Erinnerungen an die Badeanstalt  „Das Fehntjer Freibad war wunderschön“

| | 31.07.2021 12:21 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
•Viel Los war auch an diesem Tag im Jahr 1974.
•Viel Los war auch an diesem Tag im Jahr 1974.
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Margrit Esders erinnert sich an Sommer am Langholter Meer. 50 Jahre lang hat sie dort geschwommen. Doch dann war leider Schluss.

Langholt - Die Natur hat das Areal am Langholter Meer in den vergangenen elf Jahren längst zurückerobert. Dennoch ist das einstige Freibad, dass unzähligen Menschen in der Region 50 Sommer lang eine Abkühlung verschafft hat, unvergessen. „Das war wunderschön“, sagt Margrit Esders. Ihr Mann Burghard war dort jahrelang Schwimmmeister, sie hat den Kiosk betrieben und war bis zum Schluss begeisterte Frühschwimmerin.

Das Freibad Langholter Meer 1959 vor der Eröffnung.
Das Freibad Langholter Meer 1959 vor der Eröffnung.

„Es lag mitten in der Natur, ringsherum war nichts“, schwärmt sie noch heute von der 1959 eröffneten Anlage. Der GA berichtete vom Eröffnungstag über ein „Tag der Freude für vier Gemeinden“ und 14 Grad kühles Wasser. Vor der Gebietsreform 1973 waren West- und Ostrhauderfehn und die umliegenden Orte noch eigenständig und gründeten einen Schwimmbadzweckverband.

Grundwasser aus dem Moorboden

Von Anfang an waren Margrit Esders und ihr 2016 verstorbener Mann Burghard dem Idyll am Langholter Meer verbunden. Auch, wenn am Anfang noch nicht alles gut war. „Anfangs gab es noch kein gechlortes Wasser“, erinnert sich die 87-jährige Ostrhauderfehntjerin. Die Folge: im Becken war braunes und vor allem undurchsichtiges Grundwasser aus dem Moorboden. „Wenn mein Mann abends nach Feierabend ein vergessenes Fahrrad auf dem Parkplatz fand, hat er mit Helfern den ganzen Boden abgesucht.“ An ein großes Unglück in den Dienstzeiten ihres Mannes könne sie sich nicht erinnern, sagt Esders.

Schon in den 1960er Jahren konnte auf dem Gelände Minigolf gespielt werden.
Schon in den 1960er Jahren konnte auf dem Gelände Minigolf gespielt werden.

Allerdings hätten Generationen von Fehntjern bei ihm das Schwimmen gelernt. „Viele sprechen mich auch heute noch darauf an.“ Esders war für kurze Zeit in den 1960er-Jahren sowie dann von 1974 bis 1987 dort am Beckenrand.

Gemischte Tüten und Sinalco.Cola

In den ersten Jahren hat es sie auch beruflich in das Freibad gezogen. Sie hat den Kiosk – damals noch nicht am Eingang, sondern bei den Umkleiden – betrieben. „Gemischte Tüten mit Bonbons, Kaugummis für 20 Cent“ sowie Eis und Limonade seien der Renner gewesen.

Das Freibad war im Sommer – das Bild stammt aus dem Jahr 1966 – bei warmen Temperaturen gut besucht. Fotos: Archiv
Das Freibad war im Sommer – das Bild stammt aus dem Jahr 1966 – bei warmen Temperaturen gut besucht. Fotos: Archiv

Ein sehr beliebtes Getränk der ersten Freibadjahre bei Kindern und Jugendlichen sei der gelbe Sprudel der Marke Sinalco gewesen. „Cola gab es damals hier noch nicht so“, sagt Esders.

Mehr als 1000 Besucher an guten Tagen

Regelmäßig im Freibad dabei war auch Sohn Burchard. „Ich habe meine ganze Kindheit dort verbracht. Nach der Schule ging es immer zum Freibad“, sagt der 61 Jährige. „Das war ein Treffpunkt für Kinder und Jugendliche. Wir konnten da ausgelassen spielen und toben.“

Bademeister Burghard Esders notierte an diesem Tag im Jahr 1969 die Wassertemperatur.
Bademeister Burghard Esders notierte an diesem Tag im Jahr 1969 die Wassertemperatur.

An guten Tagen waren mehr als 1000 Besucher in dem kleinen Bad. „Das wussten wir, weil wir die Karten gezählt hatten“, sagt Mutter Esders.

Das Ende kam nach 50 Jahren

Auch nachdem sie dem Freibad nicht mehr beruflich verbunden war, zog es sie täglich dahin. „Wir haben uns mit einer Gruppe jeden Morgen zum Schwimmen getroffen“, sagt sie. Immer um Punkt

9 Uhr. „Deshalb haben wir uns auch 9-Uhr-Gruppe genannt.“ Sie sei meist mit dem Fahrrad aus Ostrhauderfehn an dem Wäldchen vorbei am Leda-Jümme-Weg dorthin gefahren.

Das marode Schwimmbad wurde geschlossen und abgerissen.
Das marode Schwimmbad wurde geschlossen und abgerissen.

Bis in das Jahr 2009. Denn am 30. August 2009 hatte das Bad zum letzten Mal geöffnet. Kurz vor Beginn der geplanten 51. Saison wurden Schäden am Becken entdeckt, die nie mehr behoben wurden. Nach monatelanger Debatte schloss das Freibad endgültig. Mutter Esders vermisst das Bad immer noch. „Wir reden noch öfter über das Freibad“, sagt sie. Aus ihrer 9-Uhr-Gruppe ist mittlerweile ein Kaffee-Klub geworden. „Wir treffen uns immer noch einmal im Monat zum Frühstück“, sagt sie. Und dann wird immer wieder über das Freibad am Langholter Meer gesprochen.

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