Ökostrom-Ausbau Enercon begrüßt Pläne der Ampel-Koalition
Neue Gesetze für den Ökostrom-Ausbau sorgen beim Auricher Windkraftanlagenhersteller Enercon für Hoffnung. Zuletzt hatte Corona dem Konzern zugesetzt, jetzt erhält es gar einen Kredit vom Staat.
Berlin/Aurich - Die Koalitionsfraktionen im Bundestag haben sich auf einen massiven Ausbau der Ökoenergien geeinigt. Mit verschiedenen Gesetzen soll die Grundlage für eine langfristig klimaneutrale Stromversorgung geschaffen werden. Letzte Differenzen beim sogenannten Osterpaket von Wirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) seien ausgeräumt worden, wie zu erfahren war. Zuvor war das Paket zwar im Kabinett verabschiedet und im Bundestag diskutiert worden, die FDP hatte aber eine Reihe von Änderungen gefordert.
SPD-Fraktionsvize Matthias Miersch sagte: „Endlich reden wir nicht nur über Ziele, sondern sorgen auch dafür, dass wir sie erreichen.“ So sei verankert worden, dass jedes Bundesland rund zwei Prozent seiner Flächen verpflichtend für Windkraft bereitstellen müsse. „Das ist ein deutliches Signal, dass der Ausbau der Erneuerbaren jetzt höchste Priorität hat.“
Enercon sieht bei Ampel mehr Engagement als bei der Vorgängeregierung
Auf Zustimmung stoßen die Pläne der Ampel-Koalition auch beim Windenergieanlagenhersteller Enercon in Aurich: „Wir hoffen, dass sich dadurch die Kluft zwischen Anspruch und Realität schnell schließt“, teilte Unternehmenssprecher Felix Rehwald mit. Es bleibe jedoch abzuwarten, ob durch die Maßnahmen tatsächlich mehr Flächen für den Ausbau der Windenergie an Land entstehen und Genehmigungsverfahren beschleunigt würden. Enercon sehe aber, dass die Ampel-Koalition den Ausbau der erneuerbaren Energien deutlich engagierter angehe als die Vorgängerregierung.
Zu der gehörte als Gesundheitsminister auch Jens Spahn (CDU). Jetzt ist er als Unions-Fraktionsvize für Energie und Klimaschutz zuständig. „Dem Ampel-Paket fehlt ein Gesamtkonzept für erneuerbare Energien. Sie verengt sich leider auf Wind und Solarenergie“, sagte er. Es müssten aber „alle Potenziale genutzt werden, inklusive kleiner, steuerfreier PV-Anlagen, Wasserkraft, Biogas und Geothermie.“
Folgen von Corona und Ukraine-Krieg sorgen bei Enercon für große Probleme
Die ambitionierten Ziele von SPD, Grünen und FDP begrüßte Spahn zwar ausdrücklich. „Eine Ankündigung produziert aber noch keinen Strom, immer neue Ziele per Gesetz ersetzen nicht das konkrete Umsetzen“, sagte er.
Der Ausbau der Windkraft an Land war in den vergangenen Jahren ins Stocken geraten, was auch Enercon 2019 in eine Krise gestürzt und bei Partnerfirmen zum Jobabbau geführt hatte. Der schleppende Ausbau beschäftige das Unternehmen auch weiterhin, so Rehwald – hinzu kämen die Auswirkungen der Corona-Pandemie und des Krieges in der Ukraine. „Diese sorgen für Preisanstiege bei Rohstoffen, fehlende Teile, Engpässe bei Transport und Logistik und setzen unsere Lieferketten massiv unter Stress.“ Die hohe Inflationsrate führe zudem bei potenziellen Windpark-Investoren zu Zurückhaltung.
Ökostrom-Anteil stieg in Deutschland zuletzt auf 49 Prozent
Die Folgen der Pandemie haben Enercon nun gar dazu veranlasst, sich staatliche Unterstützung zu holen: Das Unternehmen erhält über den 2020 von der Bundesregierung aufgelegten Wirtschaftsstabilisierungsfonds einen Kredit in Höhe von 500 Millionen Euro, wie es mitteilte. Enercon arbeite auf einer „soliden finanziellen Grundlage“, so Rehwald. Um die Corona-Folgen abzufedern, habe man aber Reserven eingesetzt und wolle durch das staatliche Darlehen nun Liquiditätsrisiken so gering wie möglich halten.
Die Voraussetzungen für Enercon sind dabei gut: Kräftiger Wind im Winter und viel Sonne im Frühling ließen den Ökostromanteil in Deutschland steigen. Erneuerbare Energien deckten im ersten Halbjahr 2022 ganze 49 Prozent des Stromverbrauchs, wie vorläufige Berechnungen des Branchenverbands BDEW und des Forschungsinstitutes ZSW ergaben. Das sind sechs Prozentpunkte mehr als im Vorjahreszeitraum. Mit Abstand wichtigste Ökostromquelle sind demnach Windräder an Land, deren Anteil von 17 auf 21 Prozent stieg.
Mit Material von DPA