Brennholz wird teurer  Anfeuern des Kaminofens könnte bald Luxus werden

Tatjana Gettkowski
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Von Tatjana Gettkowski
| 07.07.2022 12:53 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Das Feuerchen im Kaminofen gehört für viele Ostfriesen zu einem heimeligen Winterabend dazu. Angesichts steil ansteigender Preise könnte der Gemütlichkeitsfaktor schon bald purer Luxus werden. Foto: Gettkowski
Das Feuerchen im Kaminofen gehört für viele Ostfriesen zu einem heimeligen Winterabend dazu. Angesichts steil ansteigender Preise könnte der Gemütlichkeitsfaktor schon bald purer Luxus werden. Foto: Gettkowski
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Heizkosten sparen und einfach den Kaminofen anfeuern: Viele Ostfriesen merken gerade, dass diese Rechnung nicht aufgeht. Dafür, dass Brennholz so teuer ist wie nie zuvor, gibt es mehrere Gründe.

Ostfriesland - Die Kosten für Gas und Heizöl explodieren. Verbraucher blicken daher mit Sorge auf den Winter und suchen nach Alternativen, um es zu Haus muckelig warm zu haben. Viele Besitzer von Kaminöfen decken sich schon jetzt mit Brennholz ein. Die boomende Nachfrage treibt auch in Ostfriesland die Brennholzpreise exorbitant nach oben. Hochwertige Sorten wie Buche sind vielerorts aktuell gar nicht verfügbar.

Was und warum

Darum geht es: Kaminholz ist rar und teuer. Woran liegt das?

Vor allem interessant für: Ostfriesen, die einen Kaminofen haben.

Deshalb berichten wir: Angesichts steigender Gas- und Heizölpreise wollen sich viele Besitzer von Kaminöfen mit Brennholz eindecken, in der Hoffnung, die Heizkosten so etwas drosseln zu können.

Die Autorin erreichen Sie unter: t.gettkowski@zgo.de

Viele Händler können die starke Nachfrage gar nicht bedienen. Beim Sägewerk Hesse in Weener ist reines Buchenholz bis Februar schon ausverkauft. Wann und wie viel Nachschub kommt, ist offen. „Um den enormen Bedarf überhaupt decken zu können, kaufen wir im Moment, was wir kriegen können, auch Nadelholz wie Fichte und Tanne“, so Eduard Hesse. Das Unternehmen ist nach Worten des Firmenchefs sogar wieder dazu übergegangen, selbst Holz für die Vermarktung zu schlagen. „Anders lässt sich der Bedarf unserer Stammkunden gar nicht decken.“

Buchenholz ist wegen des hohen Heizwertes am beliebtesten. Weil aber wenig Laubholz auf dem Markt ist, werden verstärkt Sorten angeboten, die schnell wegbrennen wie beispielsweise Nadelholz. Foto: Gettkowski
Buchenholz ist wegen des hohen Heizwertes am beliebtesten. Weil aber wenig Laubholz auf dem Markt ist, werden verstärkt Sorten angeboten, die schnell wegbrennen wie beispielsweise Nadelholz. Foto: Gettkowski

Auch Pelletts sind teurer

Auf der Internetseite des Ostfriesischen Holzschobers in Leer wird der Preis pro Schüttraummeter Buchenholz mit einem Abholpreis von 210 Euro angegeben. „Aktuell haben wir aber kein Buchenholz vorrätig. Es ist kaum Holz zu kriegen“, sagt Firmenchef Nanno Janssen. Die Preise seien im Vergleich zum Vorjahr zum Teil um 50 bis 150 Prozent angestiegen. Betroffen davon seien auch Pelletts für Pellettheizungen. Bei der Holzhandlung Matzellus in Rhauderfehn kostet der Schüttraummeter Buchen-Eschen-Mix 165 Euro, das ist mehr als das Doppelte als noch vor einem Jahr in der Region üblich war.

Die Gründe für diese außergewöhnlich hohe Preissteigerung sind vielfältig. In den vergangenen Jahren ist eine große Menge Nadelholz durch Borkenkäferbefall oder Sturmbruch angefallen. „Dies bindet zunächst die Maschinen und die Manpower und verhindert den Einschlag von Holz in Laubwäldern“, heißt es auf der Internetseite der Firma Frölje aus Westerstede. „Durch die hohen Dieselpreise sind für uns die Transportkosten enorm gestiegen“, nennt Alke Frölje einen weiteren Grund für die steigenden Kosten. In den zurückliegenden zehn Jahren seien die Preise kontinuierlich alle zwei Jahre gestiegen. Zuletzt sei der Preis 2021 von 89 auf 95 Euro angehoben worden. Inzwischen dürfte der Schüttraummeter Buchenholz in der Region kaum noch zu einem Preis unter 120 Euro zu bekommen sein – Tendenz steigend.

Für hochwertiges Brennholz wie Buche müssen Verbraucher in Ostfriesland deutlich mehr ausgeben als im vergangenen Jahr. Die Brennholzpreise haben sich zum teil mehr als verdoppelt. Foto: Gettkowski
Für hochwertiges Brennholz wie Buche müssen Verbraucher in Ostfriesland deutlich mehr ausgeben als im vergangenen Jahr. Die Brennholzpreise haben sich zum teil mehr als verdoppelt. Foto: Gettkowski

Sparpotenzial durch Nadelholz

Das Unternehmen aus Westerstede vermarktet bereits seit 20 Jahren Brennholz im gesamten Nordwesten und belieferert auch zahlreiche Kunden aus Ostfriesland. „So eine Situation wie jetzt haben wir noch nie erlebt“, sagt Alke Frölje. In ihrem Büro klingelt das Telefon in einer Tour. Alles Kundenanfragen. Die Firma erwartet zwar neue Lieferungen, kann aktuell aber kein Buchenholz anbieten. „Wir haben daher eine telefonische Bandansage geschaltet und bitten die Kunden um Geduld.“ Auf der Internetseite können sich die Kunden in der Zwischenzeit informierten, wann wieder Holz verfügbar ist.

Sparen können Verbraucher, indem sie sich für Sortierungen entscheiden, die einen geringeren Brennwert als Buchenholz haben. „Wir bieten beispielsweise Mischungen aus Eiche und Mischholz, wie Erle und Birke an“, erzählt Alke Frölje. Im Buchenholz befinde sich auch immer ein kleiner Anteil Esche. „Den werden wir wahrscheinlich auch noch erhöhen.“ Für Kunden werde Nadelholz mehr und mehr eine Alternative. „Das war lange Zeit wegen seiner Harze verpönt, die angeblich nicht gut für die Kaminöfen sein sollen“, erzählt Alke Frölje. Wenn dieses Holz richtig trocken sei, gebe es aber keine Probleme.

Der Schüttraummeter Buchenholz ist kaum noch zu einem Preis von unter 120 Euro zu bekommen. Die Energiekrise ist nur ein Grund für den rasanten Preisanstieg. Foto: Gettkowski
Der Schüttraummeter Buchenholz ist kaum noch zu einem Preis von unter 120 Euro zu bekommen. Die Energiekrise ist nur ein Grund für den rasanten Preisanstieg. Foto: Gettkowski

Erich Delfs kann das bestätigen. Für die Bezirksförsterei Weser-Ems ist er unter anderem für Waldflächen im Rheiderland zuständig, beispielsweise den Wald in Holthusen. „Das knappe Angebot hängt unter anderem auch damit zusammen, dass im Sinne der nachhaltigen Waldbewirtschaftung nur soviel Laubholz geschlagen werden darf, wie durch Wiederaufforstung nachwachsen kann.“ Selbst die Preise für das Nadelholz seien inzwischen extrem angestiegen. „Für den heimischen Kaminofen wollte das manch einer nicht mal geschenkt haben.“ Doch die Zeiten ändern sich. „Die Zeiten, wo die Leute wählerisch sein konnten, sind vorbei“, lautet seine Prognose, „inzwischen liegt der Preis für einen Schüttraummeter Fichte bei 70 Euro. Das ist schon ein Hammer.“ Hochwertiges Brennholz wie Buche und Eiche wird damit zum Luxusartikel.

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