Autofahren in Ostfriesland  Wenn die verbotene Spritztour zur Gefahr wird

Michael Kierstein
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Von Michael Kierstein
| 01.07.2022 15:29 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Kinder können eine große Affinität zu Autos haben: Das kann gefährlich werden. Foto: hedgehog94/stock.adobe.com
Kinder können eine große Affinität zu Autos haben: Das kann gefährlich werden. Foto: hedgehog94/stock.adobe.com
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Es ist selten, aber es kommt vor: Kinder nehmen sich die Autoschlüssel und fahren los. Dabei werden sie zur Gefahr für sich und andere. Können Eltern das verhindern?

Ostfriesland - Wenn ein Kind das Auto seiner Eltern nimmt und damit einen Unfall hat, kann es für die Familie schnell zu einer Tragödie werden. „Zum Glück sind das sehr seltene Vorkommnisse“, sagt Hans-Friedel Walther, der Vorsitzende der Verkehrswacht Aurich. Das bestätigt auch die Polizeiinspektion Leer/Emden. „Es kommt relativ selten vor, dass Kinder am Steuer in Unfälle verwickelt sind“, sagt Svenia Temmen von der Polizeiinspektion.

Was und warum

Darum geht es: Es kommt vor, dass Kinder sich ans Steuer eines Autos setzen. Dabei gefährden sie vor allem sich selber

Vor allem interessant für: Eltern

Deshalb berichten wir: Wir wollten wissen, was Eltern tun können, um ihre Kinder von Steuer fernzuhalten

Den Autoren erreichen Sie unter: m.kierstein@zgo.de

Trotzdem kommt es auch in Ostfriesland immer mal wieder zu Unfällen, die durch Kinder am Steuer eines Autos verursacht wurden. Erst vor Kurzem kam es in Leer zu einem Unfall, bei dem ein 13-Jähriger schwer verletzt wurde. Er fuhr mit dem Auto seiner Eltern und verlor in einer Linkskurve die Kontrolle über das Auto und prallte mit der Beifahrerseite gegen einen Baum. Wie es um den Gesundheitszustand des Kinds bestellt ist, ist unbekannt. Was können Eltern überhaupt tun, um ihr Kind vom Steuer fernzuhalten?

Gefahr richtig einschätzen

„Das Einschätzen von Gefahren ist altersabhängig“, sagt Georg Reichelt von der Verkehrswacht Leer. Erst ab etwa fünf Jahren könnten Kinder einfache Regeln lernen. Die Hörfähigkeit und das scharfe Sehen seien jetzt komplett ausgebildet.

Ab neun Jahren erst können Kinder Geschwindigkeiten und Distanzen halbwegs einschätzen. „Mit dreizehn Jahren werden Kinder zu „kleinen Erwachsenen“. Sie können jetzt Erlerntes auf unbekannte Situationen anwenden und somit Gefahren relativ gut einschätzen“, sagt Reichelt.

Kinder testen die Grenzen

Doch hier beginnt auch die Phase des Austestens von Grenzen. „Kinder und Jugendliche haben einen Drang dazu, sich auszutesten und Grenzen zu überschreiten“, sagt Werner Hoffmann vom Familienzentrum in Bunde. Das Auto sei dabei nur ein Beispiel. „Die meisten Kinder wissen, dass es ein Tabu ist, das Auto zu fahren und respektieren das als Grenze“, so Hoffmann. Das Problem: Den Königsweg beim Abstecken dieser Grenze gibt es nicht.

Hoffmann rät den Eltern, immer mit den Kindern über die Gefahren des Autofahrens zu reden. „Das Problem ist, dass das auch dazu führen kann, dass das Kind eben deshalb sich das Auto nimmt. Es ist sehr individuell, wie ein Kind agiert“, sagt er. Auch er sieht, dass Kinder und Jugendliche oft die Gefahren nicht so deutlich sehen, wie die Erwachsenen. „Sie sind risikobereiter, da sie die Gefahren nicht kennen“, sagt er.

Mädchen testen ebenfalls

Die Eltern müssten sehr genau auf ihr Kind gucken, um zu erfahren, ob hier eine Gefahr besteht und selbst dann gibt es keine Sicherheit „Man kann das nicht allgemein sagen. Es gibt diejenigen, die sich eher mal die Schlüssel nehmen und diejenigen, die das nie tun würden“, sagt Hoffmann vom Familienzentrum in Bunde. Das Austesten von Grenzen sei zudem nichts, was nur Jungs tun würden. „Das machen genauso viele Jungs wie Mädchen. Die Mädchen sind nur früher dran, zu rebellieren“, sagt er.

Er rät in jedem Fall dazu, offensiv mit Kindern über Gefahren zu reden. Sei es Alkohol oder eben das Auto. „Man kann den Kindern erklären, dass das Auto nicht so einfach zu führen ist. Habe ich jedoch ein Kind, das provozieren will, kann ich schlafende Hunde wecken“, sagt er. Und was hilft dann? Da sind sich die Experten der Verkehrswacht und Hoffmann einig: Die Schlüssel mitnehmen und dafür sorgen, dass das Auto verschlossen ist.

Was können Eltern tun

Das sieht auch Hans-Friedel Walther von der Verkehrswacht Aurich. Wobei Unfälle durch Kinder nicht immer durch aktives Fahren entstehen. „ Es kann auch sein, dass Eltern die Schlüssel stecken lassen. Das Kind spielt daran herum und das Auto macht einen Satz nach vorne“, sagt er. Walther ist sich jedoch auch sicher, dass das Auto eine Faszination auslösen kann. „Vielleicht durften die Kinder auch schon einmal eine Runde selber drehen. Es gibt es, dass Kinder auf einem abgesperrten Bereich mal selber fahren dürfen. So kann man die Neugier wecken“, sagt er. Das kann dann eine falsche Sicherheit bei den Kindern auslösen.

Reichelt von der Verkehrswacht Leer rät zu einer konsequenten Verkehrserziehung schon vom Kindergartenalter an. „Auch wenn von Seiten der Schule keine Verkehrserziehung mehr betrieben wird - in der Regel auf weiterführenden Schulen nicht -, müssen die Eltern am Ball bleiben“, sagt er. Eltern sollten selbst immer als gutes Beispiel vorangehen und Gefahren besprechen. Dazu gehöre auch, wachsam für etwaige Signale zu sein, die darauf deuten könnten, dass irgendetwas durch risikobereites Verhalten kompensiert werden soll. Aber selbst dann: Eine Sicherheit gibt es nie.

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