Osnabrück Von Labsal labern - wirklich das gleiche Wort?
Alte Wörter: In der Sprachkolumne „Wortklauber“ geht es um Sprachschätze, die in Gefahr sind, verloren zu gehen uns aber noch viel zu sagen haben. Das Wort heute: Labsal.
Labert irgendjemand noch von Labsal? 2007 schaffte es dieses Wort immerhin noch auf einen Spitzenplatz einer Liste der schönsten alten Wörtern, gleich neben blümerant oder Lichtspielhaus. Aber klingt dieser Ausdruck nicht ein wenig umständlich, ja altväterlich? Wer sich heute noch an etwas labt, der macht das bestenfalls noch ironisch. Schade eigentlich, da dieses alte Wort einen schönen Doppelsinn hat. Denn Labsal meint die Stärkung, die den Körper ebenso wie die Seele erfrischt. Es gibt ein bedeutungsgleiches Wort, das etwas ganz Ähnliches meint: Erquickung. Sagt aber auch keiner mehr, oder?
Dabei gehörte die Labsal früher ganz selbstverständlich zum Wortschatz. Literaturfähig war dieses Wort ohnehin. Hören wir mal kurz bei Goethe rein: "Dank sey dir, Gott im Himmel, daß du dem Menschen mitten im glühenden unerträglichsten Leiden ein Labsal sendest, eine Erquickung", ruft Beaumarchais aus, eine Figur aus dem Trauerspiel "Clavigo", das allerdings heute nur noch selten auf den Spielplänen der Theater steht. Die Figur, die da so leidenschaftlich deklamiert hat gerade eine gute Nachricht erhalten, kein Erfrischungsgetränk. Labsal ist, was aufbaut - gerade die Moral.
Zur Labsal gehört das Verb laben. Das Wort klang im Mittelhochdeutschen ganz genau so. Sprachforscher leiten es aus dem lateinischen lavare ab, dem Verb für waschen, baden, benetzen. Wer mit Wasser benetzt ist, fühlt sich erfrischt, gestärkt. Dieser Sinn wies dem Wort seinen Weg durch die Sprachgeschichte. Sollte dieser Weg schon wieder zu Ende sein? Hoffen wir es nicht. Ach ja: labern hat mit Labsal übrigens nichts zu tun. Labbe ist das mundartliche Wort für Lippe oder Maul. Wer labert, also daher schwätzt, ist eines für andere Menschen sicher nicht - eine Labsal.