Infrastruktur im Hafen von Weener Stadt Weener kann sich Schleusensanierung nicht leisten
Der Sanierungsbedarf an der Schleuse im Hafen von Weener ist riesig und der Schleusenbetrieb ist wichtig für den Tourismus. Doch die Stadt kann sich das Millionenvorhaben schlichtweg nicht leisten.
Weener - Die Schleuse im Hafen von Weener hat eine bedeutende Funktion für den Tourismus. Schließlich sind die Schiffe der Publikumsmagnet in der Altstadt. Die Eigner der Traditionsschiffe und der Sport- und Segelboote, die den Hafen ansteuern wollen oder dort ihren Liegeplatz haben, sind auf einen funktionierenden Schleusenbetrieb angewiesen. Doch wie lange kann der noch gewährleistet werden?
Dass es Handlungsbedarf gibt, wurde unter anderem bei der maritimen Woche 2019 deutlich. Damals ließ sich plötzlich nur noch ein Schleusentor öffnen. Das Ein- und Auslaufen der Schiffe war nur unter größten Schwierigkeiten möglich. Traditionsschiffer hatten immer wieder darauf hingewiesen, dass eine regelmäßige Wartung der Schleuse offensichtlich versäumt worden ist. „Auf diese Hinweise haben damals weder der Bürgermeister, die Parteien noch die Verantwortlichen der Hafen- und Tourismus GmbH reagiert“, sagt Hilmar Bockhacker, dessen Schiff „Animo“ seinen Liegeplatz im Hafen hat und der dort die Gaststätte „Hafen 55“ betreibt.
Sanierungsbedarf ist enorm
Dass es an der 1991 gebauten Schleuse erheblichen Sanierungsbedarf gibt, weiß auch die Stadt. Die Verwaltung war bei ihren bisherigen Kostenschätzungen von Kosten in einstelliger Millionenhöhe ausgegangen. Doch es wird wohl deutlich teurer.
„Bisher gibt es nur eine grobe Kostenschätzung anhand der Erfahrungswerte von Schleusensanierungen und Neubauten wie in Leer oder Papenburg, anhand derer die Größenordnung im Rahmen von Millionenbeträgen definiert worden ist“, erläutert Heiko Abbas auf Nachfrage. Der Bürgermeister der Stadt Weener ist gleichzeitig Geschäftsführer der Hafen und Tourismus GmbH (HuT), die für den Hafenbetrieb verantwortlich ist.
Nur unaufschiebbare Reparaturen möglich
Die Stadt war Anfang dieses Jahres in einer ersten Grobschätzung von einem einstelligen Millionenbetrag ausgegangen. „Mittlerweile wird die Schwelle zu einem zweistelligen Millionenbetrag allerdings wohl in jedem Fall überschritten“, so Abbas. Eine Relation im Rahmen der bisher nur grob gefassten Kosten lasse sich hierzu noch nicht ableiten. Erst wenn eine erste Kostenschätzung anhand eines konkreten Leistungsumfangs definiert sei, könne man hierzu eine Aussage treffen. In diesem Jahr ist nur ein fünfstelliger Betrag für unaufschiebbare Reparaturarbeiten vorgesehen.
„Die Schleusentore sind an vielen Stellen marode, ebenso wie das Verblendmauerwerk, große Teile der Elektrik und Mechanik in unterschiedlichen Bereichen“, so Abbas weiter. Hinzu komme, dass an einigen Stellen die Schleusenkammer unterspült werde und im hinteren Teil der Schleuse der Schleusenaufbau teilweise über das Fundament hinaus rage.
Sanierung in absehbarer Zeit unmöglich
Doch wie will die Stadt die Sanierung beziehungsweise einen möglichen Neubau angesichts der klammen Kassenlage finanzieren? „Aktuell und auf absehbare Zeit kann die Stadt Weener die Schleuse nicht sanieren und auch nicht neu bauen“, stellt Abbas klar.
„Die notwendigen Maßnahmen zur Gefahrenabwehr beim Schleusenbetrieb werden durch die Hafen- und Tourismus sichergestellt.“ Wie lange wird es dauern wird, bis die Finanzierung steht, kann nach den Worten des HuT-Geschäftsführers noch nicht gesagt werden. Ob es Fördermöglichkeiten für das Projekt gibt, müsse mit Bund und Land erörtert werden.