwanden. Christian Lindner war vor seiner Braut in einem schwarzen BMW direkt vor die Kirche gefahren worden. Lehfeldt folgte rund 40 Minuten später - gemeinsam mit ihrem Vater fuhr sie im Porsche Cabrio vor, während die Glocken der Kirche läuteten.
Die frischen Temperaturen störten Heidi (74) aus Bochum zunächst nicht: „Die Gelegenheit muss ich nutzen“, sagte die 74-Jährige, die vor der Kirche ausharrte und zum Anlass passend ganz in rosa gekleidet war. Sie mache gerade auf Sylt Urlaub und warte jetzt auf Braut und Bräutigam. Das sahen Claudia und Peter Wangler sowie Heidemarie Kolodziej ähnlich: „Wir wollen hier mal gucken“, sagte Wrangler. Sie und ihr Mann stammen aus Magdeburg, in Wenningstedt haben sie seit mehr als 30 Jahren eine Wohnung. Sicher sind sie sich am Nachmittag nicht, ob sie einen Blick auf das Brautpaar werfen können. Neugierde und Sonne halten sie aber am Platz.
Mit einem spontanen Auftritt hatte TV-Total Moderator und Kabarettist Sebastian Pufpaff mittags Fans mit T-Shirts, Bier und Fähnchen begeistert und Schabernack mit wartenden Journalisten getrieben. Vor laufender Kamera seines Teams versuchte er von Fernseh-Kollegen weitere Details zur großen Hochzeit zu erfragen. „Für euch wäre es doch schön gewesen, wenn hier so ein Bierwagen aufgebaut worden wäre. Ich sehr hier viele vertrocknete Gesichter“, sagt der Moderator.
Unter den Hochzeits-Beobachtern gab es auch kritische Stimmen: „Das ist aufwändig und dekadent und in diese Zeit passt das nicht“, sagte Barbara aus Westerland, die sich selbst als alterslos bezeichnet. Den Aufwand, der hier für die Hochzeit betrieben und mit „unseren Steuergeldern finanziert wird“, findet sie nicht ok. Scharfschützen und Sicherheitsmaßnahmen wären ihrer Meinung nach nicht nötig gewesen. „Sylt ist der falsche Ort dafür - für eine Politiker-Hochzeit in diesem Ausmaß.“ Was Lindner privat mit seinem Geld mache und wie er feiere, sei ihr egal, sagte die Frau, die ursprünglich aus der Nähe von Hannover stammt.
Dass das prominente Paar seine Hochzeitspläne auf die Nordseeinsel publik machte und dann trotz des gigantischen Medieninteresses nur für wenige Sekunden und aus der Ferne für Journalisten und Fotografen präsent war, bemängelten einige. Hinzu kamen die langen Wartzeiten sowie die vorherige Geheimhaltung der genauen Uhrzeit für die Zeremonien.
Kritik wurde auch in den sozialen Medien laut: Lindner und Lehfeldt sind beide nicht Mitglied der evangelischen Kirche. Üblich ist es auch in der Nordkirche, dass zumindest einer der beiden Partner Mitglied in der evangelischen Kirche sein muss. Allerdings hat die Synode im November 2020 beschlossen, „ein Kasualgottesdienst kann auch gefeiert werden, wenn Menschen, die nicht Kirchenmitglieder sind, danach fragen“.
Nach standesamtlicher Trauung am Donnerstag und Polterabend am Freitag beschäftigte die Hochzeit des Bundesfinanzministers und seiner Frau die Beamten am Samstag weiter. Am Freitagabend - dem Polterabend des Paares - hatte die Polizei gegen eine Gruppe von rund 40 Punks einen Platzverweis ausgesprochen, wie ein Polizeisprecher sagte. Diese waren gegen 22 Uhr vor dem Severin‘s Hotel aufgetaucht, in dem Lindner, seine Frau und die Hochzeitsgäste feierten. Mindestens vier von ihnen hatten es nach eigenen Angaben schon fast bis zum Hotel geschafft, bis sie von der Polizei einen Platzverweis erhielten: Sie mussten Keitum verlassen und machten sich samt ihrem mitgebrachten Einkaufswagen auch auf den Weg dorfauswärts.
So war bereits am Morgen eine nicht genehmigte Drohne über der Kirche gesichtet worden, in der Lindner am Nachmittag heiraten sollte. Der Besitzer konnte aber nicht gefunden werden. Rund um die Kirche waren den Angaben des Sprechers zufolge auch Sprengstoffspürhunde der Polizei im Einsatz. Wie viele Polizisten für die Hochzeit im Einsatz sind, wollte der Sprecher nicht sagen.
Am Abend feiert das Brautpaar mit seinen rund 140 Gästen im Kult-Restaurant Sansibar in Rantum. Das Lokal war streng bewacht und für die Öffentlichkeit abgeschirmt. Auf den Rettungsschwimmer-Türmen am Strand saßen Polizisten mit Ferngläsern. Vor der Küste war am Abend die „Bad Düben“ unterwegs, ein Patrouillenboot der Bundespolizei. Sie verfügt über zwei schwere Maschinengewehre und ein Geschütz und hat auch einen Hubschrauberlandeplatz.