Diskussion um Freizeitanlage Investor Frank Fennen: „Das ist unser letztes Angebot“
Um eine Freizeitanlage im Volkspark Bokel wird derzeit in Papenburg diskutiert. Jetzt wurde sie vom Investor vorgestellt. Das ist geplant.
Papenburg - Die umstrittenen Pläne für eine Freizeitanlage im Volkspark Bokel in Papenburg haben die erste politische Hürde genommen. In der Debatte blieb der gute Ton zeitweise auf der Strecke. Investor Frank Fennen formulierte derweil eine klare Botschaft.
Zur Sitzung des Ausschusses für Stadtentwicklung am späten Dienstagnachmittag im Dorfgemeinschaftshaus Tunxdorf finden sich außer den Mitgliedern des Gremiums, der Verwaltungsspitze und weiteren Vertretern der Stadt sowie dem Investorenehepaar Frank und Karin Fennen auch mehr als 30 Zuschauer ein. Die meisten sind dagegen, dass das Projekt namens „Outdoor Werft“ im Volkspark Bokel verwirklicht werden soll. Ihre Haltung haben sie schriftlich auf einigen Schildern fixiert.
Investitionen vonzwei Millionen Euro
Noch bevor Fennen sein verändertes Vorhaben vorstellt, für das er bis zu zwei Millionen Euro in die Hand nehmen will und das nach teils intensivem Bürger-Widerstand nicht mehr im Stadtpark realisiert werden soll, ergreift Bürgermeisterin Vanessa Gattung (SPD) das Wort. Die Verwaltungschefin ist im Übrigen die Einzige, die während der gesamten gut zweistündigen öffentlichen Sitzung konsequent FFP2-Maske trägt.
Gattung mahnt einen „respektvollen Umgang“ an und bittet um eine sachliche Debatte. Sie verhehlt nicht, dass sie diesen in der „hitzigen Debatte“ mit Gegnern des Projektes seit der ersten Vorstellung der Pläne für den Volkspark Mitte Mai „leider vermisst“ habe. Vorwürfe der Intransparenz weise sie entschieden zurück.
Noch nichts endgültig beschlossen
Die Bürgermeisterin spricht von einem „tollen Projekt“, das sich nach dem Protest im Stadtpark nun nach sorgfältiger Analyse an einem anderen Standort verwirklichen lasse. „Freizeitangebote werden von unseren Bürgern ausdrücklich gewünscht“, sagt Gattung. Sie betont aber auch, dass noch nichts endgültig beschlossen sei. Fennen, Sportpädagoge aus Rhauderfehn und Betreiber des 3-D-Bogenparks in Surwold, skizziert kurz, wie er sich die „Outdoor Werft“ im Volkspark als ein Freizeitangebot für die ganze Familie mit regionalem Alleinstellungsmerkmal vorstellt. Vorgesehen sind demnach unter anderem ein Zipline-Parcours mit gleich zwei Seilbahnen über Wasser, Klettern (über Holzmasten statt an Bäumen), Adventure Golf (mit naturnah gestalteten Minigolf-Stationen), Stehpaddel- und Treetboot-Verleih, eine Bewegungslandschaft auf dem Wasser sowie einer Kunststoffbahn zum Eisstockschießen im Winter.
Das Konzept umfasst überdies Angebote zum Teambuilding beispielsweise für Firmen (Floßbau, Geocaching, Axtwerfen, Hindernisparcours) und eine sogenannte „Mind Arena“, in der es darum geht, unter Zeitdruck bestimmte Aufgaben zu lösen. Darüber hinaus soll ein optisch ansprechender, 4,50 Meter hoher Pavillon errichtet sowie für ein gastronomisches Angebot ein umgebauter Übersee-Container aufgestellt werden.
Nur eine Gegenstimme
Fennen versichert, dass Hundefreilauffläche, Spielplatz und Wege im Volkspark von seinem Vorhaben unberührt blieben. „Wir haben große Lust, neue Angebote zu schaffen“, sagt er. „Und das ist unser Angebot an die Stadt Papenburg und ihre Bevölkerung.“ Das müssten verständlicherweise nicht alle gut finden, sagt der Investor, betont aber auch unmissverständlich: „Das ist unser letztes Angebot.“ „Macht nichts“, raunt daraufhin einer der Zuschauer. Im Verlauf der politischen Debatte brandet in deren Reihen gleich zweimal Applaus auf, als Petra Behnes (Grüne) die ablehnende Haltung ihrer Fraktion gegen das Vorhaben im Volkspark deutlich macht. Sie ist am Ende aber auch die Einzige, die gegen den zu fassenden Aufstellungsbeschluss zum Einstieg in ein langwieriges Verfahren stimmt. Die Grünen seien die einzigen politischen Vertreter ökologischer Interessen. Da wäre es „absurd, wenn ausgerechnet wir dem zustimmen würden“, sagt Behnes. Thorsten Lükenga (SPD) dankt hingegen dem Ehepaar Fennen für Geduld und Nervenstärke. Seine Fraktion unterstütze das Projekt, das den Volkspark „mehr als aufwertet“ und das eine „Attraktion für alle Generationen“ sei.
Zustimmung signalisieren auch Ferhat Asi (FDP), Heiner Hanneken (CDU) und Ralf Uchtmann (UWG/Linke), der in diesem Zusammenhang eine gute Busanbindung anmahnt. „Wenn wir das jetzt ablehnen, dann war es das für Papenburg“, sagt Uchtmann über die Pläne für die Freizeitanlage. „Gott sei Dank“, entfährt es jemandem aus dem Publikum. Asi, der sich erfreut zeigt, dass ein Investor bereit ist, etwas in Papenburg zu unternehmen, „damit hier endlich mal wieder was los ist“, muss sich für seine Haltung ein „Pfui!“ aus den Zuschauerreihen gefallen lassen. Das kritisiert Ausschussvorsitzender Ludger Husmann (SPD) prompt als unangemessen. Hannekens Antrag, den Stadtpark als Standort weiter in petto zu behalten, wird mehrheitlich abgelehnt.
Befürchtungen über Eingriffe in die Natur
In der Einwohnerfragestunde kochen die Emotionen dann noch einmal richtig hoch. Laut werden unter anderem Befürchtungen über Eingriffe in Flora und Fauna, Lärm und Verkehrschaos. Kurzzeitig läuft die Diskussion aus dem Ruder. Ein Gegner verwahrt sich gegen Gattungs Vorwurf, „rumgepöbelt“ zu haben.
„Wir sind rechtschaffene Bürger“, sagt er. Erster Stadtrat Hermann Wessels (CDU) lädt einen Zuschauer, der der Verwaltung jahrelange Untätigkeit vorwirft, zu einem Praktikum in sein Büro ein, damit er sehe, „was alles passiert“. Der Angesprochene lehnt dankend ab. „Um Gottes willen“, sagt er.
Ein Zuschauer fordert indes: „Wir müssen doch langsam mal in den Quark kommen.“ Er erinnert an die Landesgartenschau 2014, „ohne die wir doch nie einen so schönen Stadtpark bekommen hätten“.