Protestaktion in Moormerland  Friesische Aktivisten hissen Flagge vor dem Rathaus

Tobias Rümmele
|
Von Tobias Rümmele
| 05.07.2022 13:04 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Am Sonnabend wehte vor dem Rathaus in Moormerland die Ostfriesland-Flagge. Fotos: Privat
Am Sonnabend wehte vor dem Rathaus in Moormerland die Ostfriesland-Flagge. Fotos: Privat
Artikel teilen:

Der Kulturausschuss in Moormerland hatte jüngst abgelehnt, dass die Ostfriesland-Flagge vor öffentlichen Gebäuden weht. Doch eine Gruppe eifriger Lokalpatrioten setzte sich einfach darüber hinweg.

Moormerland - Die Debatte um das Hissen der Ostfriesland-Flagge vor öffentlichen Gebäuden geht weiter. Nachdem der Kulturausschuss der Gemeinde Moormerland in seiner vergangenen Sitzung abgelehnt hatte, das Rathaus mit der ostfriesischen Trikolore zu beflaggen, haben lokalpatriotische Aktivisten genau das nun getan: Am Sonnabend hissten sie unerlaubt die Ostfriesland-Flagge samt dem Wappen der Grafen aus dem Hause Cirksena am Fahnenmast vor dem Rathaus.

Was und warum

Darum geht es: Aktivisten wollen, dass vor dem Moormerländer Rathaus dauerhaft die ostfriesische Trikolore weht.

Vor allem interessant für: Lokalpatrioten

Deshalb berichten wir: Am Sonnabend schritten die friesischen Aktivisten zur Tat und hissten unerlaubt die Ostfriesland-Flagge vor dem Rathaus.

Den Autor erreichen Sie unter: t.ruemmele@zgo.de

Der Verein „Jungfräiske Mäinskup“ bekannte sich in einer Pressemitteilung zu der Aktion. „Die ostfriesische Flagge gehört zu Ostfriesland!“, heißt es darin. „Damit wir auch den Moormerländer Kulturausschuss hiervon überzeugen können, hat die Gruppe die ostfriesische Flagge kurzerhand selbst vorm Moormerländer Rathaus aufgehängt.“ Das Votum des Kulturausschusses sei ein Fehler gewesen, so die Aktivisten. „Wir können nur hoffen, dass diese wohlwollenden Politiker durch die Flagge vor dem Rathaus zur Reflexion angeregt werden und aus diesem Fehler lernen können“, so die glühenden Anhänger einer Beflaggung.

Bürgermeister zeigt sich „irritiert“

Kein Wunder, dass sich im Moormerländer Rathaus die Begeisterung für die Aktion in Grenzen hält. Bürgermeister Hendrik Schulz (SPD) kritisiert die Beflaggung. „Ich habe Verständnis, wenn man mit Entscheidungen der Politik nicht einverstanden ist“, so Schulz. Dabei müsse man sich aber anderer Mittel bedienen. Immerhin sei es selbstverständlich nicht erlaubt vor dem Rathaus unerlaubt eine Flagge zu hissen. „Die Gruppe hätten eine Stellungnahme abgeben oder das Gespräch mit mir suchen können“, sagt der Bürgermeister. Tatsächlich hätte es vor der Beflaggung jedoch keinerlei Kontaktaufnahme durch den Verein gegeben. „Deshalb war ich darüber irritiert“, so Schulz. Ein Mitarbeiter der Gemeinde habe die Flagge schließlich entfernt.

Der 2. Vorsitzende des Vereins Jungfräiske Mäinskup, Wolter Jetten, verteidigt gegenüber der Redaktion hingegen die Beflaggung des Rathauses. „Die Bilder wurden im Internet schon von vielen verbreitet“, sagt er. Die Aktion sei ein voller Erfolg für die Gruppe, die aus etwa 20 Mitgliedern besteht. „Wir wollen, dass die friesische Kultur gestärkt wird und dass die friesische und die plattdeutsche Sprache aufblühen“, so Jetten.

Welches Wappen soll es sein?

Jetten stammt aus den Niederlanden. Seine Muttersprache ist aber das Westfriesische. Er sieht die Ostfriesen als Minderheit, die es zu schützen gilt. „Unser Verein will keine Parteipolitik betreiben“, betont er. „Bei Minderheitenpolitik sind wir aber voll dabei.“ Dem Kulturausschuss der Gemeinde Moormerland wirft er vor, den Minderheitenschutz zu vernachlässigen. „Sie haben ihre Hausaufgaben nicht gemacht. Das ist keine Vereinsfahne, sondern eine offizielle Flagge“, so Jetten. Deshalb, so behauptet er, sei die Aktion vor dem Moormerländer Rathaus auch nicht verboten gewesen.

Tatsächlich hält sich ein Sprecher der Polizei auf Anfrage der Redaktion mit einer rechtlichen Einschätzung zurück. „Grundsätzlich könnte ein Hausfriedensbruch zum Nachteil der Samtgemeinde Moormerland vorliegen, da die entsprechenden Fahnen auf deren Liegenschaft gehisst wurden“, erklärt er. Ob ein solcher vorliege, hänge aber von den örtlichen Begebenheiten vor Ort ab. „Das ist aus hiesiger Sicht nicht abschließend zu klären und fraglich“, so der Sprecher. Anzeige wurde wegen des Vorfalls bislang jedenfalls nicht erstattet.

Wolter Jetten setzt sich für eine Stärkung der friesischen Kultur in der Region ein.
Wolter Jetten setzt sich für eine Stärkung der friesischen Kultur in der Region ein.

Kompromissbereit zeigt sich Friesen-Aktivist Wolter Jetten indes, bei der Frage um das Wappen, das auf der ostfriesischen Trikolore prangen soll. Das Wappen der Grafenfamilie Cirksena müsse es nicht unbedingt sein. Im Kulturausschuss hatte Jens-Rainer Bohlsen (CDU) kritisiert, dass das Grafen-Wappen keinen offiziellen Status habe. Dr. Matthias Stenger, Direktor der Ostfriesischen Landschaft, hatte gegenüber der Redaktion darauf hingewiesen, dass mit dem Grafenwappen ein völlig anderer Herrschaftsanspruch verbunden sei, als etwa mit dem Wappen der Landschaft, das den Upstalsboom zeigt – Symbol der Friesischen Freiheit. Friesen-Aktivist Jetten wäre auch mit dem Upstalsboom oder einer blanken Trikolore ohne Wappen einverstanden, wie er betont. Er selbst habe übrigens keinen Fahnenmast mit Flagge in seinem Vorgarten, gesteht er. „Ich habe aber zuhause eine kleine Ostfriesland-Flagge.“

Ähnliche Artikel