Historisches Instrument  Eine national bedeutsame Orgel erklingt in Mitling-Mark

Geertje Wehry
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Von Geertje Wehry
| 10.07.2022 12:09 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Organist Jens Korporal spielt bereits seit 38 Jahren in Mitling-Mark - nun freut er sich über neue Möglichkeiten. Foto: Wehry
Organist Jens Korporal spielt bereits seit 38 Jahren in Mitling-Mark - nun freut er sich über neue Möglichkeiten. Foto: Wehry
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Die rund 120 Mitglieder starke Kirchengemeinde hat sich dafür eingesetzt, dass das Instrument restauriert wird. Nun ist es auch regelmäßig zu hören.

Mitling-Mark - Als Jens Korporal hinter der Orgel in der evangelisch-reformierten Kirche in Mitling-Mark Platz nimmt, zieht er die Schuhe aus. Und während er „Nun danket alle Gott“ auf dem Instrument von 1860 spielt, bewegen sich nicht nur seine Finger schnell über die Manualklaviatur, sondern gleiten seine Füße flugs über die Pedale. Der Klang der Orgel erfüllt die Kirche.

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Die Orgel in Mitling-Mark
07.07.2022

„Wie kaputt die Orgel war, habe ich erst gar nicht verstanden“, sagt Pastorin Bianca Spekker. Seit 38 Jahren spielt Organist Korporal auf dem von Brond de Grave Winter aus Leer gebauten Instrument. Er wusste um die Besonderheiten. „Mein Mann hat sich hier mal blutige Hände geholt, als er auf der Orgel spielte“, erinnert sich Spekker. Und auch bei anderen Organisten seien manchmal Misstöne aufgefallen. „Viele der Schäden sind mir erst aufgefallen, als wir mit einem Fotografen die Orgel sehr genau angeschaut haben“, sagt sie. Andere Besonderheiten, wie die Prospektpfeifen, die im Ersten Weltkrieg ausgetauscht wurden, um aus ihnen Munition zu fertigen, seien offensichtlicher gewesen.

An der Manualklaviatur hatten sich vor der Restaurierung Teile gelöst. Nun lässt sie sich wieder entspannt bespielen. Foto: Wehry
An der Manualklaviatur hatten sich vor der Restaurierung Teile gelöst. Nun lässt sie sich wieder entspannt bespielen. Foto: Wehry

98 000 Euro für die Restaurierung

Für die Orgel und damit auch die Kirchengemeinde sei es ein großes Glück gewesen, dass das Instrument nie ganz renoviert wurde. „Aus heutiger Sicht ist das gut, denn so konnte sie richtig gut restauriert werden“, sagt Spekker. Die Mitglieder der Kirchengemeinde hatten bereits über Jahre Geld gesammelt, um ihre Orgel wieder in neuem Glanz erstrahlen zu lassen. „Man konnte hier sehen, dass, so klein die Gemeinde auch ist, sie mit ganz viel Herzblut dabei ist, sich für die Restaurierung einzusetzen“, so Spekker. Patenschaften für einzelne Pfeifen, Mettwürste-Verkauf zugunsten des Instruments oder aber die Kollekten von Hochzeiten, Taufen und anderen Gelegenheiten sorgten für ein beachtliches Budget. „Es kamen rund 15 000 Euro zusammen“, erinnert sich die Pastorin. Eine Menge Geld, doch nicht genug für die Reparatur.

Wer die Kirche in Mitling-Mark betritt, sieht als erstes die Orgel von 1860. Foto: Wehry
Wer die Kirche in Mitling-Mark betritt, sieht als erstes die Orgel von 1860. Foto: Wehry

„Dann haben wir uns schlau gemacht und erst begriffen, was für einen Schatz wir hier haben“, sagt sie. Insgesamt gibt es nur noch drei Orgeln von de Grave Winter. Schnell wurde der Arbeitsgruppe gesagt: Wenn Fördermittel fließen sollen, dann muss die Orgel nicht nur repariert, sondern auch richtig restauriert werden. Inzwischen wurde sie zu einer national wichtigen Orgel erklärt. „Das hat uns bei einigen Stiftungen geholfen“, sagt die Pastorin. 98 000 Euro kostete die Restaurierung letztendlich. Gefördert wurde dies unter anderem mit 10 500 Euro von der Raiffeisenbank Flachsmeer. Auch die EWE-Stiftung und die Doornkaat-Stiftung unterstützten die Kirchengemeinde. 45 000 Euro gab es aus einem Programm des Bundes zur Sanierung und Modernisierung national bedeutsamer Orgeln. 2019 war es schließlich so weit und Orgelbauer Harm Kirschner restaurierte. Die feierliche Einweihung wurde aufgrund von Corona verschoben.

Ehrfurcht vor dem Instrument

Vor wenigen Wochen gab es schließlich ein Orgelfest. „Wir haben unter anderem extra für die Kinder eine Orgelandacht gefeiert“, sagt Pastorin Spekker. Dafür konnte Jens Korporal die ganze Bandbreite des Instruments aufzeigen. Der Organist freut sich noch immer sehr über die Restaurierung. „Ich habe schon immer gern auf dieser Orgel gespielt. Es war quasi Liebe auf den ersten Blick. Doch nun habe ich ganz andere Möglichkeiten“, sagt er.

Das will man jetzt auch in der Kirchengemeinde nutzen. Die Orgel soll nicht nur zu Gottesdiensten erklingen. „Wir sind in der Planung, was eine ganz neuartige Erlebnis-Konzert-Reihe angeht. Wahrscheinlich gibt es die ersten Veranstaltungen schon 2023“, sagt Andreas Damke, Mitglied des Kirchenrats. Zudem wolle man die Ehrfurcht vor der großen Orgel nehmen. „Wir wollen zeigen, dass das Instrument nicht in der Zeit stehen geblieben ist, sondern sehr lebendig ist“, sagt er. Dazu passt, dass die Orgel und der Orgelbau seit 2017 von der UNESCO als immaterielles Kulturerbe der Menschheit anerkannt wurden. An der Orgel in Mitling-Mark werden sich in Zukunft dank des Einsatzes der Gemeindemitglieder noch viele Menschen erfreuen.

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